EU-Währungskommissar Pierre Moscovici

EU-Frühjahrsprognose: Österreichs BIP 2018 bei 2,8 Prozent

Donnerstag, 03. Mai 2018 | 11:57 Uhr

Österreichs Wirtschaftswachstum wird nach der EU-Frühjahrsprognose im laufenden Jahr mit 2,8 Prozent geringfügig schwächer ausfallen als noch in der Winterprognose vom Februar mit 2,9 Prozent vorausgesagt. Auch für 2019 gibt es eine kleine Herabsetzung – von 2,3 Prozent aus der Winterprognose auf 2,2 Prozent, wie die EU-Kommission am Donnerstag bekannt gab.

Insgesamt bleibt sowohl für die EU als auch die Eurozone die Erwartung unverändert. Die EU-28 und die Währungsunion können im laufenden Jahr wie bisher mit einem BIP von 2,3 Prozent rechnen, für 2019 ist die Prognose mit 2,0 Prozent in beiden Gebieten ebenfalls unverändert.

Vor einem Jahr hatte die Frühjahrsprognose noch ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent für 2018 für die EU und von 1,8 Prozent für die Eurozone vorausgesagt.

Die EU-Frühjahrsprognose attestiert Österreich eine “positive Wachstumsdynamik”. In dem Länderbericht heißt es, dass das Wirtschaftswachstum 2017 mit 2,9 Prozent des BIP ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht habe. Die Wachstumsaussichten seien robust und stabil.

Positiv hervorgehoben wird auch der solide Arbeitsmarkt und das kontinuierliche Sinken der Arbeitslosigkeit. Zur Inflation heißt es, dass diese nach einem starken Anstieg 2017 auf 2,2 Prozent auch in den nächsten Jahren bei über zwei Prozent liegen dürfte.

Zum Budgetdefizit wurde in dem Länderbericht angemerkt, dass nach einer Verschlechterung 2016 auf 1,6 Prozent des BIP nun eine deutliche Verbesserung 2017 mit einer Reduktion auf 0,7 Prozent erreicht worden sei. 2018 wird ein weiteres Absinken auf 0,5 Prozent und für 2019 sogar auf 0,2 Prozent vorausgesagt.

Positiv hervorgehoben wurden neben der steigenden Beschäftigung auch höhere Löhne und damit verbunden mehr Einkommenssteuern und höhere Sozialbeiträge. Bei den Staatsschulden wird lobend angemerkt, dass der Rückgang von 78,4 Prozent 2017 auf 74,8 Prozent 2018 und auf 71,7 Prozent 2019 auch auf die Ausgliederung schlechter Vermögenswerte der Banken zurückzuführen sei.

Die Donnerstag von der EU-Kommission präsentierte neueste Frühjahrsprognose weist im laufenden Jahr das höchste BIP für Malta mit 5,8 Prozent und auch für 2019 mit 5,1 Prozent aus. Das niedrigste Wachstum wird für Großbritannien und Italien im laufenden Jahr mit nur je 1,5 Prozent erwartet und auch 2019 dürfte es in beiden Ländern mit 1,2 Prozent am geringsten ausfallen. Die Briten scheiden allerdings im März 2019 aus der EU aus.

Geht man von der künftigen EU-27 ohne Großbritannien aus, würde das BIP im laufenden Jahr in der EU bereits 2,5 Prozent betragen und für 2019 wären es 2,2 Prozent.

Das als letztes Euroland unter einem Rettungsschirm stehende Griechenland – das Hilfsprogramm läuft allerdings im August aus – kann auf ein BIP von 1,9 Prozent für das laufende Jahr und von 2,3 Prozent für 2019 hoffen. Insgesamt weisen alle 28 EU-Staaten ein Wachstum sowohl für 2018 als auch für 2019 auf.

Die EU-Kommission sprach bei der Präsentation der Frühjahrsprognose am Donnerstag von einem “Aufschwung mit solidem Tempo”. Das größte Risiko für rosige Aussichten sei nur der Protektionismus, wurde auf die Probleme mit US-Strafzöllen verwiesen. 2017 habe es mit 2,4 Prozent die höchsten Wachstumsraten für EU und Eurozone seit zehn Jahren gegeben.

Dieser Trend dürfte sich 2018 fortsetzen und 2019 nur leicht nachlassen. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, sowie EU-Währungskommissar Pierre Moscovici verwiesen darauf, dass der private Konsum nach wie vor stark sei. Gleichzeitig hätten Exporte und Investitionen zugenommen. Die Arbeitslosigkeit gehe weiter zurück und befinde sich auf Vorkrisenniveau.

Allerdings gebe es in höherem Maß externe Risikofaktoren, die sich verstärkt hätten und sich auch stärker negativ auswirkten. Dabei verwies die Brüsseler Behörde auf die zuletzt wachsende Finanzmarktvolatilität, die zu einem dauerhafteren Phänomen werden könnte, das zur Unsicherheit beitrage. Zu den USA heißt es, dass die Eskalation des Handelsprotektionismus “eindeutig eine Gefahr für die Entwicklungsperspektiven der Weltwirtschaft darstellt”.

Gleichzeitig wurde von der Kommission die positive Entwicklung beim weiteren Abbau der Defizite und der Schuldenstände in den Ländern verwiesen. So liege das Budgetdefizit im Euroraum im Durchschnitt derzeit bei weniger als einem Prozent des BIP und dürfte im laufenden Jahr in allen beteiligten Ländern der Währungsunion unter die Drei-Prozent-Marke fallen. Moscocivi meinte, das Defizit in der Eurozone dürfte heuer auf 0,7 Prozent des BIP fallen.

Dombrovskis sagte, der Wirtschaftsaufschwung werde sich in Europa heuer und 2019 mit solidem Tempo fortsetzen, sodass weitere Arbeitsplätze geschaffen werden können. Aber es sollte die günstige Konjunkturlage genützt werden, um die Volkswirtschaften widerstandsfähiger zu machen. Dabei nannte Dombrovskis die Bildung von Kapitalpuffer, eine Reform der Volkswirtschaften zur Förderung von Produktivität und Investitionen.

Die Kommission frohlockte auch angesichts des Rückgangs der Arbeitslosigkeit. Diese gehe weiter zurück und dürfte noch abnehmen. 2017 sei sie in der EU noch bei 7,6 Prozent gelegen, heuer gehe sie auf 7,1 Prozent zurück und nächstes Jahr werde eine weitere Reduktion auf 6,7 Prozent greifen. Für die Eurozone sei davon auszugehen, dass von 9,1 Prozent im Vorjahr ein Rückgang auf 8,4 Prozent 2018 und auf 7,9 Prozent 2019 erreicht werde.

Beim Defizit freut sich die Brüsseler Behörde, dass 2018 offenbar alle EU-Staaten ihre Quote unter das Maastricht-Kriterium von drei Prozent drücken können. Die Prognose selbst zeigt für das Haushaltsdefizit in der EU-28 einen Rückgang auf 0,8 Prozent für das laufende Jahr, das sich auch 2019 nicht ändern sollte. Allerdings wurde für 2018 ein einziges Land – Rumänien – noch mit minus 3,4 Prozent und damit über der Maastricht-Grenze ausgewiesen. Österreichs Defizit liegt demnach für heuer bei 0,5 Prozent und sinkt 2019 auf 0,2 Prozent.

Von: apa

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