Auch Martin Selmayr, Vertreter der EU-Kommission, saß im Zug

Erster ÖBB-Nachtzug aus Wien in Brüssel eingetroffen

Montag, 20. Januar 2020 | 13:15 Uhr

Überpünktlich ist der erste direkte ÖBB-Nachtzug aus Wien am Montag um 10.53 Uhr am Brüsseler Südbahnhof eingetroffen. Neben EU-Abgeordneten der ÖVP, SPÖ, FPÖ und der Grünen war auch ÖBB-Chef Andreas Matthä an Bord des Nightjets, der nach mehr als 14 Stunden Fahrt von zahlreichen Journalisten, Kamerateams und einer Musikkapelle am Bahnsteig 6 begrüßt wurde.

“Mit unserer neuen Direktverbindung nach Brüssel übernehmen wir aktiv Verantwortung für den Klimaschutz”, sagte Matthä. 2003 war die letzte Direktverbindung eingestellt worden.

Im Vergleich zum Flugverkehr seien rund 350 Kilogramm CO2 pro Fahrgast eingespart worden, rechnete der ÖBB-Chef vor. Während Flugpassagiere auf der Strecke von Wien nach Brüssel mehr als 400 kg CO2 verursachten, seien es bei Nightjet-Fahrgästen nur je 40 kg CO2 pro Kopf.

Matthä bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit der belgischen Eisenbahngesellschaft SNCB. “Bahnfahren ist immer eine Gemeinschaftsleistung”, so der ÖBB-Chef.

Die neue Nachtzugverbindung bietet zweimal wöchentlich ein umweltfreundliches Mobilitätsangebot in die EU-Metropole. Das günstigste Sparschiene-Ticket pro Person und Richtung kostet 29,90 Euro, wer alleine im Single-Deluxe-Abteil mit Dusche, WC und Frühstück reisen will muss 249 Euro hinlegen.

Die mitgereisten österreichischen EU-Abgeordneten lobten den Reisekomfort, sie sehen aber noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der transnationalen Zugverbindung. Barbara Thaler von der ÖVP, die mit ihren Kollegen Othmar Karas, Angelika Winzig, Simone Schmiedtbauer, Lukas Mandl an der Premierenfahrt teilnahm, wünscht sich mehr Kompatibilität der nationalen Eisenbahnsysteme.

“Wir haben in Aachen eine Verzögerung von 30 Minuten gehabt, weil wir die Lok wechseln mussten”, sagte Thaler. Der Grund sei gewesen, dass die genutzte Lok in Belgien nicht zugelassen sei, erklärte die stellvertretende Verkehrssprecherin der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament und sprach sich für eine Vereinheitlichung des Schienennetzes in Europa und der national geltenden Vorschriften aus. “Da kann man die Bahn noch schneller und wettbewerbsfähiger machen.”

SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder sieht es als dringend notwendig an, dass die Streckenkapazitäten so frei gegeben werden, dass man vor allem im belgischen Teil schneller fahren könne. “Dann wäre es auch möglich, zwei Stunden früher in Brüssel anzukommen”, sagte Schieder, der gemeinsam mit seinen Delegationskollegen Günther Sidl und Hannes Heide mit dem Zug nach Brüssel gekommen war.

Von den Grünen nahmen Monika Vana, Sarah Wiener und Tom Waitz den Nachtzug. EU-Delegationsleiterin Vana wünscht sich neben einer früheren Ankunft auch eine höhere Frequenz. “Aus Sicht einer Europaabgeordneten würde ich es sehr begrüßen, wenn der Nachtzug täglich fahren würde und in Brüssel am Morgen mindestens eine Stunde früher ankäme”, so Vana. Von der FPÖ-EU-Riege war der Abgeordnete Roman Haider mitgefahren.

Von: apa

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