Institut für Erneuerbare Energie koordiniert neues Projekt

EURAC macht Mehrfamilienhäuser energieeffizienter

Dienstag, 08. September 2015 | 15:51 Uhr

Bozen – 30 Millionen Italiener leben in Mehrfamilienhäusern, etwa eine Million dieser Gebäude gibt es in Italien. Ihren Energieverbrauch um bis zu 80% reduzieren will ein europäisches Forschungsprojekt unter Leitung des EURAC-Instituts für Erneuerbare Energie – mit neuen Technologien, die sich schneller und leichter installieren lassen als herkömmliche Systeme.

70 Prozent der italienischen Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern – ein riesiges Potential zur Energieersparnis. Wie man es optimal nutzen kann, erforschen Wissenschaftler des EURAC-Instituts für Erneuerbare Energie im Rahmen von BuildHEAT, einem vierjährigen Projekt mit 18 europäischen Partnern und 7 Millionen Euro Finanzmitteln aus dem europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020.

„Nachdem wir uns in anderen Forschungsprojekten mit der energetischen Sanierung von historischen Gebäuden, von Einkaufszentren und mit der Entwicklung von vorgefertigten Sanierungskomponenten beschäftigt haben, stehen in diesem Projekt Maßnahmen im Mittelpunkt, welche einzelne Bewohner umsetzen können“ erläutert Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie. Die Forscher erproben vor allem Heiz-, Kühl- und Lüftungssysteme, die unter anderem die Sonnenenergie für jede Wohnung einzeln nutzen und sich mit geringem technischen Aufwand schnell installieren lassen. „Diese Klimatisierungssysteme speichern die Wärmeenergie für jede Wohnung individuell. Die kleinen Speicher, die die Bewohner zum Beispiel auf ihrem Balkonen installieren können, werden auch durch Sonnenkollektoren oder Photovoltaikmodule gespeist“, erklärt Roberto Fedrizzi, Forscher am EURAC-Institut für Erneuerbare Energie und verantwortlich für das Projekt BuildHEAT.
Außerdem arbeiten die Wissenschaftler an einer vorgefertigten Konstruktion zur Fassadendämmung, die zum einen den Energieverbrauch senkt, andererseits Sonnenkollektoren und Photovoltaikmodule in die Fassade integriert.

BuildHEAT beschäftigt sich aber nicht nur mit Technologien zur Senkung des Energieverbrauchs, sondern auch mit Möglichkeiten ihrer Finanzierung, konkret mit der Frage, wie private Geldmittel für energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen gewonnen werden können. „Technologien zur Reduzierung des Energieverbrauchs gibt es“, ergänzt Roberto Fedrizzi: „Auch Lösungspakete, die die Sanierung unter energetischem und wirtschaftlichem Gesichtspunkt optimieren. In vielen Fällen fehlen jedoch die finanziellen Mittel, um die Anwendung tatsächlich umzusetzen.“

Gemeinsam mit dem „Istituto Superiore sui Sistemi Territoriali per l’Innovazione“, einer mit der Technischen Universität Turin verbundenen Non-Profit-Organisation, will die EURAC deshalb wirkungsvolle Strategien entwickeln, welche auch für private Investoren von Interesse sind. „Bisher werden  Maßnahmen im Bereich der Energieeffizienz und erneuerbarer Energiesysteme an Gebäuden meist mit – zunehmend knappen – öffentlichen Geldern verwirklicht oder von den Betroffenen selber bezahlt. Wir wollen diesen Markt auch Privatinvestoren zugänglich machen“, erklärt Sparber. Sowohl die technischen Eingriffe wie die Strategien ihrer Finanzierung werden konkret in drei Fallstudien in Rom, Manchester (Großbritannien) und Zaragoza (Spanien) erprobt, an Mehrfamilienhäusern mit 50 bis 80 Wohnungen. 

Von: ©mk

Bezirk: Bozen