Workshop im TIS untersucht Potenzial von Stroh-Häusern

Dream-Team aus Holz, Stroh und Lehm

Donnerstag, 30. April 2015 | 18:23 Uhr

Bozen – Häuser aus Stroh, Holz und Lehm? Klingt nicht wirklich innovativ. Ist es aber! Denn die Ökobilanz solcher Gebäude ist hervorragend, weil Strohhäuser beim Rückbau kompostierbar sind und weil beim Bau auf regional nachwachsende Rohstoffe zurückgegriffen werden kann. Lange CO2-intensive Transportwege für das Material bleiben also aus. Auch in Puncto Brandschutz sind Holz-Stroh-Gebäude unbedenklich. Ein Experten-Workshop im TIS mit dem Titel „Ökonomie & Ökologie unter einem Dach“ setzte sich mit Vorteilen und Herausforderungen beim Bauen mit Stroh und Holz auseinander. Die Erkenntnis: Holz, Stroh und Lehm bilden das Dream-Team für umweltbewusste Bauherrn.

Alle Referenten des Workshops, von Alexander Told von der KlimaHaus Agentur, über den Turiner Architekten Antonio Paolo Salvatore bis hin zu Herbert Gruber vom Österreichischen Netzwerk für Strohballenbau, waren sich einig: Mit Strohballen lassen sich behagliche, gut gedämmte, umweltfreundliche Häuser bauen.

Dreifacher Klimaschutz

Zudem, so der Tenor des Workshops, leiste das Bauen mit Stroh gleich dreifachen Klimaschutz, da beim Wachstum der Pflanze der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) entnommen wird. Zudem werde auch bei der Herstellung weniger CO2 ausgestoßen als etwa bei der Herstellung anderer Dämmstoffe wie etwa Mineralwolle oder Polystyrol.

Schließlich würde durch die sehr guten Dämmeigenschaften von Strohballenwänden auch weniger Heizenergie verbraucht. Auch dadurch reduzierten sich die Schadstoff- und CO2-Emission des Gebäudes. Skeptikern sei an dieser Stelle gesagt, dass mit Stroh auch Passivhäuser gebaut werden können, Häuser also, die aufgrund ihrer guten Wärmedämmung in der Regel keine klassische Gebäudeheizung benötigen.

„Leider gibt es für Häuser, die mit Stroh gedämmt werden, keine gesetzliche Zulassung in Italien“, erklärt Michael Stauder vom Cluster Holz & Technik des TIS, der für den Holz-Stroh-Workshop verantwortlich zeichnet. Dieser Umstand müsse geändert werden, wenn man das im Holz-Stroh-Hausbau schlummernde Potenzial für die Südtiroler Bauwirtschaft nutzbar machen möchte.

Und so wird gebaut

Bei Holz-Stroh-Gebäuden werden Strohballen in ein Holzständerwerk eingesetzt und verputzt. Die wesentlichen Bestandteile eines Strohballenhauses sind Holz, Getreidestroh, sowie Lehm oder Kalk. Alle diese Materialien enthalten keine Schadstoffe, sind nachwachsend und in fast unbegrenzter Menge vorhanden.

Der Lehm auf den Innenwandoberflächen sorgt für ein angenehmes Raumklima mit optimaler Luftfeuchte.

Auch was die Angst vor höherer Brandgefahr betrifft, kann Entwarnung gegeben werden. Strohballenhäuser gelten als „normal entflammbar“, also als nicht mehr und nicht weniger gefährlich als „herkömmliche“ Häuser.

Strohballenhäuser haben in den USA, Kanada und Australien bereits Tradition. Die ältesten Holz-Strohhäuser dort sind über 100 Jahre alt. Das beweist: mit Stroh und Holz lassen sich beständige, komfortable, mehrgeschossige Gebäude errichten. In Europa, beispielsweise in Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Österreich und der Schweiz hat diese Bauweise mittlerweile Fuß gefasst. Auch in Deutschland wächst seit Jahren das Interesse am Bauen mit Stroh, Anfang 2014 waren dort rund 250 Gebäude aus Strohballen registriert.

„Stroh ist ein preiswerter nachwachsender Rohstoff, der in Südtirol zu wenig genutzt wird“, erläutert Michael Stauder vom Cluster Holz & Technik des TIS. Strohballenbau hätte, so Stauder weiter, in Südtirol viel Potenzial, da beim Bauen mit Holz, Stroh und Kalk Häuser entstünden, die zu Südtirol passten. „Strohballenhäuser sind ein Ausdruck der viel zitierten Symbiose aus Tradition und Innovation“, unterstreicht Stauder, „und ich glaube, dass vor allem die Tourismusbranche von Holz-Stroh-Häusern einen Nutzen hätte.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen