Praktisch keine Beeinträchtigung durch Warnstreik

Erster Warnstreik der Geschichte bei Ryanair verpuffte

Freitag, 22. Dezember 2017 | 11:49 Uhr

Der erste Warnstreik bei Ryanair hat den Flugbetrieb des irischen Billigfliegers in Deutschland kaum beeinträchtigt. An den Flughäfen Frankfurt, Berlin und Köln/Bonn kam es am Freitagmorgen nach Angaben der Airports zu Verspätungen, aber keinen Ausfällen. “Unterm Strich gibt es keine signifikanten Auswirkungen”, sagte ein Sprecher der Berliner Flughäfen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte Festangestellte unter den rund 400 Ryanair-Piloten in Deutschland zu Warnstreiks bei 16 Flügen zwischen 05.00 und 09.00 Uhr aufgerufen. Doch die Airline habe Piloten eingesetzt, die in der Probezeit oder selbstständig seien, erklärte VC-Sprecher Markus Wahl. “Wir sind mit der Beteiligung absolut zufrieden. Bei Ryanair intern hat das Ganze hohe Wellen geschlagen”, sagte Wahl. Ein Großteil der rund 20 zum Streik aufgerufenen fest angestellten Piloten sei nicht zur Arbeit erschienen. Die Gewerkschaft habe mit der Aktion einen Warnschuss an das Management abgegeben, das entgegen offizieller Ankündigungen bisher nicht zu Tarifverhandlungen bereit sei.

Ryanair hat sich am Freitag bei ihren Passagieren wegen Unannehmlichkeiten während des Piloten-Warnstreiks in Deutschland entschuldigt. 9 der 36 Frühflüge konnten der Airline zufolge nur verspätet starten. Ryanair bezeichnete den Warnstreik als eine “unnötige” Aktion. Es hätten sich nur wenige Piloten daran beteiligt.

Die Airline erklärte, der von der “Lufthansa-Pilotengewerkschaft” mit einer kleinen Zahl von Piloten angezettelte Streik sei nicht gerechtfertigt und unnötig. Ryanair gehe davon aus, alle geplanten Flüge in Deutschland am Freitag abzuwickeln.

Auch in Irland, Spanien, Italien und Portugal hatten Pilotengewerkschaften mit Streiks vor Weihnachten gedroht, woraufhin das Ryanair-Management erstmals seine Blockade gegen Gewerkschaften aufgab und sich zu Tarifverhandlungen bereit erklärte. Ryanair-Chef Michael O’Leary, der bisher nur Personalvertretungen an einzelnen Standorten duldete, betonte im Interview mit Reuters kürzlich die Vorzüge von Tarifverträgen. So werde Ryanair die Expansion in den traditionell gewerkschaftlich geprägten Ländern Skandinavien und Frankreich leichter fallen.

Der Billigflieger hatte wegen Streikdrohungen seiner Piloten in mehreren Ländern erstmals in seiner mehr als 30-jährigen Geschichte Gewerkschaften anerkannt. Diese beklagen schon lange vergleichsweise schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen bei Ryanair, was das Unternehmen zurückweist. Die massiven Flugstreichungen im Herbst wegen “Dienstplanproblemen”, die das Einkommen betroffener Piloten schmälern, brachten das Fass zum Überlaufen. Während die irische Pilotengewerkschaft Impact in Verhandlungen einstieg und Warnstreiks abblies, kam es beim ersten Gespräch mit der VC zum Eklat. Das Unternehmen erkannte zwei der fünf Mitglieder der Tarifkommission nicht an, weil diese im Rechtsstreit mit Ryanair liegen. So lange das Management auf dieser Position beharre, werde es nicht zu dem neuen, für den 5. Jänner angesetzten Verhandlungstermin kommen.

Die Gewerkschaft, bereits kampferprobt in Konflikten mit der Lufthansa, will bei Ryanair einen Tarifvertrag durchsetzen. Ziel sind Mindeststandards für Bezahlung, Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. “Die Verhandlungen sind gescheitert, weil Ryanair überhaupt nicht über die Inhalte sprechen wollte”, sagte VC-Präsident Ilja Schulz im ZDF-Morgenmagazin. “Einen klaren Willen, hier mit uns zu verhandeln, konnten wir nicht erkennen.” Über die Weihnachtsfeiertage plante die Gewerkschaft keine Streiks, behielt sich aber umfangreichere Protestaktionen im Jänner vor.

In Irland werden sich am 3. Jänner Vertreter von Ryanair und der Gewerkschaft Impact Trade Union treffen. Das Unternehmen hatte die irische Gewerkschaft schriftlich als Interessenvertretung für die Piloten anerkannt – allerdings erst nach massivem Druck. Gewerkschaftsvertreterin Ashley Connolly sprach von einem historischen Erfolg. Die Billig-Airline hatte es zuvor grundsätzlich abgelehnt, Gewerkschaften als Vertreter der Mitarbeiter anzuerkennen.

Von: APA/dpa/ag.