Des einen Leid, des and'ren Freud: Anwälte verdienen an "Dieselgate"

“Dieselgate”-Rechtsstreit bringt US-Anwälten 300 Mio. Dollar

Sonntag, 23. Juli 2017 | 15:07 Uhr

An den milliardenschweren Vergleichen des deutschen VW-Konzerns mit US-Sammelklägern im Abgasskandal verdienen auch die beteiligten Anwaltskanzleien enorm. Der für den Mammut-Rechtsstreit zuständige US-Richter Charles Breyer genehmigte Klägeranwälten am Freitag weitere 125 Mio. Dollar (rund 107 Mio. Euro) an Gebühren und Kostenrückerstattungen im Rahmen der Rechtsvertretung.

Die Anwälte betreuen rund 88.500 Besitzer von Dieselwagen mit 3,0-Liter-Motoren, bei denen VW mit Hilfe einer speziellen Software Stickoxid-Werte manipuliert hatte.

Zuvor hatte Breyer Rechtsvertretern bereits 175 Mio. Dollar im Zusammenhang mit Klagen bei knapp 500.000 kleineren Fahrzeugen mit 2,0-Liter-Dieselmotoren zugestanden, so dass insgesamt 300 Mio. Dollar (knapp 258 Mio. Euro) zusammenkommen. Damit werden im Schnitt Stundenlöhne von 462 beziehungsweise 529 Dollar in Rechnung gestellt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden zugegeben, bei Abgastests betrügerische Handlungen gesetzt zu haben. Der Konzern hat bereits 22,6 Mrd. Euro für Vergleiche in Nordamerika zu zahlen.

Der VW-Betriebsrat will indes angesichts der Berichte über Kartellabsprachen in der Autobranche möglichst rasch die Mitglieder des Aufsichtsrats zusammenrufen. “Es muss sofort in der kommenden Woche eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung geben”, sagte ein Sprecher des Gremiums am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

“Der Vorstand ist in der Pflicht, das Aufsichtsgremium umfassend zu informieren. Das ist bislang nicht geschehen.” Auch gegenüber den Mitarbeitern sollten die Manager sich erklären.

Laut einem “Spiegel”-Bericht sollen sich VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler über eine Dauer von vielen Jahren in einem gemeinsamen Kartell über Technik, Kosten und Zulieferer abgestimmt haben.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte bereits am Freitag Aufklärung verlangt. Er habe – wie auch Landeswirtschaftsminister Olaf Lies – aus Medien von den Vorwürfen erfahren. Weil und Lies sowie VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sitzen im Aufsichtsrat des Konzerns.

Von: APA/dpa