Spiegelreflex-Neuvorstellung: Nikons überarbeitetes Einsteigermodell D3500

Die Vollformat-Show: Kamera-Highlights auf der Photokina

Donnerstag, 27. September 2018 | 12:08 Uhr

Zwei Jahre ist es her, seit die letzte Photokina stattgefunden hat. Seitdem hat sich viel geändert: Die Messestars sind 2018 handliche Systemkameras mit Vollformatsensoren, für die selbst Profis immer öfter ihre klobige Spiegelreflex links liegen lassen.

Smartphones haben den Fotomarkt längst umgekrempelt. Die Verkäufe von Digitalkameras haben sich seit 2014 ungefähr halbiert. Der Photo-Industrieverband (PIV) prognostiziert 2,35 Millionen verkaufte Apparate in diesem Jahr. Und wer sich noch eine Kamera kauft, will kein günstiges Ding, das kaum bessere Bilder als sein Handy liefert. So stehen auf der Photokina (Besuchertage 26. bis 29. September) besonders Systemkameras (Wechselobjektivkameras ohne Spiegel) sowie Kompaktkameras mit großen Sensoren im Mittelpunkt.

Dass Nikon und Canon ihre ersten Systemkameras mit Vollformatsensoren, auch Kleinbildformat genannt, mit nach Köln bringen, war schon bekannt. Und Vollformat-Systemkamera-Pionier Sony hatte mit der Alpha 9 und der Alpha 7 Mark III schon früher im Jahr entsprechende Neuheiten präsentiert. Überraschend hat nun Panasonic mit der S-Serie ebenfalls Vollformat-Systemkameras angekündigt.

Bisher war der Hersteller für Systemkameras mit Sensoren im Micro-Four-Thirds-Format (G-Serie) bekannt, die aber parallel weiterentwickelt werden sollen. Die S-Modelle sind mit einem neuen Objektivanschluss (Bajonett) namens L-Mount ausgestattet, das auch Leica und Sigma als Kooperationspartner von Panasonic einführen. Es ist so dimensioniert, dass es sich nicht nur für Vollformat-, sondern auch für APS-C-Sensoren eignet.

Panasonic will die neue Familie mit der S1R mit 47 Megapixel (MP) und mit der S1 mit 24 MP starten. Gehäuse, Bedienung und Features sind ansonsten identisch. Beide Kameras können 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen, haben ein auf drei Achsen klappbares Display und bieten eine duale Bildstabilisierung im Gehäuse und in den Objektiven. Darüber hinaus sollen die S-Kameras auch mit einer kompletten Gehäuseabdichtung – Bedienrädchen und Knöpfe eingeschlossen – und einem extrem robusten Verschluss überzeugen. Zu haben sein werden die S-Kameras erst 2019, in Köln sind nur Vorserienmodelle zu sehen. Preise stehen auch noch nicht fest.

Nikons erste Vollformat-Systemkameras, die Z6 (25 Megapixel) und die Z7 (46 Megapixel), können Messebesucher hingegen schon ausprobieren. Auch sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch die Sensoren. Und auch mit ihnen wird ein neues Bajonett (Z) als Basis für eine ganz neue Objektivserie eingeführt.

4K-Videos liefern die Z-Kameras mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde, Full-HD-Videos mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Es wird einen Adapter (FTZ) geben, damit Kunden Objektive mit F-Bajonettanschluss von Vollformat-Spiegelreflexkameras des Herstellers weiternutzen können – bei voraussichtlich 3.700 Euro Gehäusepreis für die ab Ende September erhältliche Z7 lässt sich so etwas sparen. Die für November angekündigte Z6 schlägt mit rund 2.500 Euro zu Buche.

Als Dritter im Bunde hat auch Canon seine erste spiegellose Systemkamera im Vollformat präsentiert: die EOS R mit 30-MP-Sensor. Auch sie kommt mit neuem Bajonett (RF). Aber wer bereits andere Canon-Optiken besitzt, kann diese über einen Adapter (EF-EOS R) weiternutzen. Die Kamera ist primär auf Touchscreen-Bedienung ausgelegt. Es gibt aber auch praktische Bedienelemente wie einen Objektivring, über den etwa Belichtungszeit oder Blende geregelt werden können sowie einen frei belegbaren Touch-Taster rechts oberhalb des Displays. Der elektronische Sucher ist wie bei Canons Z-Kameras mit 3,69 MP extrem hochauflösend. Die EOS R kommt Anfang Oktober zum Body-Preis von 2.500 Euro.

