Analysten üben sich in mehr Überschwang als die Konzernspitze

Experten sehen AUA-Mutter Lufthansa 2017 auf Rekordkurs

Montag, 31. Juli 2017 | 17:20 Uhr

Die AUA-Mutter Lufthansa fliegt dank ihres jüngsten Gewinnsprungs auf Rekordkurs. Während der Vorstand um Konzernchef Carsten Spohr den Wortlaut seiner operativen Gewinnprognose für 2017 vor zwei Wochen vergleichsweise vorsichtig anhob, haben Analysten ihre Erwartungen bereits kräftig nach oben geschraubt.

Ihnen zufolge dürfte der DAX-Konzern im operativen Geschäft im laufenden Jahr rund eineinhalb mal so viel verdienen wie im Vorjahr – und damit so gut wie nie zuvor. Die Lufthansa will ihren Halbjahresbericht am Mittwoch (2. August) vorlegen.

Seit der Prognoseerhöhung des Vorstands Mitte Juli haben einige Analysten ihre Erwartungen bereits überarbeitet. Im Schnitt erwarten diese von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Branchenexperten für das laufende Jahr jetzt einen operativen Gewinn (bereinigtes EBIT) von 2,65 Mrd. Euro. Das wären um 51 Prozent mehr als die 1,75 Mrd. aus dem Jahr 2016.

Die Lufthansa selbst hatte bisher einen leichten Rückgang angekündigt und geht seit der jüngsten Prognoseerhöhung nun von einem Ergebnis über Vorjahr aus. Vorstandschef Spohr hatte schon im Juni von einem Rekord-Sommer geschwärmt. Für das zweite Halbjahr sagte das Management zuletzt jedoch keine großen Ergebnissprünge mehr voraus. Bei den Vorausbuchungen für das reisestarke dritte Quartal habe sich der Ausblick im Passagiergeschäft stabilisiert. Die Ticketpreise dürften in der zweiten Jahreshälfte jedoch niedriger ausfallen als ein Jahr zuvor.

Gut lief es zuletzt nicht nur im Passagiergeschäft samt der Lufthansa-Billigmarke Eurowings, sondern voraussichtlich auch bei der länger gebeutelten Frachtsparte Lufthansa Cargo. Konzernweit stieg der Umsatz von 15 Mrd. auf 17 Mrd. Euro. Seinen operativen Gewinn verdoppelte der Konzern nahezu auf 1,04 Mrd. Euro. Die um 223 Mio. Euro gestiegenen Treibstoffkosten machte die Lufthansa damit mehr als wett. Offen ist von den Quartalszahlen vor allem noch das Nettoergebnis.

Die Mehrausgaben für Kerosin hängen mit der Ausweitung des Flugangebots zusammen. Seit der Komplettübernahme von Brussels Airlines im Jänner muss die Lufthansa mehr Flugzeuge betanken, konnte aber auch mehr Flugtickets verkaufen. Das gilt auch für mehr als 30 Airbus-Jets von Air Berlin, die seit diesem Frühjahr samt Besatzung vor allem für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings an den Start gehen. Dank der zusätzlichen Maschinen hat der Lufthansa-Konzern die Zahl der Passagiere im ersten Halbjahr um 17 Prozent auf fast 60 Millionen gesteigert.

So konnte auch die Passagiersparte ihr operatives Ergebnis in den ersten sechs Monaten in etwa verdoppeln. Gleiches galt für die übrigen Konzernbereiche Cargo, Technik und Bordverpflegung, wenn man ihre Ergebnisse zusammenrechnet. Eurowings soll trotz der enormen Anfangsinvestitionen für den Geschäftsausbau aller Voraussicht nach schon in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen fliegen, wie Spohr ankündigte.

Für Cargo, Technik und Bordverpflegung stellte Spohr für die zweite Jahreshälfte insgesamt ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau in Aussicht. Cargo-Chef Peter Gerber hatte schon zuvor von einem sehr guten Geschäftsverlauf berichtet. Im Vorjahr war die Frachtsparte in die roten Zahlen geflogen. Auch für 2017 hatte das Cargo-Management bisher einen Verlust angekündigt.

Von: APA/dpa