Entlohnungen 2013 im Geschlechtervergleich

Equal Pay Day 2015: “Unbezahlte Arbeit in der Familie”

Mittwoch, 15. April 2015 | 12:02 Uhr

Bozen – Anlässlich des Equal Pay Days, der in Südtirol am 17. April begangen wird, veröffentlicht das ASTAT Daten zu den Entlohnungen der unselbständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Die Daten bestätigen Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern, die von Dienstalter, Teilzeit, Wirtschaftssektor oder Vertragsart beeinflusst werden. 16,9 Prozent beträgt demnach das Lohngefälle.

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Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen und das Frauenbüro haben bei einer Medienkonferenz am heutigen Mittwoch die geplanten Aktionen für den diesjährigen Equal Pay Day unter dem Motto "Unbezahlte Arbeit in der Familie" vorgestellt. Höhepunkt wird dabei ein Bügelwettbewerb mit Männern aus Politik, Wirtschaft und Sport am 17. April um 13 Uhr am Musterplatz in Bozen sein.

Der diesjährige Equal Pay Day steht unter dem Motto "Unbezahlte Arbeit in der Familie", zumal die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf als ein Grund für den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern von durchschnittlich 17 Prozent gilt. "Hausarbeit wird auch in Südtirol nach wie vor als Frauenaufgabe angesehen. Ein Drittel der Südtiroler Männer hilft nicht einmal eine Stunde pro Woche im Haushalt mit, ein Großteil nur bis zu zehn Stunden. Die Forderung muss also lauten, dass auch hier eine gerechte Aufteilung erfolgt, denn, das ‘bisschen’ Haushalt erledigt sich nicht von allein, geschweige die Erziehung der Kinder und Pflege der Angehörigen", unterstrich die Landesrätin für Chancengleichheit Martha Stocker bei der heutigen Medienkonferenz.

Durch eine Reihe von Aktionen anlässlich des sechsten Equal Pay Day am 17. April machen der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen und das Frauenbüro auf die ungerechte Aufteilung der Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen sowie die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen aufmerksam.

Ulrike Oberhammer, Präsidentin des Landesbeirates, bekräftigte bei der Medienkonferenz die Wichtigkeit, traditionelle Rollenmuster aufzubrechen und eine neue Denkweise anzuregen. "Männer sollen ihren Beitrag leisten und zu Hause mithelfen und – wieso nicht – auch eine Auszeit von der Arbeit nehmen, um sich um die Kinder zu kümmern. Die wenigen, die es bisher gewagt haben, diesen Weg zu gehen, werden sich wie Exoten gefühlt haben, aber Veränderung beginnt in unseren Köpfen. Wir geben den Männern gerne die Hälfte des Haushaltes und die Hälfte der Verantwortung für die Erziehung und Pflege ab. Eine Veränderung in diesem Sinne wirkt sich im Endeffekt auf alle Familienmitglieder positiv aus."

Vizepräsidentin Franca Toffol ging auf den Wert der unbezahlten Arbeit in den Famlien und die jüngsten Daten des ISTAT zur Frauenbeschäftigung und Geburtenrate ein. "Im Februar 2015 wurden 42.000 Arbeitsplätze weniger verzeichnet, die Geburtenrate ist zudem von 9,8 pro Tausend Einwohnern im Jahr 2008 auf 8,5 im Jahr 2013 gesunken", so Toffol. Diese Daten würden unterstreichen, dass es in den Bereichen der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturpolitik noch einiges zu tun gebe. "Der Arbeit der Frauen – ob bezahlt oder unbezahlt – muss ein neuer gesellschaftlicher Wert zuerkannt werden."

Silvia Vogliotti vom Arbeitsförderungsinstitut AFI ging in einem Kurzreferat unter dem Titel "Was die Männer (nicht) machen. Hausarbeit in Italien" auf die unbezahlte Arbeit in der Familie im europaweiten Vergleich ein. Eine AFI-Studie, die anhand von EUROSTAT-Daten erstellt wurde, zeigt, dass italienische Frauen im europaweiten Vergleich die meiste unbezahlte Arbeit leisten. Mit fünf Stunden und 20 Minuten pro Tag arbeiten sie kostenlos 100 Minuten pro Tag mehr als etwa skandinavische Frauen, welche stark von ihren Männern unterstützt und entlastet werden. Auch in Südtirol ist die Rollenverteilung noch immer von traditionellen Mustern geprägt. Diese ungerechte Aufteilung wirke sich negativ auf die Berufschancen der Frauen aus und bedinge ein geringeres Einkommen und eine spärliche Rente.

