Wachstumspotenzial nur gering beeinflusst

EZB-Studie: Nur “begrenzter Schock” bei langem Ölpreisschub

Montag, 01. August 2022 | 15:29 Uhr

Ein anhaltender Ölpreisschub würde nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank (EZB) das Wachstumspotenzial der Eurozone nur in einem überschaubaren Ausmaß schmälern. Bei einem länger anhaltenden Preisschub von 40 Prozent in den nächsten vier Jahren verglichen mit 2017 bis 2020 würde das Wachstumspotenzial im Währungsraum mittelfristig um etwa 0,8 Prozent geringer ausfallen, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der EZB.

Den Experten zufolge wäre dies nur ein “begrenzter Schock”. Denn die EU-Kommission beispielsweise gehe von einer Zunahme des Wachstumspotenzials in den nächsten vier Jahren von zusammen etwa 5,2 Prozent aus.

Den EZB-Fachleuten zufolge weisen Untersuchungen der Ölpreiskrise in den 1970er-Jahren darauf hin, dass es für lang anhaltende Folgen für das Produktionspotenzial einer Wirtschaft aufgrund von Ölpreisschocks keine klaren Beweise gebe. Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom schwarzen Gold sei zudem seit den 70er-Jahren deutlich geringer geworden. So sei 1973 rund ein Barrel Öl benötigt worden, um etwa 1.000 Dollar an Wirtschaftsleistung (BIP) zu erbringen. Heute sei dafür weniger als die Hälfte erforderlich. “Für die Volkswirtschaften im Euroraum war der Rückgang wahrscheinlich sogar noch stärker, da ihr Energiemix weniger abhängig ist von fossilen Brennstoffen”, schreiben die Volkswirte in ihrer Studie.

Den Kalkulationen der EZB zufolge würde ein Anstieg des Ölpreises um ein Prozent das Wachstumspotenzial der Eurozone auf mittlere Sicht um etwa 0,02 Prozent schmälern. Aus Sicht der EZB-Experten kann eine Notenbank die mittelfristigen Folgen für das Wachstum abmildern, wenn sie auf den Inflationsdruck infolge eines Ölpreisanstiegs reagiere und dadurch etwa die Inflationserwartungen steuere. “Zudem unterscheiden sich die aktuellen technologischen und wirtschaftlichen Bedingungen erheblich von denen, die während früherer Ölpreisschocks vorherrschten”, schreiben die Experten. Produktionstechnologie könne inzwischen schneller an Preisveränderungen angepasst werden. Beim Energieverbrauch im Verkehr und bei den Haushalten gebe es außerdem inzwischen praktikable Alternativen.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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2 Kommentare auf "EZB-Studie: Nur “begrenzter Schock” bei langem Ölpreisschub"


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Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
13 Tage 16 h

Na dann schalten wir das Gas ab.

Grünschnabel
13 Tage 15 h

Wie ist das dann mit dem Stromschock? Ich werde ab November das DOPPELTE wie bisher zahlen müssen!

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