Ihre Rede wurde mit Spannung erwartet

Fed-Chefin Yellen sieht mehr Argumente für Zinserhöhung

Freitag, 26. August 2016 | 16:40 Uhr

Die Argumente für eine Zinsanhebung haben nach Einschätzung von Fed-Chefin Janet Yellen in den vergangenen Monaten an Zugkraft gewonnen. Es gebe Verbesserungen auf dem US-Arbeitsmarkt, zudem werde ein moderates Wirtschaftswachstum erwartet, sagte Yellen am Freitag in einer Rede auf der Notenbanker-Konferenz der Fed in Jackson Hole in Wyoming.

Yellen signalisierte in ihrer Rede nicht, wann genau die US-Zentralbank den nächsten Zinsschritt wagen will. Ihre Bemerkungen verstärkten aber die Sichtweise, dass die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen anheben könnte.

Die US-Währungshüter suchen momentan nach dem besten Zeitpunkt, nachdem sie im Dezember erstmals seit der Finanzkrise den Schlüsselsatz angehoben hatten. Seitdem ließen wechselhafte US-Wirtschaftsdaten und Phasen starker Marktturbulenzen die Federal Reserve (Fed) aber immer wieder zögern.

Mehrere US-Notenbanker hatten vor der mit Spannung erwarteten Rede für eine baldige Anhebung der Zinsen plädiert. Es sei nicht das Ziel, das Wirtschaftswachstum damit abzuwürgen, sagte der Präsident des Fed-Ablegers von San Francisco, John Williams, vor Beginn der Notenbank-Konferenz in Wyoming.

Die US-Zentralbank Fed plane, die Wirtschaft “heiß laufen zu lassen”. Ähnlich äußerte sich seine Kollegin von Kansas City, Esther George. Dank der Fortschritte bei der Inflation und am Arbeitsmarkt sei es Zeit für einen solchen Schritt. “Mein Ziel ist nicht, das Wirtschaftswachstum zu verlangsamen.” Eine Straffung der Zinsen sollte behutsam erfolgen.

Im Juli hatte sich die Notenbank noch nicht zu einer weiteren Anhebung durchgerungen. Umso mehr richten sich jetzt die Blicke nach Jackson Hole, wo Yellen noch an diesem Freitag ihren Auftritt hat. Die jährliche Notenbank-Tagung am Rande der Rocky Mountains diente der Fed-Führungsspitze in der Vergangenheit häufig als Forum, um den Märkten Signale über den geldpolitischen Kurs zu geben. Die Fed hält seit der Zinswende im Dezember 2015 die Leitzinsen in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

An den Finanzmärkten wird derzeit die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben im September auf 21 Prozent taxiert. Für die Sitzung im November wird sie mit etwas mehr als 27 Prozent bemessen. Gut 50:50 stehen die Chancen laut Marktteilnehmern derzeit für eine Straffung der Geldpolitik im Dezember.

Aus Sicht mancher Notenbanker könnte eine zu lange Phase mit sehr niedrigen Zinsen die Inflation zu deutlich anheizen. In der Folge müsste die Fed dann womöglich noch stärker die Zinszügel anziehen – mit entsprechend dämpfenden Auswirkungen für die Konjunktur, befürchten sie. “Eines der Kernziele sollte sein, dass wir nicht erneut eine Rezession bekommen”, sagte der Präsident des Fed-Ablegers von Boston, Eric Rosengren.

Aus Sicht des Präsidenten der Fed von Dallas, Robert Kaplan, bewegt sich die US-Zentralbank immer weiter in Richtung eines weiteren Zinsschritts, wie er dem Sender CNBC sagte. Seiner Einschätzung nach sollte die Fed in “nicht allzu ferner Zukunft” zu einer weiteren Erhöhung in der Lage sein.

Von: APA/ag.

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