Streiks und hohe Kerosinpreise neben anderen Gründen genannt

Erster Gewinnrückgang bei Ryanair seit Jahren

Montag, 22. Oktober 2018 | 12:57 Uhr

Der Billigflieger Ryanair muss den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren verdauen. Der Gewinn sank im ersten Geschäftshalbjahr um sieben Prozent auf 1,20 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Montag in Dublin mitteilte. Darin ist der Halbjahresverlust seiner österreichischen Tochter Laudamotion von 45 Mio. Euro nicht enthalten.

Für das Gesamtjahr blieb Ryanairs Verlust-Prognose für Laudamotion unverändert. “Trotz eines sehr schwierigen ersten Sommers wird Laudamotion dieses Jahr fast 3 Mio. Gäste befördern, aber im Gründungsjahr ungefähr 150 Mio. Euro durch außergewöhnliche Kosten belastet.”

Im Sommer 2019 soll Laudamotion auf 23 Flugzeuge wachsen, darunter 19 Airbus A320. “Wir unterstützen Laudamotion bei der Verbesserung von Kostenkontrolle, Treibstoffabsicherung (‘fuel hedging’) und Flottenmanagement, was im nächsten Jahr zu deutlich höheren Umsätzen und deutlich niedrigeren Kosten führen wird. Die Fluglinie bewegt sich im zweiten Betriebsjahr in Richtung Break-even”, heißt es im Ryanair-Finanzbericht über Laudamotion.

Allerdings schließt Laudamotion seine Stationen in Graz und Salzburg. Allen davon betroffenen 28 Mitarbeitern (17 in Salzburg, 11 in Graz) werden Jobs in Wien, Stuttgart oder Düsseldorf angeboten, schreibt das Flugportal Austrian Aviation Net unter Berufung auf eine Mitarbeiterinformation. In Graz und Salzburg waren keine Laudamotion-Maschinen stationiert, die Büros stammen von der Vorgängerfluglinie “Niki”.

Die hohen Flughafenkosten in Graz und Salzburg hätten dazu geführt, dass Laudamotion in den beiden Städten keine Flugzeuge stationiert hat. “Auch in Zukunft sehen wir hier leider keine Entwicklungsmöglichkeiten”, zitiert Aviation Net aus dem Schreiben. Die Destination Palma soll trotzdem von den beiden Orten aus weiter angeboten werden. Zugleich dementiert Laudamotion-Chef Andreas Gruber Gerüchte, dass Personal nach Spanien verlegt werden soll: “Spekulationen, dass wir unser Personal auf Mallorca stationieren wollen und diesem spanische Arbeitsverträge verpassen wollen, stimmen nicht. Das ist definitiv nicht der Fall.”

Angesprochen darauf, dass Laudamotion für die bisher angekündigten Destinationen zu viele Flugzeuge habe, sagte Gruber laut Aviation Net: “Da kommt noch viel mehr in den nächsten Wochen. Wir haben noch nicht den gesamten Sommerflugplan 2019 veröffentlicht.”

Für Ryanair ist es der erste Gewinnrückgang seit fünf Jahren. Als Gründe für den Gewinnrückgang nannte Ryanair die Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Entschädigungszahlungen an von Verspätungen und Ausfällen betroffene Passagiere wegen der EU-Fluggastrechte. Nach der jüngsten Prognosesenkung Anfang Oktober kommt das für Investoren aber nicht überraschend. Die Aktie stieg stark im frühen Handel am Montag, Anleger sehen nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen eine Kaufgelegenheit.

Ryanair hatte bereits Anfang Oktober seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt und damals schon dieselben Gründe genannt wie heute. Nun erwartet die Fluglinie den Gewinn im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende März) bei 1,10 bis 1,20 Mrd. Euro. Zuvor war der Konzern von 1,25 bis 1,35 Mrd. Euro ausgegangen. Der Laudamotion-Verlust ist in die Prognose nicht hineingerechnet.

Ryanair-Chef Michael O’Leary bezeichnete den Ausblick in einem Interview mit Bloomberg als konservativ. Er sehe den Ölpreis als größtes Risiko. Eine erneute Anpassung sei aber eventuell erst nötig, wenn ein Barrel über 100 Dollar koste. Steigende Kosten für Treibstoff sind ein Problem, das die gesamte Branche betrifft. So hatte die britische Ryanair-Konkurrentin Easyjet ihre Gewinnprognose jüngst eingeengt.

Wegen der Unsicherheit in den Brexit-Verhandlungen werde Ryanair weitere Aktienrückkäufe erst einmal aufschieben, sagte O’Leary. Ein Programm über 750 Mio. Euro hatte der Billigflieger jüngst abgeschlossen.

Europas größter Billigflieger hatte Ende August die Mehrheit an Laudamotion übernommen – die Nachfolge-Airline der früheren Air-Berlin-Tochter Niki. Deren Gründer Niki Lauda hatte nach der Pleite von Air Berlin den Zuschlag für Niki erhalten und sie unter dem Namen Laudamotion neu an den Start gebracht. Wenig später holte er Ryanair als neuen Anteilseigner ins Boot. Bei Lauda verblieb eine Sperrminorität von 25 Prozent.

Im Streit mit den deutschen Gewerkschaften setzt O’Leary auf eine Einigung noch vor Weihnachten. “Es gibt eine sehr viel vernünftigere Einstellung bei den Gewerkschaften, aber auch bei uns”, sagte O’Leary bei der Präsentation der jüngsten Quartalsbilanz. Dies sei auf die schwierige Lage der Branche und den Abbau von Arbeitsplätzen bei Piloten und Flugbegleitern in den vergangenen Wochen zurückzuführen.

“Wir erwarten in den kommenden Wochen keine weiteren Streiks, sie können aber auch nicht ausgeschlossen werden.” Er habe die Hoffnung, dass keine weiteren Ryanair-Standorte geschlossen oder verkleinert werden müssten. “Das kann aber nicht ausgeschlossen werden, wenn die Ölpreise weiter steigen und die Ticketpreise weiter sinken”, so O’Leary.

Europas größter Billigflieger wird seit Monaten in mehreren Ländern von Ausständen überzogen. Die Gewerkschaften werfen dem Konzern mit Sitz in Dublin unter anderem vor, Mitarbeitern lokale Verträge zu verwehren. Der Streit eskalierte, als Ryanair auch mit Verweis auf die jüngsten Arbeitskämpfe ankündigte, den Standort Bremen zu schließen sowie die Kapazitäten in Weeze am Niederrhein zu reduzieren.

Von: APA/dpa/ag.

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