Gentiloni will mehr Flexibilität beim Stabilitätspakt

EU-Kommissar blickt optimistischer auf Europas Wirtschaft

Sonntag, 05. September 2021 | 17:18 Uhr

EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kann sich ein stärkeres Wirtschaftswachstum in der EU vorstellen. “Wir sagen nun 4,8 Prozent Wachstum für das laufende Jahr in der EU und der Euro-Zone voraus, doch mit Blick auf die jüngsten Wirtschaftsdaten und Stimmungsindikatoren könnte das Wachstum sogar noch stärker ausfallen”, sagte Gentiloni der “Süddeutschen Zeitung” (Montag). “Die Stimmung bei den Firmen ist gut.”

“Die Wirtschaft scheint gelernt zu haben, mit diesen abgeschwächten Pandemie-Einschränkungen zu leben.” Die Brüsseler Behörde hatte ihre Wachstumsprognose für die EU und die Euro-Zone erst im Juli um satte 0,6 beziehungsweise 0,5 Punkte auf jeweils 4,8 Prozent erhöht.

Bei der anstehenden Reformdebatte über den Stabilitätspakt will Gentiloni für mehr Flexibilität werben. Diese Regeln für solide Budgetführung schreiben vor, dass der Schuldenstand von Euro-Staaten nicht mehr als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen darf. “Wir müssen überlegen, wie wir mit den höheren Schuldenständen nach der Pandemie umgehen”, sagte Gentiloni.

“Als die 60-Prozent-Obergrenze eingeführt wurde, war dies mehr oder weniger der Durchschnittswert bei den Schulden der EU-Staaten. Wegen Covid liegt der Durchschnitt der Euro-Zone nun bei mehr als 100 Prozent.” 60 Prozent müssten das Ziel bleiben, weil es so in den EU-Verträgen stehe, sagte der Italiener, “doch wir müssen über den Pfad zu diesem Ziel diskutieren, über die Regeln, die für Staaten gelten, die deutlich darüber liegen”.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "EU-Kommissar blickt optimistischer auf Europas Wirtschaft"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
12 Tage 5 h
Regeln sind da um sie zu brechen. Verträge sollen andere einhalten, die Nord EU zB…Wo führt das ganze hin? 60% Schuldenquote zum BIP war in den EU Verträgen vorgesehen. Das hat damit zu tun, dass ein Staat sich so am Finanzmarkt noch Kapital beschaffen kann. Mit 120% zum BIP gilt man als überschuldet, das heißt ein Staat ist insolvent/pleite. Die Verschuldung in Italien ist in einem Jahr von 130% auf 167% zum BIP gestiegen. Die gigantische Menge an Anleihen kann nur mehr von der EZB aufgekauft werden. In den Statuten der EZB steht, dass ihr Mandat einzig und allein der… Weiterlesen »
wpDiscuz