Ausufernde Inflation

EZB-Notenbanker: Weitere große Zinsschritte möglich

Montag, 25. Juli 2022 | 15:15 Uhr

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht angesichts der ausufernden Inflation womöglich vor weiteren kräftigen Zinserhöhungen. Die Anhebung vom Donnerstag zu Beginn des Straffungskurses werde wohl nicht der einzige starke Schritt bleiben, sagte Lettlands Notenbank-Chef Martins Kazaks der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem am Montag veröffentlichten Interview.

“Ich würde sagen, dass auch die Zinserhöhung im September recht deutlich ausfallen muss”, sagte er. Laut seinem EZB-Ratskollegen, Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann, wird im September über weitere Zinsschritte entschieden. “Wenn es nur um die Inflation ginge, würden wir wahrscheinlich noch stärker gehen”, sagte er am Sonntagabend im ORF. Mal sehen, was im Herbst die Konjunktur bringe. “Dann können wir wahrscheinlich entscheiden, ob wir weitere 0,5 machen oder weniger oder mal mehr.”

Die EZB hatte sich am Donnerstag bei ihrer ersten Zinserhöhung seit elf Jahren mit einem unerwartet kräftigen Schritt gegen die ausufernde Inflation gestemmt. Sie setzte den Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt auf 0,50 Prozent herauf. Die Zinsanhebung fiel damit doppelt so stark aus wie die Währungshüter zuvor in Aussicht gestellt hatten. Ursprünglich hatten die Eurowächter um EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen kleineren Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte angepeilt.

Aus Sicht von Kazaks sollte die EZB offen sein hinsichtlich eines noch stärkeren Schritts von 0,75 Prozentpunkten. “Angesichts der Ungewissheit, angesichts der Inflationsdynamik, angesichts der Risiken eines längeren Anhaltens, würde ich sagen, dass wir natürlich offen bleiben sollten für Diskussionen”, sagte das EZB-Ratsmitglied. Die nächste reguläre EZB-Zinssitzung ist für den 8. September in Frankfurt geplant. Die Teuerungsrate im Euroraum war im Juni auf das Rekordniveau von 8,6 Prozent hochgeschossen. Damit liegt sie mehr als viermal so hoch wie von der EZB angestrebt. Die Notenbank erachtet zwei Prozent als den optimalen Wert für die Wirtschaft.

Bei schon sehr hohen Inflationsraten sei es wichtig, dass sich diese nicht im Bewusstsein der Menschen festsetzten und Inflationserwartungen entankert werden, sagte Holzmann. “Falls die Hinweise darauf sich verstärken sollten, müsste man gegebenenfalls eine leichte Rezession miteinbeziehen, hinnehmen, um damit die Inflation nach unten zu bringen”, sagte er. “Wir hoffen, dass das nicht notwendig sein wird”, fügte er hinzu. Derzeit seien die langfristigen Inflationserwartungen nur leicht über zwei Prozent gestiegen. Es gebe aber einige Hinweise, dass diese kräftiger hochgehen könnten.

Aus Sicht von Italiens Notenbankchef Ignazio Visco ist es allerdings noch zu früh, um die Höhe des nächsten EZB-Zinsschritts festzulegen. “Es gibt keinen Weg, um jetzt zu sagen, ob 50 oder 25 oder was auch immer angemessen sein wird”, sagte Visco zu Bloomberg TV. Die EZB werde Schritt für Schritt vorgehen. “Wir werden sehen, abhängig von den Daten, wie wir weiter vorgehen, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht auf eine graduelle Weise voranschreiten”, sagte er. Graduell vorzugehen, bedeute schrittweise vorzugehen und nicht sehr langsam zu sein, sagte der Chef der Banca d’Italia.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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6 Kommentare auf "EZB-Notenbanker: Weitere große Zinsschritte möglich"


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N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 16 h

Damit wird die Rezession kommen. Hohe Zinsen sind Gift für die Wirtschaft und kränkelt diese, gibts weniger Jobs. Damit werden Löhne sinken.
TOLL!

PuggaNagga
13 Tage 14 h

Das haben unsere Pollitiker doch super gemacht.
Alles gegen Putin! Gemeinsam gegen Putin!
Wir haben uns mit den Sanktionen nicht nur ins Knie sondern gleich in die Lunge geschossen.
Mit einem einzigen Schuss das Knie und die Lunge treffen ist wahrlich eine Glanzleistung!

Heino
Heino
Neuling
13 Tage 12 h

Wie lange wollte man denn noch die Nullzinspolitik verfolgen? Wenn eine Wirtschaft keine Zinsen verträgt, dann befindet sie sich vielleicht auch nur in einer Blase oder ist von Grund auf nicht gesund…Von hohen Zinsen sind wir weit entfernt….

falschauer
13 Tage 12 h

@PuggaNagga

wer wohin geschossen und was getroffen hat, muss sich erst herausstellen, es wird sicherlich eine zeitlang nicht einfach werden, aber kein mensch mit demokratischen und werten der freiheit kann die aggression putins gegenüber der urkraine tollerieren…. ja wo kämen wir denn hin wenn so ein überfall mitten in europa schule machen würde

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 10 h

@PuggaNagga Nicht nur der Krieg war und ist an der Inflation Schuld und an der Zins Politik schon mal gar nicht! Inflation begann lange vor dem Krieg, suchs dir raus, du wirst staunen und die Zinsen gingen damals wegen der Bankenkrise runter , da wir sonst heute alle pleite wären! Die Wirtschaft musste gestützt werden. Du verstehst weder die Zusammenhänge noch scheunst du Ursachen und Wirkungen in die richtige Reihenfolge zu bekommen.

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 10 h

@Heino Wie erklärt, niemand will und braucht hohe Zinsen! Es muss ein gesundes Mass sein. Dem Sparer ist damit nur kurzfristig geholfen, wenn überhaupt!
Hättest du vor 25 Jahren Aktien gekauft, quer Beet, wärst trotz den Kriesen ein gemachter Mann und mit sparen, ein armer Mann!

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