Es gibt aber auch Systemkamera-Neuheiten mit kleineren Sensoren: Im gewohnten Retrodesign hat Fujifilm die X-T3 (Bodypreis 1.500 Euro) mit neu entwickeltem APS-C-Sensor (26 MP) ins Portfolio aufgenommen. Alle, die filmen, wird die Möglichkeit freuen, 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen. Mit dem elektronischen Verschluss können beim Fotografieren bis zu 30 Bilder pro Sekunde mit 16 MP aufgezeichnet werden, so dass die Grenzen zum Video verschwimmen.

Die Neuvorstellungen unterstreichen, wie sich die Nachfrage entwickelt: Die Zahl der verkauften Spiegelreflexkameras (DSLR) sinkt seit Jahren – zugunsten spiegelloser Systemkameras. Wahrscheinlich überholen Systemkameras DSLR schon im nächsten Jahr – und das kommt nicht von ungefähr: Kameragehäuse ohne Spiegelkasten lassen sich leichter und kompakter gestalten, können mit elektronischem Verschluss bei Bedarf meist auch lautlos auslösen. Und weil der Abstand zwischen Bajonett und Sensorfläche geringer als bei DSLR ist, kann man für Systemkameras auch leichtere und sogar optisch bessere Objektive bauen.

Eine einsame Spiegelreflex-Neuvorstellung auf der Photokina kommt von Nikon: Das überarbeitete Einsteigermodell D3500 mit DX-Sensor (24 MP), der etwas größer als APS-C-Sensoren ist. Im Kit mit 18-55-Millimeter-Objektiv kostet sie 540 Euro.

Wer es noch handlicher möchte, gar keine Wechselobjektive braucht, aber dennoch Wert auf große Sensoren legt, kann zu den sogenannten Edelkompakten greifen, die entweder gar keinen oder nur einen sehr überschaubaren Zoom bieten. Ricoh hat in Köln eine neue Kamera der GR-Reihe mit tiefpassfilterlosem APS-C-Sensor (24 MP) angekündigt, der zur Bildstabilisierung auf drei Achsen beweglich gelagert ist.

Auf der Messe ist ein Prototyp der GR III zu sehen, deren neu berechnetes Festbrennweiten-Objektiv (f2,8) eine digitale Brennweite von 35 oder 50 mm aufweist und die im Makromodus ab 6 Millimeter Entfernung zum Objekt scharfstellen kann. Damit sind Full-HD-Videos mit bis zu 60 Bildern pro Minute möglich. In den Verkauf geht die GR III erst 2019 – für unter 1.000 Euro.

Knappe 500 Euro verlangt Fujifilm für die ähnlich schnörkellose XF10, die ebenfalls mit APS-C-Sensor (24 MP) ausgestattet ist und ein Weitwinkelobjektiv mit Festbrennweite (28mm/f1,8) mitbringt. Die Motivkontrolle erfolgt über den Drei-Zoll-Touchscreen (0,35 MP), das Bedienkonzept richtet sich eher an Einsteiger. Die XF10 ist nur vier Zentimeter dick und rund 250 Gramm leicht.

Mit gut sechs Zentimetern Tiefe und einem Gewicht von 350 Gramm fällt die neue Panasonic Lumix LX100 II mit Micro-Four-Thirds-Sensor (17 MP effektiv) etwas größer aus. Dafür verfügt das lichtstarke Leica-Summilux-Objektiv (f1,8-2,4) über einen Bildstabilisator und vierfachen optischen Zoom. Und neben dem drei Zoll großen Touchdisplay (1,24 MP) gibt es auch einen elektronischen LCD-Sucher (2,76 MP). 4K-Auflösung unterstützt die Lumix bei Videos, aber auch für diverse Fotofunktionen. Sie ist ab Oktober für 950 Euro zu haben.

Von: APA/dpa

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