CO2-Ausstoß von Hybridfahrzeugen vor neuer Messmethode

EU will bei Plug-in-Hybriden CO2-Ausstoß genauer messen

Freitag, 04. Februar 2022 | 16:04 Uhr

Die Europäische Union (EU) arbeitet Insidern zufolge an einer genaueren Messung der CO2-Emissionen von Neuwagen mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. In die für 2025 geplante Methode sollen real gemessene Daten zum Kraftstoffverbrauch einfließen, sagten zwei mit den Plänen Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Ein EU-Vertreter bestätigte, dass entsprechende Regeln des Messverfahrens WLTP in der Euro-6-Verordnung angepasst werden sollen, nannte aber keine Details.

Petr Dolejsi vom europäischen Autoverband ACEA erklärte, dabei könne sich der Schätzwert zur elektrisch gefahrenen Strecke ändern. Autos, bei denen Verbrennungs- und Elektromotor kombiniert sind, spielen derzeit bei Audi, BMW oder Mercedes-Benz noch eine große Rolle, wenn es um die Einhaltung der EU-Grenzwerte für CO2-Emissionen geht.

Doch der im WLTP-Prüfstandsverfahren ermittelte CO2-Wert kann deutlich unter dem des tatsächlichen Fahrbetriebs liegen. Wie klimaschonend ein Hybridwagen ist, hängt außerdem davon ab, wie häufig der Fahrer die Batterie lädt, um emissionsfrei zu fahren. Klimaschützer kritisieren, zu oft blieben die Ladekabel unausgepackt im Kofferraum liegen. “Plug-in-Hybride stoßen, wenn sie nicht aufgeladen werden, tatsächlich mehr CO2 aus als Fahrzeuge mit fossilen Verbrennungsmotoren”, monierte etwa die Umweltorganisation Transport & Environment. Eine Studie des International Council for Clean Transportation (ICCT) auf Basis von über 100.000 Fahrzeugdaten kam zu dem Ergebnis, dass der Verbrennungsmotor doppelt so viel läuft wie im WLTP-Test erfasst. Hybride seien ein großes Problem, sagte ICCT-Europachef Peter Mock, denn sie seien “trügerisch”.

Die realen Daten werden bereits über die Programme zur Erfassung des Sprit- und Stromverbrauchs gesammelt, die seit dem vergangenen Jahr in Neuwagen in der EU eingebaut sein müssen. Diese OBFMC-Einrichtung – das steht für On-Board Fuel Consumption Monitoring – solle die Lücke zwischen Prüfstandsmessungen und Realemissionen weiter reduzieren, erklärte der Automobilclub ADAC kürzlich. Ab 2022 müssten die Autobauer die Daten jährlich an die EU-Kommission melden. Die Ergebnisse sollen von Genehmigungsbehörden, hierzulande dem Kraftfahrt-Bundesamt, genutzt werden, um die Einhaltung der CO2-Grenzwerte zu überprüfen.

Derzeit wird die Änderung in der Arbeitsgruppe Kraftfahrzeuge diskutiert, der Vertreter von EU-Staaten, Verbraucherschützern und Autoindustrie angehören. Eine Entscheidung sei noch für dieses Jahr zu erwarten, erklärte der EU-Vertreter.

Von: APA/Reuters