EU-Kommission hat Gas-Notfallplan vorgestellt

EU-Kommission will im Notfall Sparzwang für Gas

Mittwoch, 20. Juli 2022 | 14:39 Uhr

Der mit Spannung erwartete EU-Gasnotfallplan sieht in den kommenden Monaten Einsparungen der einzelnen Länder von jeweils 15 Prozent vor. Von August bis März solle so viel Gas im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch desselben Zeitraums in den Jahren 2016 bis 2021 eingespart werden, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält unterdessen einen kompletten Lieferstopp von Gas aus Russland in die EU für wahrscheinlich.

Die Verpflichtung der EU-Staaten, in den kommenden Monaten 15 Prozent ihres durchschnittlichen Verbrauchs der letzten 5 Jahre einzusparen, solle freiwillig sein, könne aber im Fall einer Versorgungsnotlage obligatorisch gemacht werden. Die EU-Kommission warnte, dass es ohne große Einsparungen jetzt bei einem Ausbleiben russischer Gaslieferungen im Winter eng werden könne. Ab Freitag sollen Diplomaten der EU-Länder über die Vorlage diskutieren – mit dem Ziel, dass die Energieminister den Plänen am 26. Juli bei einer Sondersitzung zustimmen.

Voraussetzung für die Einführung von verpflichtenden Einsparzielen wäre, dass mindestens drei Staaten oder die EU-Kommission wegen einer Unterversorgung mit Gas akute Notsituationen befürchten.

Gegen das Vorhaben regt sich jedoch bereits Widerstand von Ländern wie Polen, die eine von der EU vorgegebene Aktualisierung ihrer eigenen Notfallpläne nicht für notwendig erachten. Die polnischen Gasspeicher sind zu 98 Prozent gefüllt, nachdem Russland die Lieferungen an das Land bereits im April eingestellt hatte. Doch die EU macht Tempo: Es sei wichtig, dass alle Länder jetzt handelten und nicht erst, wenn Russland den Gashahn zudrehe. “Wenn wir warten, wird es teurer”, sagte ein EU-Vertreter. “Und es wird bedeuten, dass wir nach Russlands Pfeife tanzen.”

Zuletzt gab es Sorgen, dass Russland bei der Ostseepipeline Nord Stream 1 nach einer geplanten Wartung, die in dieser Woche vorbei sein könnte, den Gashahn nicht wieder aufdreht.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält einen kompletten Lieferstopp von Gas aus Russland in die Europäische Union für wahrscheinlich. “Wir müssen uns auf eine mögliche vollständige Unterbrechung der russischen Gasversorgung vorbereiten”, sagte die Politikerin am Mittwoch in Brüssel. “Dies ist ein wahrscheinliches Szenario.”

Man habe schon in der Vergangenheit gesehen, dass Russland versuche, Druck auf die EU auszuüben, indem es die Gasversorgung reduziert. Ein kompletter Lieferstopp würde von der Leyen zufolge alle EU-Staaten schwer treffen. Zugleich betonte sie, dass die EU die Schwierigkeiten bewältigen könne, wenn sie geschlossen handle.

Vorsorgliches Gassparen kann nach Einschätzung der EU-Kommission die Folgen eines möglichen Lieferstopps durch Russland abfedern. “Wir können potenzielle Verluste des Bruttoinlandsprodukts reduzieren, wenn wir jetzt präventive Kürzungen vornehmen”, sagte Vizepräsident Frans Timmermans am Mittwoch zur Vorstellung von Planungen für einen Gasnotstand. Deswegen rufe man die Mitgliedstaaten auf, freiwillige Kürzungen vorzunehmen.

Timmermans betonte, dass sich auch Bürgerinnen und Bürger an den Anstrengungen beteiligen können. “Müssen wir die Klimaanlage auf 20 Grad einstellen?” Sie ein bisschen höher einzustellen, bedeute zwar möglicherweise geringeren Komfort. Gleichzeitig könnte es aber beitragen, den Gasverbrauch erheblich zu verringern. “Wenn wir jetzt handeln, können wir entscheiden, wie wir handeln und unser Schicksal in den eigenen Händen behalten”, sagte Timmermans.

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin warf der Niederländer vor, einzelne Länder durch das Abdrehen des Gashahns anzugreifen, um Europa insgesamt zu schwächen. Wichtig sei deswegen eine starke europäische Antwort. Unilaterale Maßnahmen schüfen gravierende Verzerrungen auf dem Binnenmarkten, seien ineffektiv und könnten die Energiesicherheit der gesamten EU gefährden, warnte Timmermans.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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16 Kommentare auf "EU-Kommission will im Notfall Sparzwang für Gas"


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Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
24 Tage 9 h

Die EU diktiert die Staaten… es braucht keine Regierungen mehr. Wo sind wir gelandet.

