Nadia Calvino könnte für eine Premiere sorgen

Drei Kandidaten für Nachfolge von Eurogruppen-Chef Centeno

Donnerstag, 25. Juni 2020 | 17:29 Uhr

Um die Nachfolge von Eurogruppen-Chef Mario Centeno bewerben sich mindestens drei Kandidaten. Vor Bewerbungsschluss am Donnerstag erklärten neben der spanischen Wirtschaftsministerin Nadia Calvino auch die Finanzminister Irlands und Luxemburgs, Paschal Donohoe und Pierre Gramegna, ihre Kandidatur. Die Entscheidung über die Neubesetzung der Spitze der Währungsunion soll am 9. Juli fallen.

In der Eurogruppe kommen monatlich die Finanzminister der 19 EU-Länder mit der Gemeinschaftswährung zusammen. Ihr bisheriger Chef Centeno hatte Anfang Juni mitgeteilt, dass er sich nicht für eine zweite Amtszeit bewerben wird. Er hatte den Posten seit Dezember 2017 inne. Der 53-Jährige galt Medienberichten zufolge schon länger als amtsmüde.

Die Bewerbungsfrist für seine Nachfolge endet am Abend (18.00 Uhr). Der Eurogruppen-Chef wird von den 19 Finanzministern der Währungsunion mit einfacher Mehrheit gewählt. Dies soll am 9. Juli erfolgen. Der neue Eurogruppen-Vorsitzende würde dann am 12. Juli das Amt antreten. Die Amtszeit beträgt zweieinhalb Jahre.

Die Spanierin Calvino hatte am Vormittag als erste ihre Kandidatur mitgeteilt. Sie wolle “für einen starken und wohlhabenden Euroraum arbeiten, von dem alle Bürger profitierten”, erklärte sie auf Twitter. Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sanchez erklärte, die Eurogruppe sei “ein Schlüsselorgan für die Zusammenarbeit und den Wiederaufbau eines Europas, das stärker und geeinter ist”.

Calvino würde die Institution als erste Frau führen. Die 51-Jährige ist seit Juni 2018 Wirtschaftsministerin. Die Volkswirtin und Juristin hatte ab 2006 zunächst in der EU-Kommission Karriere gemacht. Zuletzt leitete sie dort ab Mai 2014 als Generaldirektorin die Haushaltsabteilung. Ihre Berufung auf den Ministerposten der Regierung in Madrid wurde als Schritt gesehen, die Finanzmärkte nach den Turbulenzen der Schuldenkrise in ihrer Heimat zu beruhigen.

Irlands Paschal Donohoe zog am Nachmittag nach. Als einer der dienstältesten Finanzminister in der EU wäre es für ihn “eine große Ehre”, das Gremium in den kommenden Jahren zu führen, erklärte der Liberal-Konservative. Er verwies darauf, dass Irland schon länger eine Rolle als “Brückenbauer” unter den Mitgliedstaaten innehabe.

Der 45-Jährige ist seit Juni 2017 Irlands Finanzminister. Zuvor war er in der Dubliner Regierung unter anderem für Verkehr und Europa-Angelegenheiten zuständig. Seine Karriere hatte in der Wirtschaft beim US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble begonnen.

Der Luxemburger Gramegna folgte eineinhalb Stunden vor Bewerbungsschluss. “Die großen Herausforderungen der heutigen Zeit erfordern Konsens und Kompromisse zwischen allen Mitgliedern der Eurozone”, schrieb er auf Twitter. “Ich werde meine sechsjährige Erfahrung, meine ganze Energie und Diplomatie für diese Aufgabe einsetzen.”

Der 62-Jährige ist seit Dezember 2013 Finanzminister des Großherzogtums. Seine Karriere begann er als Diplomat. Er war Botschafter in Südkorea und Japan. Der Liberale hatte bereits das letzte Mal Interesse an dem Posten gezeigt. Nach dem früheren Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wäre Gramegna bereits der zweite Luxemburger auf dem Posten.

Von: APA/ag.