Lufthansa und AUA spüren die Auswirkungen der Pandemie

Fluglinien AUA und Laudamotion stellen Flugbetrieb ein

Montag, 16. März 2020 | 14:24 Uhr

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwingt Fluggesellschaften weltweit zu drastischen Einschnitten. So stellen die Austrian Airlines am Donnerstag und die Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion bereits am Montag ihren regulären Flugbetrieb ein.

Der vorerst letzte AUA-Flug mit der Flugnummer OS 066 werde am 19. März in den Morgenstunden aus Chicago in Wien landen, teilte die Lufthansa-Tochter am Montag mit. Ein Lang- und ein Mittelstreckenflugzeug blieben für Hilfsflüge im Einsatz, hieß es. “Als österreichische Fluglinie sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und werden in Zusammenarbeit mit der Regierung versuchen, so viele Österreicherinnen und Österreicher wie möglich nach Hause zu bringen”, erklärte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech per Aussendung.

Gestrandete Österreicher können sich an das Außenministerium wenden. Die AUA sei in Kontakt mit dem Außenamt, um die Durchführung von weiteren Rückholflügen für Österreicher im Ausland abzuklären. Austrian bittet daher alle Österreicherinnen und Österreicher, die im Ausland gestrandet sind, sofern sie nicht in Besitz eines gültigen Rückflugtickets sind und nach Hause wollen, sich bei der Hotline des Außenministeriums zu melden: +43 1 90115 4411.

Der Flugbetrieb werde kontrolliert und strukturiert zurückgefahren, um alle Passagiere, Crews und Flugzeuge nach Hause zu holen. Vorerst streicht die AUA alle Flüge bis zum 28. März 2020. “Passagiere, die in diesem Zeitraum einen gebuchten Flug haben, werden – sofern möglich – auf andere Fluglinien umgebucht”, erklärte die Fluggesellschaft.

Europas größte Airline, die AUA-Mutter Lufthansa, will wegen der Auswirkungen der Pandemie Staatshilfen beantragen, wie das Unternehmen am Freitag angekündigt hatte. Im deutschen Wirtschaftsministerium findet am Mittag ein Treffen von Luftfahrtkoordinator Thomas Jarzombek (CDU) mit Vertretern von Luftfahrtunternehmen und Gewerkschaften statt.

Kurz nach der AUA stellte auch die Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion ihren Flugbetrieb ein. Aufgrund der raschen Ausbreitung des COVID-19 Virus sowie der Ein- und Ausreisebeschränkungen der Regierungen werde das Lauda-Flugprogramm für den Zeitraum vom 16. März 24:00 Uhr bis 8. April 24:00 Uhr eingestellt, teilte die Fluglinie mit. Betroffene Kunden können umbuchen oder ihr Geld zurückfordern.

Der Mutterkonzern Ryanair plant, ein Fünftel seiner Flüge weiter durchzuführen. Laudamotion selbst strich – mit Verweis auf die Coronavirus-Pandemie – ihre Destinationen bereits massiv zusammen. Übrig geblieben von den über 100 Destinationen waren zuletzt nur noch London, Dublin, Brüssel und Stuttgart.

Am Montag teilte die British-Airways-Mutter IAG mit, sie werde ihre Kapazitäten im April und Mai um mindestens 75 Prozent im Vorjahresvergleich reduzieren. Zur IAG-Gruppe gehören auch die spanische Iberia, die irische Aer Lingus und die Billiglinien Level und Vueling. Die IAG verfüge zwar über “solide Finanzen”, die Unsicherheit über die Auswirkungen und die Dauer der Pandemie machten eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr aber nicht mehr möglich. Konkurrent Easyjet warnte am Montag, kurzfristig werde wegen der Einschränkungen die Mehrheit der Flotte am Boden bleiben.

Air France-KLM wird nach Angaben vom Montag im April und Mai zwischen 70 und 90 Prozent der Flüge streichen. Die finanziellen Auswirkungen seien noch nicht absehbar.

In den USA kündigte American Airlines ebenfalls eine Reduzierung der internationalen Flüge um 75 Prozent an. Dies gelte zunächst bis zum 6. Mai. Die Flüge innerhalb der USA würden im April um 20 Prozent gekappt. Die Konkurrenten Delta und Southwest kündigten ebenfalls stark ausgedünnte Flugpläne an, nannten aber noch keine Zahlen.

Die US-Fluggesellschaften hatten zunächst nur Flüge von und nach China sowie Italien ausgesetzt. Ab Freitag um Mitternacht trat ein Einreiseverbot für Reisende aus Europa in Kraft, ab Dienstag gilt es auch für Reisende aus Großbritannien und Irland.

In Neuseeland streicht Air New Zealand sogar 85 Prozent der Langstreckenflüge; der Handel mit den Aktien der Airline wurde am Montag ausgesetzt. Unternehmenschef Greg Foran kündigte Stellenstreichungen an, nannte aber keine Zahlen. Air New Zealand beschäftigt rund 8.000 Menschen.

Der deutsche Touristikkonzern TUI stoppt wegen des Coronavirus den größten Teil seines Geschäfts und beantragt zur Überbrückung Staatshilfe. Alle Pauschalreisen und Kreuzfahrten finden wegen der Vorgaben vieler Regierungen zur Eindämmung des Virus vorerst nicht statt, Hotels werden geschlossen.

“Wir ergreifen einschneidende Kostenmaßnahmen, um die Auswirkungen auf unser Ergebnis abzumildern”, teilte TUI in der Nacht zum Montag in Hannover mit. Doch das reicht offenbar nicht aus: Um die Umsatzausfälle abzufedern, die sich daraus ergeben, werde TUI Staatshilfe beantragen. Es gehe um Staatsgarantien, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden könne, teilte das Unternehmen mit.

Die drei Luftfahrt-Allianzen Star Alliance, Skyteam und Oneworld haben Regierungen und Geschäftspartner weltweit zu Unterstützung in der für sie immer bedrohlicheren Corona-Krise aufgerufen. Die Regierungen müssten sich auf die schweren wirtschaftlichen Folgen der staatlichen Maßnahmen zum Eindämmen der Pandemie vorbereiten, erklärten die Bündnisse, zu denen 60 Prozent aller Fluggesellschaften weltweit gehören, am Montag.

Alle möglichen Maßnahmen müssten geprüft werden, um den Airlines in der beispiellosen Phase beizustehen. Neben dem Aussetzen der Regeln für Start- und Landerechte sollten Flughafenbetreiber ihre Gebühren reduzieren. Die finanziellen Folgen des weltweiten Corona-Ausbruchs seien ohne Beispiel, erklärte Skyteam-Chefin Kristin Colville. Alle Beteiligten der Branche sollten in dieser außergewöhnlichen Zeit zu außerordentlichen Maßnahmen greifen.

Von: APA/ag.