Auch in Südtirol umgesetzt

Fast barrierefreier Fischaufstieg spart Wasser für Energiegewinnung

Mittwoch, 24. Mai 2017 | 11:14 Uhr

Ein Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur und des Beton-Fertigteilherstellers MABA ermöglicht Fischen und anderen Wasserlebewesen künftig einen fast barrierefreien Aufstieg bei Wehranlagen. Gleichzeitig zweigen die neuen Bauten deutlich weniger Wasser ab – das sonst bei der Energiegewinnung fehlen würde – als herkömmliche Fischtreppen, wie das Unternehmen am Mittwoch informierte.

Laut einer EU-Richtlinie müssen bei Wehren oder Hochwasserschutzbauten sogenannte Wanderanlagen für Fische und andere Wasserbewohner errichtet werden, da die Tiere die Staustufe sonst nicht passieren könnten. Sie bestehen üblicherweise aus einer Abfolge von vertikal angeordneten Schlitzen und Becken. Nachteil: Der hohe Wasserdurchfluss mit vielen Turbulenzen mindert die Rentabilität des Kraftwerks und erschwert schwächeren Schwimmern das Fortkommen.

Die zur Kirchdorfer-Gruppe gehörende MABA Fertigteilindustrie und das Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau der Universität für Bodenkultur in Wien arbeiten daher seit Jahren an Alternativen. Herausgekommen ist der “enature Fishpass”, ein “entschleunigter” Wasserweg in Fertigteilbauweise. In Rottau-Mühldorf an der Möll in Kärnten entstand beispielsweise eine 435 Meter lange Aufstiegshilfe mit über 100 Becken und elf Kehren, die das Gefälle deutlich mindern und zugleich als Ruhe- und Laichzonen fungieren. Es fließt ein gutes Drittel weniger Wasser als bei herkömmlichen Anlagen. Insgesamt wurden mittlerweile mehr als 40 dieser beinahe barrierefreien Fischaufstiege in Österreich, Südtirol, Bayern und in der Schweiz installiert.

Das Forschungsprojekt von MABA und Boku, das noch bis Jahresende läuft, hat mithilfe einer eigens entwickelten videobasierten Fischerkennungssoftware dokumentiert, dass die Fische die Anlage finden und den Aufstieg bewältigen. Das gilt sowohl für mehr als einen Meter lange Welse und Huchen als auch für unerfahrene Jungtiere.

Von: apa

Bezirk: Bozen