EZB-Präsidentin Christine Lagarde

EZB wird im Kampf gegen Inflation Zinsen weiter erhöhen

Dienstag, 01. November 2022 | 10:17 Uhr

Nach der dritten Zinserhöhung in Folge sieht EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation noch nicht am Ziel. “Wir streben den Zinssatz an, mit dem das mittelfristige Inflationsziel von zwei Prozent erreicht werden kann. Das Ziel ist klar, und wir sind noch nicht am Ziel. Wir werden in Zukunft weitere Zinserhöhungen vornehmen”, sagte Lagarde dem lettischen Nachrichtenportal Delfi in einem am Dienstag von der EZB veröffentlichten Interview.

Seit Monaten heizt der Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise die Inflation an. Im Oktober lagen die Verbraucherpreise im Euroraum um 10,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats – ein Rekordwert. Die EZB strebt für den Währungsraum mittelfristig Preisstabilität bei zwei Prozent Inflation an.

Um die Teuerung einzudämmen, hatte die EZB in der vergangenen Woche zum dritten Mal in Folge eine kräftige Zinsanhebung beschlossen. Damit liegt der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank leihen können, bei 2,0 Prozent. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Dies kann die Nachfrage bremsen und so hohen Teuerungsraten entgegenwirken.

“Wir stellen zunehmend fest, dass sich diese höheren Energiekosten auf immer mehr Bereiche der Wirtschaft auswirken”, sagte Lagarde in dem Interview. “Je länger die Inflation auf einem so hohen Niveau bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass sie auf die gesamte Wirtschaft übergreift.”

Weil die Konjunktur ohnehin unter Lieferengpässen und den Folgen des Ukraine-Krieges etwa auf dem Energiemarkt leidet, gibt es aber auch Bedenken, die EZB könnte ihre zuvor jahrelang ultralockere Geldpolitik zu rasch normalisieren.

“Es stimmt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession zugenommen hat und die Unsicherheit weiterhin groß ist”, sagte Lagarde. Letztlich seien jedoch anhaltend hohe Inflationsraten für die Gesellschaft eher schädlich, weil sie alle ärmer machten: “Stabile Preise bilden die Grundlage für eine gut funktionierende Wirtschaft, von der alle profitieren”, sagte die EZB-Präsidentin.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "EZB wird im Kampf gegen Inflation Zinsen weiter erhöhen"


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Superredner
1 Monat 6 Tage

Nein, die Inflation macht nicht alle ärmer, sondern ergibt Leute, mit Geld günstig weiteres Kapital zu erwerben. Die nämlich nicht mehr schaffen ihre Kredite zu bezahlen, die werden ihren Traum von eigenem Haus usw. vergessen müssen und auch andere Güter, die mit grösseren Krediten angeschafft werden, finden meist danach schnell neue Eigentümer. Für wirklich Reiche ist die Krise eine Chance noch viel reicher zu werden.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

Nun, man sollte, wenn man kann, kaufen wenn alles am Boden liegt. Billiger bekommt mans nicht. Zu niedrige Zinsen, wie wir sie hatten, sind auch nicht gut, auch das macht Reiche reicher. Hat man an der Entwicklung der Börsen in den letzten Jahren gut erkennen können. Billiges Geld lässt die Aktien “fliegen”! Man bezahlte für nen Kredit weniger als man mit Aktien verdient. Grins

pfaelzerwald
1 Monat 5 Tage

Jetzt hat auch Frau Lagarde dazu gelernt. Wurde auch Zeit.

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