Laut Insidern ist eine Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte im Gespräch

EZB-Währungshüter erwägen Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte

Dienstag, 19. Juli 2022 | 12:36 Uhr

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt laut Insidern für die anstehende Zinswende einen kräftigen Schritt nach oben, um die ausufernde Inflation einzudämmen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Sache vertrauten Personen erfuhr, wird auf der Sitzung am Donnerstag neben einer Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt auch eine mögliche Anhebung um einem halben Punkt zur Sprache kommen.

Es gebe eine breite und noch offene Debatte, wie hoch der Schritt letztlich ausfallen solle. Einige Währungshüter mahnten mit Blick auf eine womöglich heraufziehende Rezession allerdings zur Vorsicht.

Die EZB wollte sich auf Anfrage nicht zu den Informationen äußern. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte eigentlich nur eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt in Aussicht gestellt und erst für September eine womöglich kräftigere Erhöhung. Sie hatte jedoch die Tür für eine kräftigere Zinswende offengelassen.

Zugleich zeichnet sich den Insidern zufolge eine Einigung auf ein umstrittenes EZB-Programm ab, mit dem hoch verschuldete Staaten wie Italien bei Turbulenzen am Anleihenmarkt gestützt werden könnten. Voraussetzung dafür, dass einem Land mit diesem neuen Instrument geholfen wird, soll demnach sein, dass es sich an Vorgaben der EU-Kommission mit Blick auf Reformen und Haushaltsdisziplin hält. Dabei sollen auch die Regeln des EU-Stabilitäts- und Wachstumspakts wieder eine Rolle spielen, wenn sie nächstes Jahr wieder greifen. Sie sind wegen der Coronapandemie ausgesetzt.

Über die Bedingungen für ein neues Kriseninstrument wird seit Wochen in der EZB kontrovers diskutiert. Einige Währungshüter hätten laut Insidern gerne den Europäischen Rettungsfonds ESM für das Programm mit ins Boot geholt. Doch diese Option sei nun wahrscheinlich vom Tisch, hieß es.

Wie das Werkzeug genau ausgestaltet wird, ist noch unklar. Doch dürften Staatsanleihekäufe dazu gehören. Experten verweisen darauf, dass die EZB in rechtlich gefährliches Fahrwasser geraten könnte, sollte beispielsweise Italien inmitten einer akuten Regierungskrise gestützt werden. Dies wäre Wasser auf die Mühlen all jener Kritiker, besonders in Deutschland, die solche Käufe der EZB schon immer als verkappte Staatsfinanzierung angesehen haben. Gegner früherer EZB-Anleihen-Kaufprogramme waren bis vor das deutschen Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gezogen. Laut KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib ist es “fast so sicher wie das Amen in der Kirche”, dass auch das geplante neue Programm früher oder später dort bestehen muss.

Der Euro stieg nach den Signalen für eine womöglich kräftigere Zinswende um ein Prozent auf 1,0245 Dollar. Die Aussicht auf einen größeren Zinsschritt setzte zugleich den Staatsanleihen im Euroraum zu. Im Gegenzug zogen die Renditen an. “Es wäre überraschend, wenn sie sich für eine Anhebung um 50 Basispunkte entscheiden würden, da die Mehrheit der politischen Entscheidungsträger eine Anhebung um 25 Basispunkte signalisiert hat”, sagte Nordea-Analyst Jan von Gerich. Der Ausverkauf an den Anleihemärkten deute aber darauf hin, dass Anleger kein Risiko eingehen wollten und sich nun für einen größeren Zinsschritt der EZB in Stellung brächten.

Der rasante Anstieg der Energiepreise hat die Inflation im Euroraum auf ein neues Rekordniveau getrieben und setzt die EZB damit unter Zugzwang. Die Verbraucherpreise legten im Juni um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Im Mai hatte die Teuerung bereits bei 8,1 Prozent und im April bei 7,4 Prozent gelegen. Die EZB verfehlt damit ihr Inflationsziel deutlich. Sie strebt zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an.

Nach mehr als einem Jahrzehnt einer ultralockeren Geldpolitik wollen die Währungshüter nun am Donnerstag erstmals wieder ihre Zinszügel straffen. Unter den führenden Notenbanken ist die EZB in puncto Zinswende ein Nachzügler. In den USA hat die Federal Reserve schon viel früher auf den anhaltenden Inflationsschub mit Zinserhöhungen reagiert. Die Fed hob im Juni ihre Leitzinsen sogar um 0,75 Prozent an, was der größte Zinsschritt seit 1994 war. Die EZB hält dagegen ihren Schlüsselsatz noch auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, auf dem er bereits seit März 2016 liegt. Seit 2014 liegt zudem der Einlagensatz im Minusbereich, was für Banken Strafzinsen bedeutet, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Seit Herbst 2019 steht der Satz bei minus 0,5 Prozent.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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18 Kommentare auf "EZB-Währungshüter erwägen Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte"


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Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
25 Tage 1 h

Die Europäische Zentralbank hat ihre Aufgabe, die Währung stabil zu halten, vorsätzlich vernachlässigt und zur Gänze verfehlt. Stattdessen betreibt sie in krimineller Weise die Staatsfinanzierung verschuldeter Länder.

Faktenchecker
24 Tage 22 h

Und wie geht das?

