Jetzt werden die Lehren aus dem Diesel-Skandal gezogen

Diesel-Nachrüstung könnte nächstes Jahr starten

Donnerstag, 04. Oktober 2018 | 14:34 Uhr

In der Debatte um die technische Nachrüstung älterer Dieselautos wollen deutsche Zulieferer schon bald erste Abgasreinigungssysteme anbieten. “Ich denke, dass wir schon Anfang nächsten Jahres die ersten Modelle an dem Markt bringen können”, sagte der Geschäftsführer des Katalysatoren-Herstellers Oberland Mangold, Hubert Mangold, am Donnerstag.

Der genaue Zeitpunkt hänge auch davon ab, wie schnell das deutsche Verkehrsministerium die angekündigten Richtlinien und technischen Vorgaben erlasse. “Wir müssen ja wissen, was das System können muss.” Danach richte sich auch, wie aufwendig die Zertifizierung durch das Kraftfahrt-Bundesamt werde.

Er gehe davon aus, dass sein Unternehmen danach entsprechende SCR-Katalysatoren liefern könne. “Wir arbeiten ja schon länger daran.” Die Firma aus Eschenlohe in Oberbayern hat seit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Nachrüstung von Fahrzeugen mit Katalysatoren.

Das Ingenieurbüro Dr Pley SCR Technology aus Bamberg, das ebenfalls solche Systeme entwickelt und vertreibt, will im Mai oder Juni lieferfähig sein. Die Zulassung müsste bis dahin erledigt sein, glaubt Geschäftsführer Martin Pley. “Ansonsten haben wir wieder eine Blockade durch die Politik.” Die von Pley entwickelten Abgassysteme lägen bereits dem Kraftfahrt-Bundesamt vor und würden derzeit von den technischen Diensten geprüft.

Pley sagte, er halte es für ausgeschlossen, dass bis September nächsten Jahres ein Großteil der älteren Diesel mit der Abgasnorm Euro 4 und 5 ausgetauscht werden könne. Das liege auch daran, dass gar nicht ausreichend Fahrzeuge mit dem neuen Abgassiegel Euro 6d-temp verfügbar seien. Die Fahrzeughersteller kämen also nicht umhin, die Hardware eines Teils dieser Fahrzeuge nachzurüsten. Ab September droht in Frankfurt ein Fahrverbot für Euro-5-Diesel.

Die deutsche Regierung hatte sich nach monatelangen Verhandlungen am Dienstag auf einen Plan aus Umtausch und Nachrüstung verständigt, um Fahrverbote in Städten abzuwenden. Während die Autobauer erste bereits Prämienangebote in Höhe mehrerer tausend Euro angekündigt haben, ist noch völlig unklar, ob auch die Hardware-Nachrüstung zustande kommt. BMW und Opel lehnen sie unter Umweltgesichtspunkten als wenig sinnvoll und technologisch nicht ausgereift ab. Volkswagen pocht darauf, dass alle Herstellen mitmachen, um selbst durch die Kosten der Nachrüstung keinen Wettbewerbsnachteil zu bekommen. Auch Daimler will sich einer Nachrüstung beteiligen, hält sich mit Details aber zurück.

Unterdessen setzt die Politik darauf, die Autobauer durch öffentlichen Druck dazu zu bringen, die verlangte Nachrüstung auf eigenen Kosten umzusetzen. Zwingen kann sie die Unternehmen nicht. Ein Streitpunkt neben den Kosten ist auch immer noch die Frage, wer für mögliche Folgeschäden durch einen nachträglich eingebauten Katalysator geradesteht.

Von: APA/ag.

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