Plattform Land schlägt Alarm

Flächenverbrauch nimmt in Südtirol weiter zu

Mittwoch, 31. August 2022 | 13:45 Uhr

Bozen – Ein sparsamer Umgang mit Grund und Boden ist nicht nur Ziel der Plattform Land, sondern auch der Südtiroler Raumordnungspolitik. Die aktuellen Zahlen der staatlichen Umweltagentur ISPRA zeigen aber ein anderes Bild: In den letzten 15 Jahren wurden durchschnittlich 75 Hektar pro Jahr verbraucht. 2021 waren es weitere 50 Hektar, um die sich die künstliche Bodenbedeckung vergrößert hat. Die Plattform Land mahnt daher zum wiederholten Mal einen intelligenteren und sparsameren Umgang mit wertvollem Kulturgrund in Südtirol an.

Trotz einiger Bemühungen ist in Südtirol beim Flächenverbrauch keine Trendumkehr erkennbar. Laut Zahlen der staatlichen Umweltagentur ISPRA, die vom Sozialforschungsinstitut Apollis im Auftrag der Plattform Land analysiert wurden, sind zwischen 2006 bis 2019 jährlich rund 75 Hektar Boden versiegelt worden. „Am höchsten war der Flächenverbrauch im Jahr 2016 mit rund 190 Hektar. 2020 und 2021 ging die Verbauung von Grund und Boden für Gewerbebauten, Wohnungen, Hotels, Straßen, Freizeiteinrichtungen, öffentliche Einrichtungen und Infrastrukturen usw. zwar leicht zurück, lag aber immer noch bei rund 50 Hektar. Somit sind in Südtirol aktuell über 20.000 Hektar an Flächen künstlich bedeckt und damit unfruchtbar“, sagt Hermann Atz von Apollis. Das ist umso kritischer, da der am besten nutzbare Teil des Landes, das sogenannte Dauersiedlungsgebiet, laut Landesinstitut für Statistik Astat nur knapp sechs Prozent der Landesfläche beträgt.

Die Zahlen der ISPRA belegen auch deutlich, dass die Flächenversiegelung nicht nur ein Thema in den urbanen Gebieten ist. Den größten absoluten Flächenverbrauch in den letzten zwei Jahren gab es in den Städten mit Spitzen bis zu 2,4 Hektar pro Gemeinde, aber auch einige Landgemeinden weisen einen hohen Verbrauch an Grund und Boden auf, der bei den Spitzenreitern zwischen 1,6 Hektar und 1,9 Hektar liegt. Die Gründe dafür sind durchaus unterschiedlich und von Fall zu Fall genau zu analysieren.

Noch aussagekräftiger ist, die Zunahme des Flächenverbrauchs in Relation zur Einwohnerzahl zu setzen. Hier zeigt sich, dass in einigen Landgemeinden der Pro-Kopf-Verbrauch am höchsten ist – deutlich höher als der Landesschnitt von 1,6 Quadratmeter.

Für die Plattform Land ist aufgrund der Daten wichtig, intelligenter und sparsamer mit dem in Südtirol wertvollen Grund und Boden umzugehen. Ansonsten ist das Fernziel von „netto 0“-Flächenverbrauch im Jahr 2050 nicht erreichbar.

Um die „netto 0“ zu schaffen, braucht es nicht nur ein ständiges Monitoring des Flächenverbrauchs, sondern auch verstärkte Bemühungen, Grund und Boden noch besser zu schützen. Zudem müssten in jenen Gemeinden mit einem hohen Flächenverbrauch die Gründe dafür analysiert und entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. „Die nun in allen Gemeinden stattfindende Leerstandserhebung, die im Gemeindeentwicklungsprogramm vorgesehen ist, bietet die Gelegenheit, neue, intelligente Ansätze beim Flächenverbrauch zu wählen, wie die Nutzung von Leerständen, um längerfristig zu einer Kreislaufwirtschaft, sprich Flächenrecycling, zu kommen“, betont der Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer.

Die Datentabelle zu den Gemeinden ist abrufbar unter estratto_dati_consumo_suolo_2022.xlsx (live.com), der Link zur ISPRA-Studie lautet Consumo di suolo, dinamiche territoriali e servizi ecosistemici. Edizione 2022 | SNPA – Sistema nazionale protezione ambiente (snpambiente.it).

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Flächenverbrauch nimmt in Südtirol weiter zu"


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inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Ich wundere mich immer wieder, wieviel Grund die Landwirte verbauen dürfen: Hof, Stadel, Geräteschuppen, Garage, Haus für die Kinder, Zubau für Urlauber auf dem Bauernhof usw.
Und außerdem ärgere ich immer wieder, nicht nur dass diese ganzen Bauten großzügig genehmigt werden, sondern dass sie von öffentlicher Hand auch noch noch großzügig gefördert und subventioniert werden. 
Himmelschreiend ungerecht, wenn man den zur Verfügung stehenden Wohnraum einer Bauersfamilie mit jenem einer Arbeiterfamilie vergleicht, die ihr Dasein u.U. in einer kleinen Dreizimmerwohnung in Miete fristen muss.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 3 Tage

Arbeiterfamilien leben in Silos. Die verbrauchen nicht viel Platz. Da wird in die Höhe gebaut. Aussiedler bei den Bauern bauen sich hübsche Häuschen im Grünen, modernisieren ihre alten Gehöfte und verkaufen die dann teuer.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 3 Tage

Tja, wenn wir UNSEREN Grund nur für UNS verwenden würden, hätten wir länger aber vielfach wird er verkauft! Ausverkauft an finanzstarke Italiener oder Ausländer! Irgendwann wandern die Südtiroler dann aus, da zu teuer für uns. Kann man gut in Teilen der Schweiz und Österreich beobachten!

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