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
24 Tage 22 h

Tig…
Italien ist leider ganz vorne dabei.

World
World
Tratscher
21 Tage 1 h

“…um die ausufernde Inflation einzudämmen”
So ein Unsinn. Die Inflation entsteht doch wegen der hohen Energiepreise und hat nichts mit den Zinsen zu tun.

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 21 h

Wenigstens ne offene und ehrliche Aussage in Bezug Italien und seiner Schulden. Den wenigsten ist klar wie ernst das Thema ist denn ohne EZB hätte Italien des öfteren kein Geld mehr auf dem freien Markt bekommen.
Denn Herrn ist definitiv klar, Italien könnte die ganze EU und den Euro ins Verderben reissen wenn jetzt auch noch Zinsen steigen!
Ne grosse Warnung an all jene die dauernd Geld vom Staat fordern! Er hat Keines, er lebt von der Hand in den Mund!

primetime
primetime
Kinig
24 Tage 20 h
Dann könnten die werten Politiker auch mal bei ihnen selber den Rotstift ansetzen und nicht dauernd beim Volk? Kein anderes Land hat so viele, gutbezahlte, teilweise auf Lebenszeit im Amt befindliche Politiker welche sich noch mit den zahlreichen Auto Blu herumkutschieren lassen. Oder der reddito di cittadinanza. Möchte nicht wissen wieviele davon “profitieren” und nebenher schwarz arbeiten. Das ganze Aufsichtssystem für Beitragsvergabe ist teilweise sehr lasch und jeder steckt die Hand in den Topf um etwas zu bekommen. Sicherlich moralisch nicht OK, andrerseits greift auch der Staat dir sehr tief in die Tasche. Ich magh Draghi überhaupt nicht wegen seiner… Weiterlesen »
traktor
traktor
Kinig
24 Tage 8 h

ng.
mag sein, dann muss er haushalten lernen wie jedes kind!!
ich bin jedenfalls nicht bereit meine früchte der arbeit wegen der schuld solcher despoten zu verlieren!!!

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 4 h

@traktor Die Schulden hatten wir lange bevor Corona und der Krieg kam!

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 4 h

@primetime Das unsere Politiker sich die Taschen voll machen steht ausser Frage, natürlich und moralisch gesehen müssten sie endlich mal voran gehen und bei sich kürzen. Nur, das eventuell eingesparte Geld reißt die Karre weder vom Dreck noch würds irgendwo anders wirklich helfen. Es wäre besser angelegt, mehr aber auch nicht!

primetime
primetime
Kinig
24 Tage 1 h
Es gab vor Zeiten schon eine Berechnung wieviel € man sich sparen würde wenn die Politikeranzahl auf X reduziert wird. Ich sehe den Staat wie einen Betrieb – wenn er nicht wirtschaftlich ist muss man den Rotstift ansetzen. Steuern können nicht erhöht werden, das sind sie schon. Also muss bei den Ausgaben gespart werden. Warum werden in einer wirtschaftliche sehr schlechten Situation (Mehrausgaben beim Volk), bei dem sich die meisten nicht mal einen gebrauchten Benziner leisten können, Beiträge für den Kauf eines e-autos vergeben? Die besseren verdiener machen diese paar Euro nichts aus denn so ein Auto können sie sich… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 21 h
@primetime Lassen wir dahin gestellt welche Subventionen wohin fliessen und ob sie sinnlos oder begründet sind. Du hast vollkommen Recht, es muss wie ein Betrieb funktionieren und darum glaube ich, dass Draghi darum auf lange Sicht gut wäre. Was du dir vorstellst funktioniert in Italien nicht, wenn “Politiker” am Werk sind und das Volk ne griechische Mentalität hat denn alle zusammen machen sich nach dem Vorbild Griechenlands die Taschen voll! Auserdem stehen wir am Abgrund und damit ist alles noch viel schwieriger. Es brauch grundsätzlich ein Umdenken. Politiker, wir das Vilk, man kanns hier jedrn Tag lesen, ich will das,… Weiterlesen »
primetime
primetime
Kinig
23 Tage 18 h

Es geht mir halt eher mal darum dass die Politiker mit gutem Beispiel vorausgehen.
Denn beim Volk immer mehr nehmen, ssie aber weiterhin üppig verdienen ist halt realitätsfremd.
In der Hinsicht hat Draghi einen Sympathiepunkt bei mir denn er hat auf das Gehalt verzichtet. Ist halt leider ein winzig kleiner Tropen in einen aktiven Vulkan…

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
24 Tage 18 h

Rauf auf 10%

Faktenchecker
24 Tage 18 h

Du hast nichts verstanden.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
24 Tage 21 h

@Faktenchecker: Durch den Aufkauf von Staatsanleihen von hochverschuldeten Ländern, die sich weigern den ihrer Bonität angemessenen Zins zu zahlen.

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
24 Tage 20 h

So ist die EZB ! Die Hütte brennt und die EZB denkt daran,einen Kübel Wasser zur Verfügung zu stellen.

N. G.
N. G.
Kinig
24 Tage 9 h

Zinsen 5% hoch und die Lebensmittel steigen zm 5%. Unsinn , du verstehst das System nicht! Das alles hatten wir vor langer Zeit schon mal.

Faktenchecker
22 Tage 16 h

NG versuchs mal mit Betriebswirtschaft.

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