Google muss eventuell tief in die Tasche greifen

EU-Kommission verhängt offenbar Rekordstrafe gegen Google

Montag, 26. Juni 2017 | 16:15 Uhr

Die EU-Kommission will US-Internetriesen Google nach übereinstimmenden Quellen mit einer Rekordstrafe wegen Wettbewerbsverzerrung belegen und ihn zur Änderung seiner Geschäftspraktiken zwingen. Google soll eigene Shopping-Angebote bei Suchergebnissen priorisiert haben. Die Strafe werde laut mit dem Fall vertrauten Leuten zwischen 1,1 Milliarden und 2 Mrd. Euro liegen, hieß es am Montag in Brüssel.

Die bisher höchste von der EU verhängte Strafe beläuft sich auf 1,06 Mrd. Euro. Zu dieser Zahlung war 2009 der US-Chiphersteller Intel verdonnert worden. Mit einer Strafe von bis 2 Mrd. Euro gegen Google bliebe die EU-Kommission andererseits deutlich hinter der zulässigen Höchststrafe zurück, die sich auf zehn Prozent der Jahreseinnahmen von Google und damit auf 8 Mrd. Euro beliefe.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verhänge die Strafe gegen den führenden Suchmaschinen-Betreiber Google voraussichtlich am Dienstag oder Mittwoch, hieß es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen in Brüssel. Wohl noch einschneidender als die Strafzahlung dürfte Brüssels Aufforderung an Google sein, seine Geschäftspraktiken zu ändern. Brüssel wirft dem US-Konzern vor, seine eigenen Online-Shopping-Angebote als erste Suchergebnisse aufzuführen und damit seine Konkurrenten zu benachteiligen.

Beide Seiten hatten lange versucht, den Streit im gegenseitigen Einvernehmen beizulegen. Die Angelegenheit hatte auch zu Spannungen im Verhältnis zwischen der EU und den USA geführt. Eine hohe Strafe gegen Google könnte nun den Zorn von US-Präsident Donald Trump heraufbeschwören, dessen Wirtschaftspolitik dem Wahlspruch “America First” (Amerika zuerst) folgt.

Die EU-Kommission wollte sich am Montag nicht zu der Angelegenheit äußern. Google-Sprecher Mark Jansen erklärte, sein Unternehmen arbeite weiter “konstruktiv” mit der Kommission zusammen “und wir glauben stark, dass unsere Innovationen im Online-Shopping gut für Einkäufer, Händler und den Wettbewerb waren”.

Derzeit laufen insgesamt drei EU-Wettbewerbsverfahren gegen Google. Die anderen beiden richten sich gegen den Google-Werbedienst AdSense sowie gegen die Smartphone-Software Android.

Von: APA/ag

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