Schadenersatz-Forderungen könnten drohen

“Fliegender Wechsel” kann Niki-Mitarbeitern Problem bereiten

Dienstag, 19. Dezember 2017 | 18:43 Uhr

Die Niki-Beschäftigten haben in ihrer schwierigen Lage mit erneuten Unklarheiten zu kämpfen. Ein “fliegender Wechsel” zu anderen Unternehmen sei nämlich derzeit nicht ohne weiteres möglich. “Es können dabei sogar Schadenersatz-Forderungen und andere Widrigkeiten für die Beschäftigten drohen”, so Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) und ÖGB-NÖ-Vorsitzender .

Wieser hielt am Dienstag gemeinsam mit AKNÖ-Experten, Vertretern des Betriebsrates und der Gewerkschaft GPA-DJP eine Info-Versammlung im Office Park am Airport ab. Sein Appell: “Jede Situation ist individuell zu prüfen, damit arbeitsrechtliche Probleme vermieden werden. Wir stehen den Betroffenen hier jederzeit als starker Partner zur Seite.”

Für die Niki-Beschäftigten in Österreich liege kein Insolvenzantrag vor, auch das November-Gehalt sei überwiesen worden. Die Arbeitnehmer verfügen damit laut Wieser über ein aufrechtes und reguläres Dienstverhältnis. Es lägen jedenfalls derzeit keine Gründe vor, die einen “berechtigten vorzeitigen Austritt” ermöglichen. Das bedeute aber auch, dass Kündigungsfristen und andere Kollektivvertrags-Vereinbarungen unbedingt zu beachten und einzuhalten seien. Sollte der Arbeitsplatz ohne entsprechende Vereinbarung gewechselt werden, könne es zu Schadenersatz- oder Rückzahlungs-Forderungen vom ehemaligen Dienstgeber kommen.

Der Ex-Rennfahrer und Niki-Gründer Niki Lauda will unterdessen für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki ein Kaufangebot unterbreiten. Bis zur Frist am Donnerstag werde es mehrere Angebote geben, erwartet er. Mit einer Entscheidung sei wohl nicht vor Weihnachten zu rechnen: “Das dauert jetzt ein bisschen. Aber ich bin sehr gespannt”, sagte er der “Zeit”.

Interesse bekundete laut einem Bericht der “Presse” auch die Schweizer Fluggesellschaft PrivatAir. “Ja wir wollen Niki ganz übernehmen und möglichst alle Arbeitsplätze erhalten”, so PrivatAir-Chef Thomas Limberger zur Zeitung.

Er wisse um den enormen Zeitdruck und die damit verbundene Schwierigkeit, sich ein Bild von der Airline zu machen und eine entsprechende Finanzierung aufzustellen. “Aber wir wollen es versuchen.” Wie viel Geld Limberger in die Hand nehmen möchte, lässt er offen, heißt es in dem Bericht weiter. Ihm sei auf jeden Fall klar, dass es vor allem um die Start- und Landerechte (Slots) geht. Ob und wieviele Flugzeuge übernommen werden können, sei indes noch nicht ganz klar.

Die PrivatAir ist eine Schweizer Linien- und Charterfluggesellschaft mit acht Flugzeugen. Sie bietet anderen Airlines (auch der Lufthansa, Eurowings und TUIfly) bzw. Unternehmen ihre Maschinen an. PrivatAir gehört seit 2016 Limbergers Investmentgesellschaft SilverArrow Capital.

Unterdessen wurden Insiderberichte bekannt, nach denen die EU-Kommission dem Kauf der Air-Berlin-Tochter LGW durch die Lufthansa zustimmt. Die Lufthansa habe sich im Gegenzug bereit erklärt, auf Start- und Landerechte (Slots) am Flughafen Düsseldorf zu verzichten, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag in Brüssel.

Zudem habe der deutsche Branchenprimus zusagen müssen, sich keine zusätzlichen Slots in Düsseldorf zu sichern, sollten in Zukunft welche frei werden. Sprecher von Lufthansa und EU-Kommission wollten sich dazu nicht äußern. Die Entscheidung der EU-Behörde wird fristgemäß für Donnerstag erwartet.

Von: apa