Auch Familienlandesrätin Waltraud Deeg begrüßte am Rande der Pressekonferenz die Initiative. "Ob sich Väter für eine Elternzeit entscheiden, ist oft auch eine finanzielle Frage", sagte die Landesrätin, "geschlechterspezifische Einkommensunterschiede beeinflussen wichtige Entscheidungen wie jene, ob ein Vater sein Recht auf Elternzeit in Anspruch nimmt oder nicht." Die finanziellen Einschnitte einer Elternzeit sind umso größer, je besser dotiert der Arbeitsplatz ist. In der ASTAT-Männerstudie 2012 gaben 13,6 Prozent der Väter an, wegen des größeren Einkommensverlusts im Verhältnis zur Partnerin keine Elternzeit beansprucht zu haben. "Wir überprüfen daher derzeit für die Privatwirtschaft die Möglichkeit einer Gehaltsbezuschussung durch die öffentliche Hand, damit beide Elternteile Elternzeit gleichermaßen beanspruchen", so die Familienlandesrätin.

Anlässlich des Equal Pay Day am 17. April 2015 vormittags wird südtirolweit an folgenden 28 Ständen Informationsmaterial ausgeteilt:  Auer, Bozen (5), Branzoll, Brixen (3), Bruneck, Eppan, Girlan, Klausen, Lana, Leifers, Margreid, Meran (5), Neumarkt, Salurn, Sarnthein, St. Christina in Gröden, St. Pauls, Tramin.

Eines der Highlights des heurigen Equal Pay Days findet von 13 bis 14 Uhr am Infostand am Bozner Musterplatz statt: Beim 1. Ironman-Contest werden sich Männer aus der Politik, der Wirtschaft und dem Sport ein Bügelduell liefern. Für die Politik treten an: Landeshauptmannstellvertreter Christian Tommasini, Landesrat Philipp Achammer und Regionalassessor Sepp Noggler, für die Wirtschaft Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, LVH-Präsident Gert Lanz und HGV-Präsident Manfred Pinzger und für den Sport liefern sich Snowboarder Roland Fischnaller sowie die beiden Fussballer vom FC Südtirol Hannes Kiem und Hannes Fischnaller einen Wettkampf. Die Sieger der jeweiligen Kategorie treten im Finale um den Titel "1. Südtiroler Ironman" an.

Das Informationsmaterial, das an den Ständen verteilt wird, sowie alles Wissenwerte rund um den Aktionstag „Equal Pay Day“ sind auf der Homepage des Landesbeirates für Chancengleichheit und des Frauenbüros unter dem Link www.provinz.bz.it/chancengleichheit/themen/594.asp einsehbar.
 
Die mitwirkenden Organisationen sind: SVP-Frauenbewegung, Dachverband der kulturellen Frauenverbände, KVW-Frauen, UIL-SGK, Katholische Frauenbewegung, W-net-networking women, Frauen helfen Frauen Bozen, Grüne Frauen, Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Frauen gegen Gewalt – Frauenhaus Meran, Plattform für Alleinerziehende, Alchemilla, Frauenstammtisch Gröden – Meisa turonda, Gleichstellungsrätin, L´Alto Adige nel cuore, Netzwerk Frauen-Arbeit, CGIL/AGB,  Katholischer Familienverband Südtirol, Kommissionen und Komitees für Chancengleichheit der Gemeinden Bozen, Brixen, Klausen, Leifers, Kaltern, Auer, Neumarkt, Tramin, Sarntal, Margreid, Meran, Bruneck, Eppan, Prad,  Frauenwerkstätte – HDS,  Demokratische Partei, Donne Nissà, Frauenmuseum Meran, Frauenarchiv Bozen, AFI/IPL, BPW-Fidapa, Frauengruppe Lana, Cf Südtirol, Beirat für Chancengleichheit der Freien Universität Bozen, Pensplan, SGB-CISL, Handelskammer Bozen – Beirat für die Förderung des weiblichen Unternehmertums, ASGB, Jugendring Südtirol, Tagesmutterverein, Allianz für Familie, Caritas, Jugendzentrum Westcoast Kurtinig – Margreid – Kurtatsch, Rechtsanwaltskammer Bozen – Komitee für Chancengleichheit, Südtiroler Sanitätsbetrieb – Einheitliches Garantiekomitee für Chancengleichheit, die Aufwertung des Wohlbefindens der Bediensteten und gegen die Diskriminierungen, Verein EsIstZeit,  Frauen helfen Frauen Meran, Italienischer Blinden- und Sehbehindertenverband Onlus Landesgruppe Südtirol, FIT SGBCISL – Frauenbewegung der Fachgewerkschaft im Transportwesen, Bildungsausschuss Branzoll, Architekturstiftung Südtirol.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen