Herausforderung MMM Corones

Die Baufirma Kargruber-Stoll und ihr bislang spektakulärstes Projekt

Mittwoch, 22. Juli 2015 | 17:57 Uhr

Welsberg-Taisten/Bruneck – Das MMM Corones auf dem Gipfel des Kronplatz wird diese Woche eröffnet. Das Südtiroler Bauunternehmen Kargruber-Stoll mit Sitz in Welsberg-Taisten hat die Baumeisterarbeiten realisiert und blickt mit Stolz auf seine wohl spektakulärste Baustelle.

Das große Abenteuer begann im Frühjahr 2013, nachdem das Bauunternehmen den Zuschlag für die Baumeisterarbeiten für das MMM Corones erhalten hat. Das MMM Corones ist das sechste Messner Mountain Museum und widmet sich dem Thema Fels. Geplant wurde es von der weltbekannten und wohl innovativsten Architektin der Gegenwart, Zaha Hadid.

„Wir haben uns sehr über den Zuschlag gefreut, aber natürlich zu Beginn auch mit viel Respekt und offenen Fragen auf die Pläne geschaut. Das Museumsprojekt stellte in Form, Dimension und Qualität eine enorme Herausforderung dar. „Mit traditioneller Baumeisterarbeit hatte diese Baustelle sehr wenig zu tun, im Gegenteil. Wir hielten die Pläne des ersten Gebäudes in Südtirol in der Hand, das nach parametrischen Maßstäben gebaut werden sollte“, erinnert sich Robert Kargruber, Präsident der Kargruber-Stoll GmbH an die Anfangsphase der Bauarbeiten.

„Um uns in die Arbeits- und Denkweise der Architektin einzuarbeiten, sind wir nach Wien gereist und haben dort den in Bau befindlichen und ebenso von Zaha Hadid geplanten Campus der Wirtschaftsuniversität studiert. Das hat uns sehr geholfen, die Ansprüche der Architektin zu verstehen.“

Die technischen Pläne, die normalerweise bei einem Bauprojekt zum Einsatz kommen, waren in diesem Fall nicht ausreichend, um die richtige Bemaßung und Berechnung durchzuführen. „Viele Mauern waren rund und hatten mehrfach gekrümmte Neigungen. Um alle Maße exakt zu berechnen, mussten wir mit einem 3 D Computermodell arbeiten. Wenn es Fragen gab, wurde über Videokonferenz mit dem Planungsbüro in Hamburg diskutiert. Das war für uns eine ganz neue Erfahrung, aber die Zusammenarbeit hat perfekt funktioniert,“ erzählt der Baustellenleiter Dietmar Stoll. Die Grundlage parametrischen Bauens ist die Verwendung von digitaler Entwurfstechnik. Auf diese Weise kann Freiform-Architektur entstehen, die mit ihren weichen fließenden Formen eine besondere Faszination auf den Betrachter ausübt. Ein Markenzeichen von Zaha Hadid.

Als Hauptelement wurde Beton verwendet. Dieses Material eignet sich besonders, um diese freie Form des Bauens zu gewährleisten. Es lässt sich in alle denkbaren Formen gießen. Die Mauern, die nicht in Sichtbeton gegossen wurden, bekamen eine Verkleidung aus Betonfertigteile.

Die eigens produzierten Schalungselemente wurden aus traditionellen Rahmenschalungen, gewalztem Stahl und 3-D-gefrästen Styroporblöcken kombiniert. Für einige Mauerteile wurde fast 3 Wochen an der Schalung gearbeitet.

Die Mauern aus Sichtbeton mussten der höchsten Sichtbeton Klasse (SB-4) entsprechen und eingefärbt werden. Dafür wurden im Vorfeld unzählige Proben gegossen und mit dem Planungsbüro abgesprochen. Eine große Herausforderung war es dabei, die richtige Rezeptur zu finden. So mussten die lange Anfahrtszeit, die Höhenlage, aber auch die Temperaturschwankungen mit berücksichtigt werden. „Eine Baustelle auf 2.275 m Meereshöhe stellt ganz eigene Herausforderungen an die Mannschaft“, erzählt Vorarbeiter Andreas Steiner. „Wir haben drei Sommer lang von 2013 – 2015 gebaut. Die effektive Bauzeit belief sich auf acht Monate. Wobei der Sommer 2014 noch allen gut in Erinnerung ist. Es kam nicht selten vor, dass die Temperatur am Gipfel unter die Nullgrad-Grenze sank und für die Auffahrt zur Baustelle Schneeketten montiert werden musste.“

Aber genau die Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass das gesamte Team noch enger zusammenrückte und auch den widrigsten Umständen trotzte. Voller Stolz berichten Robert Kargruber und Michael Hellweger, Geschäftsführer der Kargruber-Stoll GmbH über „den gewaltigen Teamgeist und die große Solidarität“ ihrer Mitarbeiter. Musste an kalten Tagen an exponierten Stellen gearbeitet werden, so haben sich die Arbeiter an den windexponierten Stellen abgewechselt und sich gegenseitig zusätzliche Schutzkleidung geliehen. Reinhold Messner hat bei seinen Besuchen auf der Baustelle diesem Aspekt immer Respekt gezollt und die Arbeiter gelobt und motiviert.

Michael Hellweger, seit 2015 Geschäftsführer des Unternehmens, kann nur mit Begeisterung auf sein Team schauen. „Was hier von unseren Arbeitern auf der Baustelle, aber auch im Büro geleistet wurde, ist beeindruckend. Aber vor allem zeigt es, dass Südtiroler Unternehmen im Stande sind innovative Projekte umzusetzen und im internationalen Wettbewerb mit zu halten. Sicher, zu Beginn gab es viele Fragenzeichen. Aber wir haben uns der Herausforderung gestellt und sehr viel dazu gelernt. Diese Erfahrung kommt uns jetzt zugute. Es gibt bereits weitere Anfragen, die im technischen Anspruch ähnlich sind wie das MMM Corones.

Von: ©mk

Bezirk: Pustertal