Felbermayr: USA wachsen uns kräftig davon

Felbermayr: USA wachsen uns wieder gewaltig davon

Dienstag, 29. Juni 2021 | 11:07 Uhr

Wegen der enormen Konjunkturprogramme der USA und aus strukturellen Gründen wächst die Wirtschaft der Vereinigten Staaten auch jetzt nach der Coronakrise schneller als die europäische. Bereits vor der Krise seien die USA der Eurozone mit ihrer relativen schwachen Dynamik gewaltig davongewachsen, sagte der designierte Wifo-Chef, IfW-Präsident Gabriel Felbermayr, am Dienstag beim Verbund-Energiefrühstück in Wien.

Die Eurozone sei stärker eingebrochen und im vierten Quartal 2020 sowie im ersten Quartal 2021 geschrumpft. “Die USA haben sich diese zweite Delle erspart und kommen daher viel besser aus der Krise”, meinte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Das sei kein neues Phänomen – die Wachstums-Türmchen seien in der Eurozone geringer.

Die Coronakrise habe Europa diverser und ungleicher gemacht – einzig das Baltikum, Rumänien, Luxemburg und Irland hätten in dieser Zeit etwas profitieren können. Aber insgesamt sei das vergangene Jahr für die Eurozone ein “annus horribilis” gewesen. Aktuell brumme die Wirtschaft jedoch bei aller Heterogenität “überraschend stark”.

Für die transatlantische Zusammenarbeit gebe es keine Alternative. Von der enormen Erfolgsgeschichte Chinas in den letzten Jahrzehnten habe auch Österreich profitiert, etwa im Bereich Maschinenbau. Nach Kaufkraftparitäten seien wir von China bereits überholt worden, in laufenden Dollar gerechnet hätten noch die USA die Nase vorn. China werde es bis 2040 auf knapp ein Viertel des weltweiten BIP schaffen, dabei aber “steckenbleiben”, weil das Land “früher alt” werde; 2020 lag China bei 19 Prozent des globalen BIP. EU und USA gemeinsam würden von 31 Prozent bis 2040 auf 27 Prozent zurückfallen.

Die Eurozone tue sich langfristig schwer mit dem Wachstum, der europäische Binnenmarkt sei das einzige Asset. Im geostrategischen Wettbewerb sei es daher wichtig, wie der Binnenmarkt gestaltet sei. Denn anderen Ländern gehe es auch “ganz knallhart um politische Macht”, so Felbermayr. “China macht das sehr gut, auch mit der ‘Neuen Seidenstraße’. Wir müssen uns strategisch fragen, wie gehen wir mit einem solchen Land um.” Handelspartnern sollte nahegebracht werden, dass sie die Umwelt- oder Technologiestandards oder die europäische Datenschutzgrundverordnung akzeptieren müssten, um “hereinkommen” zu können. Zur transatlantischen Zusammenarbeit gebe es keine Alternative.

Es sei sehr klug, dass Europa nicht so stark auf die Tube drücke, also nicht so leicht durch Schuldenaufnahme Geld für die Konjunktur lockermachen könne wie die US-Notenbank Fed, argumentierte der designierte Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), der seine neue Funktion in Wien am 1. Oktober antreten wird. Eine Inflation von fünf Prozent wie in den USA, die Kehrseite der Medaille, sollte man sich wegen der dadurch drohenden Lohn-Preis-Spirale nicht wünschen.

Von: apa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Felbermayr: USA wachsen uns wieder gewaltig davon"


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Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Naja Europa ist selbst schuld daran! Zu Sozial , zu Liberal!

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 2 Tage

was heißt da “zu sozial”? Also solte man die schwächeren Bevölkerungsschichten einfach verrecken lassen?

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@quilombo oder sie sollten sich mehr anstrengen. Wieviele nutzen den Sozialstaat aus? Landesbedienstete und Staatsbedienstete die Priviliegien haben von der die Privatwirtschaftsangestellten träumen. Reddito cittadinanza! Abschaffen, Lohnnebenkosten senken, Bürokratie senken…………..!
Flüchtlinge wo das Auge reicht……..
Eu führt Wirtschaftskrieg mit der halben Welt und hängt am Flebo der Chinesen……
Ach man könnte noch so viel erwähnen.

NurMalSo
NurMalSo
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag
Zu sozial könnte heißen: Andere arbeiten von früh bis spät, mit wahrscheinlichem Herzinfarkt im Alter, andere sind im Schwimmbad obwohl sie arbeiten könnten aber nicht wollen. Zu sozial könnte heißen: andere rackern für eine Wohnung, ein Leben lang und andere sagen wieso rackern, ich bekomme doch eine Wohnung in bester Lage und im Winter 24h heizen, kein Problem…zu sozial könnte heißen: andere zahlen brav Steuern und je mehr man arbeitet darf man zur Belohnung noch mehr Steuern zahlen und andere machen Party bis früh morgens, Hauptsache cool sein und finanziert sich mit dubbiösen Sachen. Meiner Meinung sind in Südtirol von… Weiterlesen »
Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Auf den Punkt gebracht

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Wir haben keine vernünftigen Regierungen in der EU und in den meisten europäischen Staaten.

Warum kann man nicht mit allen Staaten normal zusammenarbeiten, mit dem Feudalsystem Saudi Arabien geht es auch.

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Die Politik sollte sollte sich mit allen Leuten befassen nicht nur der verlängerte Arm der Reichen sein.

One
One
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

@NurMalSo Schön erkannt. Ich denke niemand hat etwas dagegen einen echten Sozialfall zu unterstützen. Das Leben meint es nicht immer gut mit jedem und diesen Leuten müssen wir helfen. Den anderen 90% sollte man alle Rechte und Gelder streichen und ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, rückwirkend die letzten ergaunerten Jahre alles zurückzahlen, oder Abmarsch ins Gefängnis. Nur so bekommen wir wieder Ordnung rein.

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 1 Tag

@Spiegel, du führst da Privilegien an. Das ist genau das Gegenteil von sozial. Und was heißt da: “die sollen sich mehr anstrengen”?? Wenn also eine Hausfrau und Mutter ihr ganzes Leben lang sich abgerackert hat nd dann bekommt sie nichteinmal 500 € Rente, dann hat sie sich wohl zuwenigbangestrengt, oder was? Wenn eine Zahnarztbehandlung soviel kostet wie ein Arbeiter das ganze Jahr verdient, dann ist das auch nicht sozial. Die Flüchtlinge kommen aus Situationen, die wir uns nicht einmal vorstellen können, die aber wir zum großem Teil verursacht haben. I
Da muß man Mensch sein, mit allem was das bedeutet.

kleinerMann
kleinerMann
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Nun sagen wir so . . Europa ist zum Scheitern verurteilt und gegenüber China und Amerika eigentlich nur eine Lachnummer !

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 1 Tag

Die Länder Europas sind sehr verschieden, es gibt Wirtschaftsmotoren und eben dann wieder Länder wo Geldinvestitionen extrem versanden, dadurch wird sich Europa nie so entwickeln wie die USA.

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