Senioren im KVW zum 1. Oktober

“Digitalisierung der Verwaltung ist für ältere Menschen zu schnell”

Samstag, 01. Oktober 2022 | 07:14 Uhr

Bozen – “Wer älter wird, sieht tiefer. Wir haben heute eine höhere Lebenserwartung als je zuvor. In den letzten 150 Jahren hat sich unsere Lebenserwartung verdoppelt: Durch die Verbesserung der Hygiene, durch den hohen Stand der Medizin und der ärztlichen Betreuung, durch Vorbeugung und Nachbehandlung. Viele Menschen bemühen sich um die persönliche Gesunderhaltung durch richtige Ernährung, durch körperliche Aktivitäten und Bewegung, durch geistige Tätigkeiten und lebenslanges Lernen. Der Blick auf unsere Lebenszeit darf nicht nur die Berufs-Lebenszeit als Kern des Lebens beinhalten, vielmehr sollte die dritte Lebensphase als Chance genützt werden”, so der KVW zum Tag der Senioren.

Der Mensch brauche eine sinnvolle Aufgabe. “Wir haben nach der Pensionierung mehr Zeit und Muße und können unsere Fähigkeiten einsetzen, wo wir es für wichtig und nützlich finden. Es braucht die Aufmerksamkeit füreinander und gegenseitige Hilfe und Solidarität. Viktor Frankl, österreichischer Neurologe und Psychiater, sah die tiefste Sinnerfüllung im Einsatz für das Wohl der Mitmenschen und für die Linderung von Notsituationen. Karl Rahner, einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, sagte beispielsweise ‘Wer sich nur um sich selbst kümmert, der verkümmert.’ Großeltern sind wertvolle Bezugspersonen und Miterzieher für ihre Enkelkinder. Großeltern haben Zeit und können vieles von früher erzählen. Sie können Wissen und Fertigkeiten weitergeben, Regeln für das Zusammenleben erklären, eine religiöse Rückbindung vorleben. Sie können Vorbilder sein, füreinander Sorge zu tragen. Junge Menschen möchten wissen und erleben, wie ihre Vertrauenspersonen Ereignisse und Situationen beurteilen”, so der KVW.

Der bekannte deutsche Politiker Franz Müntefering, Vorsitzender der Seniorenorganisationen in Deutschland und Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes, rät in seinem Buch „Unterwergs. Älterwerden in dieser Zeit“ auch im Alter aktiv und engagiert zu bleiben. Wir seien mitverantwortlich für das, was geschieht mit uns, in unserem Umfeld und in unserem Land. Wir sollten mitwirken in der politischen Willensbildung des Volkes, die Lebendigkeit der Demokratie fördern und die Solidarität in der Gesellschaft erhalten.

“Ältere Menschen engagieren sich auch in der Freiwilligen-Arbeit: in der Nachbarschaft, in Hilfsorganisationen, in Vereinen, in der Kirche und in der Politik. Viele betreuen ihre pflegebedürftigen Angehörigen. Viele ältere Menschen nutzen gerne die neuen Möglichkeiten im Internet: Informationen suchen für alle Themenbereiche, E- Mail, Teilnahme an Online-Besprechungen, die Nutzung von Mediatheken. Die Umstellung der Digitalisierung der öffentlichen Dienste geht für viele Bürger zu schnell und zu radikal. Besonders im Gesundheitsbereich werden ältere Menschen mit viel zu komplizierten Anweisungen überfordert (z.B. Vormerkungen für Visiten und Laborproben, Herunterladen des Antigen-Testes und des Grünen Passes, Wahl des Vertrauensarztes usw.). Viele Senioren haben weder eine E-Mail-Adresse, noch ein Smartphone. Laut Umfragen in Österreich und in Deutschland haben rund 40 Prozent der älteren Menschen noch keine Möglichkeit, das Internet zu nützen”, bemängelt der KVW.

“Nicht alle Menschen können verpflichtet werden, die Umstellung der öffentlichen Dienste auf digitale Anleitungen sofort zu beherrschen. Das braucht Zeit und Angebote zum Lernen. Ansuchen an öffentliche Verwaltungen sollen auch weiterhin in Papierform angenommen werden und Schreiben an ältere Menschen mit der Post verschickt werden. Es braucht regelmäßige Öffnungszeiten der Ämter für direkte Kontakte, bei welchen man anrufen und vorstellig werden kann, um sich zu informieren und beraten zu lassen. In jedem Ort sollten Ratsuchende wöchentlich eine Anlaufstelle haben, sich zu informieren”, so der KVW.

Der KVW bietet verschiedene Hilfen an: Computerkurse, Senior-Online-Begleiter zeigen vor Ort interessierten Menschen, wie man das Internet nutzen kann. In KVW-Seniorenclubs werden Treffen organisiert, wo miteinander und voneinander gelernt werden kann. Erwachsene und Jugendliche helfen bei Fragen zur Bedienung von Handy und Laptop. Ziel ist es, die ältere Generation in ihrer Selbständigkeit zu schützen und zu fördern.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Selbstbewertung
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Superredner
2 Monate 4 Tage

Nicht nur für Senioren, wohl auch für jüngere. Das liegt nicht sosehr an der Digitalisierung an sich als vielmehr an der Art der Umsetzung. Man versetzt sich wie so oft viel zu wenig in die Lage der “Kunden”. Vieles ließe sich einfacher gestalten. In anderen Ländern beispielsweise reicht ein Passwort für den Zugang zu allen Diensten, die Seiten sind einfach gestaltet, um darauf rasch zugreifen zu können. Selbst Onlinebanking ist hierzulande einfacher als eine Schulanmeldung.

Pazzoide
Pazzoide
Tratscher
2 Monate 2 Tage

@Faktenchecker lesen hilft…

thomas
thomas
Kinig
2 Monate 4 Tage

durch diese wahnwitzige Digitalisierung werden immer mehr Menschen von essentiellen Leistungen ausgeschlossen

Faktenchecker
2 Monate 3 Tage

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Bedeutungen:

[1] wesentlich, zum Wesen (einer Sache) gehörig
[2] Biologie: lebensnotwendig
[3] Philosophie: wesensmäßig, (von Geburt an) zum Wesen (eines/des Menschen) gehörig
[4] Medizin, als Symptom: alleinstehend vorhanden seiend, nicht auf eine Krankheit verweisend

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