7,5 Prozent Inflation

EZB-Chefin Lagarde stellt Zinserhöhung im Sommer in Aussicht

Mittwoch, 11. Mai 2022 | 16:51 Uhr

Angesichts der Rekordinflation im Euroraum steuert die EZB auf eine Zinswende voraussichtlich im Juli zu. EZB-Chefin Christine Lagarde signalisierte am Mittwoch, dass Anleihenkäufe Anfang des dritten Quartals auslaufen könnten und eine erste Zinserhöhung “einige Wochen später” praktisch auf dem Fuß folgen könnte. Der deutsche Bundesbankchef Joachim Nagel wie auch andere Währungshüter erwarten eine Anhebung im Juli.

Die deutsche Bundesbank sieht auch deshalb Eile geboten, da sie in Deutschland für heuer mittlerweile mit einer hohen Teuerungsrate von fast sieben Prozent rechnet. Laut Nagel muss durch schnelles Handeln vermieden werden, dass sich Preise und Löhne gegenseitig aufschaukeln und die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen. “Auf jeden Fall sollte der Ausstieg aus der sehr konjunkturstimulierenden Geldpolitik rasch und reibungslos erfolgen”, forderte der Bundesbankchef.

Ähnlich äußerte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einer Rede für eine Finanzkonferenz in Wien. Die Geldpolitik müsse handeln, um die Preisstabilität zu bewahren, sagte sie. “Schon heute steigen die Risiken, dass sich die aktuell hohe Inflation in den Erwartungen festschreibt.”

Aus Sicht von Bundesbank-Präsident Nagel müssen die Währungshüter allerdings darauf achten, dass Verbraucher, Firmen und Finanzmärkte den Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik auch verkrafteten. “Meiner Ansicht nach werden negative Zinsen im Euroraum relativ bald Geschichte sein. Sie passen nicht länger in das veränderte Umfeld”, betonte Nagel, der sich ein Ende der Anleihenkäufe bereits Ende Juni vorstellen kann. Das Aus für dieses klassische Instrument einer ultra-lockeren Geldpolitik gilt als Vorbedingung für eine Zinserhöhung.

Aktuell liegt der Einlagensatz im Euroraum bei minus 0,5 Prozent. Das heißt, Banken müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank Geld horten. Der Leitzins liegt derzeit bei 0,0 Prozent. Die nächsten Zins-Sitzungen der EZB stehen am 9. Juni und am 21. Juli an. Danach kommt der EZB-Rat erst wieder im September zu einer regulären geldpolitischen Sitzung zusammen.

“Ich denke, dass die EZB ab diesem Sommer ihre Zinssätze schrittweise anheben wird”, sagte der Chef der französischen Notenbank Francois Villeroy de Galhau. Die EZB steht unter Zugzwang, da die Teuerungsrate mit zuletzt 7,5 Prozent im Euroraum weit über das Ziel der EZB von 2,0 Prozent hinausgeschossen ist. Villeroy erwartet, dass die Inflation für den Rest des Jahres 2022 “hoch” bleiben wird. EZB-Vize Luis de Guindos rechnet damit, dass sie sich gegen Jahresende bei Werten zwischen 4 und 5 Prozent einpendeln wird.

Laut EZB-Ratsmitglied Madis Müller ist auch wegen der steigenden Inflationserwartungen Wachsamkeit geboten. “Das dient als Bestätigung, dass die Inflation sehr wahrscheinlich für geraume Zeit auf einem erhöhten Niveau bleiben wird”, sagte der estnische Notenbankpräsident der Nachrichtenagentur Reuters. Die Anleihenkäufe sollten relativ schnell beendet werden und die Zinswende danach “ohne größere Verzögerung” angegangen werden. Auch wenn im Juni aus seiner Sicht noch keine Erhöhung zur Entscheidung anstehe, könne die EZB womöglich einen Fingerzeig geben: “Vielleicht könnten wir unsere Erwartungen zu den Zinsen angeben.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

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10 Kommentare auf "EZB-Chefin Lagarde stellt Zinserhöhung im Sommer in Aussicht"


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Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
14 Tage 19 h

Höchste Zeit, dass diese Frau bald aufwacht, ist sowieso schon zu spät… dank ihr und ihrem Vorgänger Draghi der Zinspolitik steigen die Löhne nicht usw… das Dilemma im Geldbeutel spüren wir jetzt alle. 

Johannes
Johannes
Superredner
14 Tage 18 h

Dann wird Europa in eine noch nie dagewesene Rezession stürzen, und zig tausende Firmen pleite gehen, Privatschuldner insolvent gehen und abertausende ihren Job verlieren. Eine Zinserhöhung kann die EU Wirtschaft nicht aushalten und wird in sich zusammen brechen. Das wird der Anfang vom Ende des Euroraumes werden.

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 13 h

Vielleicht hast du nicht ganz Unrecht. Wir werden sehen. Jedenfalls ist diese Zinserhöhung Gift für die Wirtschaft die ohnehin schon leidet. La Garde weiss das sehr wohl , darum wurde damit auch so lange gewartet.

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
14 Tage 11 h

@N. G.
wahrscheinlich trifft es die Staaten mehr als die Wirtschaft. Es wurden Staatsanleihen von der EZB in unvorstellbar Höhe von Staaten die noch nie mit Geld umgehen konnten, gekauft.

buggler2
buggler2
Tratscher
14 Tage 2 h

Da geb ich dir recht, dazu kommt noch daß die Banken die Zinsen un das Doppelte hochfahren, die wollen Gewinne damit auch eine schöne Leistungsprämie am ende des Jahres rausspringt

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 1 h

@OrtlerNord Manche Staaten bekämen im freien Markt gar kein Geld mehr für ihre Anleihe. So siehts aus. Hast du vollkommen Recht.
Aber du unterschätzt die Auswirkungen aug die Wirtschaft. Guck die die Börsen an, seit den Ankündigung von Zinserhöhung sind die auf Talfahrt und der Krieg ist davon nur ein kleiner Teil.
Tatsache ist, Betriebe brauchen billiges Kapital um investieren zu können und da ist jedes 0,25 Prozentpunkt viel Geld.

sophie
sophie
Kinig
14 Tage 18 h

Wieso wird nicht behandelt und immer nur diskutieren,
Aufwachen ist angesagt…

OrB
OrB
Universalgelehrter
14 Tage 15 h

Die EU verträgt keine Zibsanhebung, dieser Schuss geht nach hinten los.

traktor
traktor
Universalgelehrter
14 Tage 3 h

höööchste zeit.
die inflation enteignet die sparer

Mr.X
Mr.X
Tratscher
14 Tage 3 h

Dass die Zinsen wieder steigen miasen steat ausser Frage. Und de wos olle über ihmene Verhältnisse gleb hom und komplett überschuldet sein tianmr net load. Man hot schliasslich gwisst dasses so kemmen werd.

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