Mikeman
Mikeman
Kinig
24 Tage 6 h

@ Privatmeinung
ein ……haufen ohne Ende und Kompetenzlosigkeit bis zum geht nicht mehr, soviel zum Missbrauch des Begriffs “Experten” 🤮

Frank
Frank
Universalgelehrter
23 Tage 15 h

@Mikeman Das passiert, wenn die Konservativen Leyenpolitiker durchboxen …

OH
OH
Superredner
24 Tage 7 h

Die da in Brüssel können mich mal ….
Im sanktionieren sind sie schnell aber über die Folgen macht sich von denen keiner Gedanken !!!!
Da muss dann das Volk wieder dran glauben !!!!

TirolerSued
TirolerSued
Tratscher
24 Tage 4 h

und selber spart keiner von denen oder ist ein Politiker deshalb weniger mit einem Dienstwagen bzw. Flugzeug unterwegs?

gini
gini
Grünschnabel
24 Tage 10 h

Die Sanktionen gegen Russland scheinen wunderbar zu wirken! Vielen Dank unseren Politikern
(Ironie off)

traktor
traktor
Kinig
24 Tage 10 h

fast alle berbrauchen gas-direkt oder indirekt!
das würstchen wird mit dampf aus dem gaskessel vorgegaren, die milch wird mit gas erhitzt zum pasteurisieren….nur 2 beispiele

Neumi
Neumi
Kinig
24 Tage 8 h

Der Stromverbrauch lässt sich nur schwer reduzieren, die üblichen Standby/Aus Kniffe sind ja schon allseits bekannt, Energiesparlampen sind ebenfalls im Einsatz.

Aber hier lenkt der Staat, wie der Strom produziert wird. Bis zu einem gewissen Grad können sie Alterntiven ausbauen und den Gasverbrauch reduzieren.

Was sie von der Bevölkerung fordern können, ist, den direkten Gasverbrauch zu reduzieren.

obr jetz.
obr jetz.
Tratscher
24 Tage 9 h
Dass zum Gassparen, Wassersparen etc. aufgerufen wird passt, ist notwendig und niemand wird etwas dagegen sagen, wenn es für alle gilt. Es sollte nicht wieder Otto Normalverbraucher herhalten müssen und der ganze Rest verschwendet weiter. Wie Kompatscher meinte man solle veim Zähneputzen das Wasser abschalten. Bin mir sicher das tun die Meisten, aber man könnte zum Beispiel bei Hotels gewisse Vorraussetzungen dem Klimaschutz anpassen. Ein 5 Sterne Haus muss nicht tgl die Bettwäsche wechseln ebenso nicht die Handtücher. Die Sauna sollte nur mehr stundenweise gehen und nicht den ganzen Tag etc. Ebenso müssen Schaufenster nicht die ganze Nacht beleuchtet sein,… Weiterlesen »
Tina1
Tina1
Superredner
24 Tage 6 h

Ebenfalls die Straßenbeleuchtung. Um 20:30 bis 21:00 ist es jetzt noch hell da muss nicht schon beleuchtet werden.

Edeltraud
Edeltraud
Grünschnabel
24 Tage 8 h

Wieder ein weiterer Schuss ins eigene Bein.

ieztuets
ieztuets
Tratscher
24 Tage 8 h

Wenns lei Würstl und Milch war… eher weart s’Heizn in die Großstädte s’Problem!

Sigo70
Sigo70
Superredner
24 Tage 5 h

Notfallzulassung für Nord Stream 2 und alle Gasprobleme sind gelöst. Ansonsten ist es vorsätzliche Zerstörung.

Sun
Sun
Universalgelehrter
24 Tage 10 h

Die EU ist mit ihren Nofallplan 8 Jahre zu spät. Nach dem Angiffskrieg auf die Ukraine 2014, hat man noch Nordstream 2 fertiggestellt und sich abhängiger  vom russischen Pöbel gemacht. Europas Politiker haben total  versagt. 

Aurelius
Aurelius
Universalgelehrter
24 Tage 8 h

anstatt sich vor Jahren Gedanken machen, wie man unabhängig werden könnte, setzte man immer mehr auf Abhängigkeit und wir schlafen weiter

P.H.
P.H.
Grünschnabel
23 Tage 18 h

diese EU Kommission MUSS WEG !!!!

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