Die Ernte wird heuer bescheidener ausfallen als üblich

Ein Viertel der Zuckerrübenflächen von Rüsselkäfern befallen

Montag, 30. April 2018 | 17:48 Uhr

“Es droht das Aus für den Anbau der Rüben und für die Produktion heimischen Zuckers” – Schuld ist der Rüsselkäfer. Diese Warnung bekräftigte am Montag Rübenbauernpräsident Ernst Karpfinger und forderte von der Politik konkrete Maßnahmen. “Rund ein Viertel der Anbaufläche ist mittlerweile von diesem Schädling betroffen bzw. teilweise zur Gänze zerstört”, teilte die Hagelversicherung mit.

“Die Politik hat der nicht faktenorientierten Angstkampagne gegen den Einsatz von Neonics in der Zuckerrübenpillierung von einigen NGOs nachgegeben”, kritisierte Karpfinger gegenüber dem Agrarischen Informationszentrum aiz weiters. “Das Verbot wird nicht den Bienen zugutekommen, jedoch massive Probleme für die Rübenbauern und die Konsumenten bringen.”

Das Neonic-Verbot senke die Wirtschaftlichkeit, so Bauernvertreter und Insektizid-Produzenten. Daher sei mit einem starken Sinken der Anbauflächen zu rechnen. Der Rübenbauer und niederösterreichische ÖVP-Bauernbundfunktionär Andreas Leidwein sprach gegenüber der APA “von einer Invasion biblischem Ausmaßes” und griff Umweltschutz-NGOs an.

Es gebe immer mehr Bauern, die eine Klage gegen Greenpeace und Global 2000 fordern, so Leidwein. Grund sei, dass diese Organisationen “lügen”. Sie sagen, ein Zuckerrübenanbau ist auch ohne Neonics möglich. Das sehen die Bauern anders: “Das ist falsch, das ist ahnungslos. Die Leute werden angelogen – es ist wie eine Epidemie”, sagt der Rübenbauer. “Die Umweltschutzorganisationen sollten für den Schaden aufkommen.” Schließlich seien ihre Forderungen mit dem Neonic-Verbot erfüllt worden.

Den Rübenbauern entsteht laut Karpfinger durch das Neonic-Verbot ein Mehraufwand von durchschnittlich 400 Euro pro Hektar. “Wer eine heimische Rübenproduktion aufrechterhalten will und zusätzliche Auflagen von uns verlangt, muss diese dann auch bezahlen. Ansonsten droht uns das Aus”, sagte er in Richtung Politik.

ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger stimmte dem Verbot auf EU-Ebene vor wenigen Tagen zu. Sie lädt Handelsketten, Industrie, NGOs, Rübenbauern und Experten der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) zu einem Krisengipfel im Mai ein. “Wir werden einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog für heimischen Zucker erarbeiten. Somit können wir auf Neonicotinoide verzichten und unseren Bauern eine Überlebensperspektive erhalten”, kündigte die Politikerin zuletzt an.

Franz Sinabell, Agrarexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), sagte im “Mittagsjournal” des ORF-Radio Ö1, er “denke, dass sehr viele Rübenbauern sehr intensiv darüber nachdenken, aus der Zuckerrübenproduktion auszusteigen. Das ist ein Aspekt, der dazu führen könnte, dass weniger Zucker produziert wird.

Ein zweiter Aspekt ist, dass durch das Verbot dieser Substanz stärkere Ernteausfälle zu erwarten sind. Und wir würden das als Konsumenten dann möglicherweise in Preisanstiegen auch zu spüren bekommen.” Es gebe “Handlungsspielräume, aber die sind sehr aufwändig. Beispiele sind beispielsweise das Milchpaket, das die Milchbauern unterstützt hat, als der Quotenausstieg beschlossen worden war.”

Die Umweltorganisation Global 2000 ruft unterdessen zu mehr Sachlichkeit auf: Man habe zwar mit Gegenwind der Zucker-Lobby gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß, so Helmut Burtscher-Schaden zur APA.

“Wir haben nichts gegen Rübenbauern”, betonte er. “Wir sind überzeugt davon, dass die EU-Entscheidung richtig war.” Grundlage dafür war eine Risikoanalyse der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Neonicotinoide für bienengefährlich hält. Auch ÖVP-Landwirtschaftsministerin Köstinger hat vor wenigen Tagen für das Verbot gestimmt, will aber einen Maßnahmenplan für Rübenbauern entwickeln.

“Natürlich wird es auch ohne Neonics Zucker geben – nur nicht mehr so billig”, so Burtscher-Schaden. Europäischer Zucker müsse künftig generell ohne diese Insektizide angebaut werden. Es liege dann am Handel und den Konsumenten, zu welchen Produkten sie griffen.

“Die Österreicherinnen und Österreicher wollen österreichischen Zucker und keinen mit Neonikotinoiden behandelten, importierten Zucker”, hieß es dazu kürzlich von Köstinger. Sie lädt Handelsketten, Industrie, NGOs, Rübenbauern und Experten der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) zu einem Krisengipfel im Mai ein.

Von: apa