Studie des AFI

Familienfreundlicher Wohlfahrtsstaat: Sechs Zutaten für das Rezept

Freitag, 12. Juni 2015 | 13:40 Uhr

Bozen – Das AFI hat heute den zweiten von drei Teilen der Studie zum Wohlfahrtsstaat vorgestellt. Untersucht werden die unterschiedlichen Ansätze der Familienpolitik in den fortschrittlichsten europäischen Ländern – vor allem jene, die weniger auf finanzielle Beiträge aufbauen, sondern vielmehr auf eine Familienpolitik setzen, die alle Glieder der Familie fördert und stützt. Die Studie des AFI bringt eine Reihe von „Best-Practice“-Beispielen aus europäischen Ländern und italienischen Regionen. Daraus ergeben sich sechs Zutaten für das Rezept des Wohlfahrtsstaates als ein „Freund der Familien“.

AFI-Präsident Toni Serafini schickt voraus, was die vom AFI | Arbeitsförderungsinstitut ausgearbeitete zweite Studie zum Wohlfahrtsstaat bezweckt: „Man sollte die öffentlichen Ausgaben zugunsten der Familien nicht als verlorenes Geld betrachten, sondern als Investition sehen, mit der große soziale Probleme in der Zukunft vermieden und kommenden Generationen der Lebensweg geebnet wird. Die Unterstützung der Familie durch die Politik sollte als aktive, umfassende Wohlfahrtspolitik und weniger als Beitragsempfänger-Politik verstanden werden“.

In dieser Sinne zeigt die neueste Studie des AFI verschiedene Modelle aus einigen europäischen Ländern auf, in denen eine aktive und fördernde Familienpolitik verwirklicht ist. Darunter die Modelle für den „Elternurlaub“, vor allem aber die obligatorische Freistellung und der Elternurlaub für Väter. Die Studie bringt auch konkrete Anwendungsbeispiele, so genannte „best practices“, aus einigen Städten und Regionen Italiens, die helfen können, die besten Erfahrungen aus den unterschiedlichen Modellen der Familienförderung sichtbar zu machen und bei uns anzuwenden.

„Sechs Zutaten sind es, die ein wirklich gutes Rezept abgeben für einen familienfreundlichen Wohlfahrtsstaat”, sagt AFI-Forscherin Silvia Vogliotti, die zusammen mit Kollegin Sara Vattai die Studie verfasst hat.

1) Eine bereichsübergreifende Politik verwirklichen, welche die Trennung zwischen Familien- und Sozialpolitik überwindet; wie in Frankreich, wo die Familienpolitik auf dem Modell der Elternwahl aufbaut und ein System ist, in dem andere soziale Leistungen stark eingebunden sind. Dazu gehören finanzielle Beihilfen, Dienste, Steuererleichterungen für Familien, Gutscheine für Pflege, Gutscheine für Ganztagsschulen usw.

2) Das “Family mainstreaming” anwenden; das heißt, laufend und umfassend überprüfen, wie die verschiedenen Maßnahmen bei den Familien „ankommen“, gleich ob im Bereich Steuern, Gesundheit oder Bildung. So wird es sehr wirkungsvoll in Schweden gemacht, und das von der Planungsphase über das begleitende Monitoring bis hin zur Abschlussbewertung.

3) Den natürlichen Bildungsreichtum ausschöpfen, indem man schon in den ersten Lebensjahren des Kindes dessen Lernfähigkeit und Experimentierfreude fördert und dessen Neigungen unterstützt, so wie das in der Region Emilia-Romagna mit der „Scuola per genitori“ („Elternschule“) geschieht, wo man bei Elterntreffen unter anderem über die Talentförderung spricht.

4) Lokale Bündnisse für Familien fördern, die das gesamte soziale Umfeld in die Familienpolitik mit einbeziehen, so wie im Trentino mit dem “territorio amico della famiglia” („familienfreundliches Land“), wo auf Orts- und Bezirksebene Nutzer und Anbieter von sozialen Leistungen zusammentreffen; ähnlich auch in der Region Emilia-Romagna, wo das Familienverbandswesen weit verbreitet ist.

5) Subsidiarität (Eigenverantwortung) stärken mit Maßnahmen, welche die Familie in ihren ureigenen Aufgaben unterstützen, so wie im Trentino, wo seit 2011 nach dem Prinzip der “horizontalen Subsidiarität” eigenständige Initiativen von Familien, Vereinigungen und lokalen Körperschaften im Sinne des Gemeinwohls gefördert werden.

6) Eine aktive Vaterschaft fördern – mittels einer kulturellen Kampagne der Bewußtseinsbildung; auch mit Anreizen für die vermehrte Inanspruchnahme von Elternurlaub für Väter, wie im Piemont, wo die Region finanzielle Beihilfen für Väter gewährt, welche die Freistellung von der Arbeit beantragen.

Die sechs Zutaten im Rezept des AFI für einen familienfreundlichen Wohlfahrtsstaat sind demnach: bereichsübergreifende Politik, Family mainstreaming, Bildungsreichtum, lokale Bündnisse für Familien, subsidiarität und aktive Vaterschaft.

„Ein erster Vorschlag aus dieser Studie liegt schon auf dem Tisch der Landesrätin für Familie“, merkt AFI-Direktor Stefan Perini an: „Es handelt sich um ein Simulationsmodell zur Einführung einer finanziellen Beihilfe für Väter, die von sich für einen Elternurlaub innerhalb der ersten 18 Lebensmonate des Kindes entscheiden.“

Die Studie kann von der Internetseite des Instituts heruntergeladen werden: www.afi-ipl.org

Von: ©mk