Wirtschaftliche Schäden durch den Klimawandel könnten enorm sein

EZB: Banken zu wenig auf Klimawandel-Folgen vorbereitet

Freitag, 08. Juli 2022 | 11:35 Uhr

Geldhäuser im Euroraum müssen sich noch viel stärker auf die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Klimastresstest der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden. An dem Klimastresstest, dem bisher ersten der EZB, nahmen insgesamt 104 Banken teil. 41 Institute wurden in speziellen Negativszenarien getestet.

“Banken im Euro-Raum müssen ihre Bemühungen zur Messung und Steuerung des Klimarisikos dringend verstärken, die aktuellen Datenlücken schließen und gute Praktiken übernehmen, die bereits in der Branche vorhanden sind”, erklärte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria.

Die EZB überwacht die 111 größten Banken im Euroraum direkt. Aus Österreich zählen unter anderem die Erste Group und die Raiffeisen Bank International AG (RBI) sowie die BAWAG dazu. Auch die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit wird von der EZB überwacht.

Den Ergebnissen zufolge verfügen rund 60 Prozent der Institute noch nicht über ein Klimastresstest-Rahmenwerk. Die meisten Institute hätten zudem Klimarisiken noch nicht in ihre Kreditrisiko-Modelle einbezogen – lediglich 20 Prozent der Geldhäuser berücksichtigten Klimarisiken als Faktor bei der Vergabe von Krediten. Der Stresstest fand zudem heraus, dass im Geschäft mit Unternehmenskunden der Institute fast zwei Drittel der Erträge aus treibhausgasintensiven Branchen stammt. In einem dritten Teil des Belastungschecks mussten Banken Verluste infolge von extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen und Überflutungen und unter verschiedenen Übergangsszenarien kalkulieren. Bei den 41 Banken, die daran teilnahmen, summierten sich die Kredit- und Marktverluste auf zusammen 70 Milliarden Euro.

“Wir erwarten, dass Banken entschieden handeln und kurz- bis mittelfristig robuste Rahmenbedingungen für Klimastresstests entwickeln”, erklärte EZB-Direktor Frank Elderson. Der Test zielte zum einen auf die physischen Risiken ab, die sich aus dem Klimawandel ergeben, etwa durch Überschwemmungen und Hitzewellen. Dazu kommen Risiken für die Institute, die mit dem Umbauprozess hin zu einer CO2-ärmeren und grüneren Wirtschaftsweise verbunden sind. Der Stresstest hat nach den Vorgaben der EZB keine direkten Auswirkungen auf das Kapital der Banken.

Der Klimastresstest zeige insgesamt eine “nicht zu unterschätzende Vulnerabilität” des europäischen Bankensektors gegenüber Klimarisiken auf, schrieben die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Freitag in einer Aussendung. Die Ergebnisse des Klimastresstests der EZB würden zeigen, “dass viele Banken derzeit noch am Beginn der methodischen Auseinandersetzung mit den finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken stehen”, so OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber. Die Vorstände der FMA, Helmut Ettl und Eduard Müller, forderten die Banken auf, entschlossen zu handeln, “die Integration von Klimarisiken in das Risikomanagement der Banken muss forciert werden”.

Von: APA/Reuters

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