Lufthansa wird genau beobachtet

EU droht Lufthansa wegen Preiswuchers nach Air-Berlin-Deal

Sonntag, 10. Dezember 2017 | 14:55 Uhr

Die EU-Kommission prüft Hinweise auf illegale Absprachen und Preiswucher bei der Übernahme der Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa. “Falls es Hinweise auf eine mögliche gezielte Aktion zu Lasten der Kunden gibt, werden wir das herausfinden” sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der “Bild”-Zeitung.

Die EU werde dazu alle internen Papiere auch aus Vorstandssitzungen und E-Mails auswerten. Die Übernahme von Air Berlin sei für die Kommission sehr wichtig, weil Lufthansa hier einen seiner größten Konkurrenten kaufen will. “Wir haben von Beginn an die Gefahr gesehen, dass die Preise steigen könnten, deshalb schauen wir da genau hin”, sagte Vestager. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann war erst im Februar 2017 als Vorstandsvorsitzender von der Lufthansa zur angeschlagenen Air Berlin gewechselt.

Bis zum morgigen Montag muss sich – wie berichtet – die Luftfahrtbranche dazu äußern, wie namentlich eine Übernahme der österreichischen Niki und der LGW durch die Lufthansa den Konkurrenzkampf beeinflussen könnte. Die Lufthansa hat angeboten, auf bestimmte Start- und Landesrechte (Slots) zu verzichten. “Wir warten jetzt ab, was der Markt sagt”, wurde Vestager in Medien bereits vor dem Wochenende zitiert. Mit der Insolvenz von Air Berlin sei ein wichtiger Konkurrent der Lufthansa aus dem Markt verschwunden. Nun sei es langfristig wichtig für Kunden in Deutschland und Österreich, eine Auswahl zu haben. Dazu müssten Unternehmen aber im Wettbewerb stehen, um Ticketpreise niedrig zu halten. “Das Risiko jedes Monopols ist natürlich, dass die Preise steigen.”

Die EU könnte eine vertiefte Prüfung einleiten, die 90 Tage dauern würde. Im diesem Falle würde Lufthansa aber wohl aus der geplanten Übernahme der Niki aussteigen und auch die aktuelle Zwischenfinanzierung einstellen. Wenn es dazu käme, müssten die Flugzeuge noch am selben Tag am Boden bleiben, sagte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus zuletzt dem deutschen “Handelsblatt”. Er bereite sich auf die Insolvenz von Niki vor. “Den Antrag dafür habe ich schon vorbereitet, er liegt auf der Fensterbank.”

Von: APA/ag.