Die Weiterführung des Flugbetriebs ist laut Airline gesichert

Für Air Berlin ist eine Insolvenz “kein Thema”

Mittwoch, 14. Juni 2017 | 15:39 Uhr

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin, Mutterkonzern der österreichischen Niki, widerspricht Gerüchten über eine drohende Pleite. “Eine Insolvenz ist kein Thema für uns”, sagte Air-Berlin-Sprecherin Theresa Krohn am Mittwoch gegenüber Medienvertretern. Das Unternehmen verfügt demnach über ausreichend liquide Mittel. Die Air-Berlin-Flüge sind dem Unternehmen zufolge sicher.

Mit der arabischen Airline Etihad habe die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft außerdem einen “verlässlichen Partner, der uns bis Oktober 2018 seine Unterstützung zugesagt hat”, erklärte die Sprecherin. Etihad ist mit einem Anteil von 29,2 Prozent der größte Einzelaktionär der Airline, will diese Beteiligung Medienberichten zufolge aber loswerden. Als möglicher Interessent gilt die Lufthansa. Am Mittwoch hält das Unternehmen in London seine Hauptversammlung ab.

Die Flüge bei Air Berlin sind dem Unternehmen zufolge sicher. “Reisende können beruhigt bei uns buchen”, sagte Sprecherin Krohn. Air Berlin fliege wieder verlässlich und habe seine “operativen Probleme in den Griff bekommen”. Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen Air-Berlin-Kunden Medienberichten zufolge Schadenersatz in Millionenhöhe.

Die Fluggesellschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass es in den vergangenen Monaten ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen gegeben habe. Krohn zufolge könnte es deshalb länger dauern, bis alle Fälle bearbeitet sind. “Aber Air Berlin wird alle berechtigten Ansprüche seiner Kunden erfüllen”, erklärte die Sprecherin.

Die Fluggesellschaft rät ihren Kunden, sich bei Entschädigungsansprüchen direkt beim Unternehmen zu melden, über ein entsprechendes Onlineformular auf der Internetseite. Neben den in der EU-Fluggastrechteverordnung festgelegten Ausgleichszahlungen gewährt Air Berlin seinen Kunden demnach auch höhere Entschädigungen in Form von Fluggutscheinen – “bei einer Kompensation von 250 Euro etwa einen Gutschein in Höhe von 350 Euro”, erklärte Air-Berlin-Sprecherin Krohn.

Sie riet Reisenden gleichzeitig davon ab, Klageportale mit der Abwicklung von Ausgleichszahlungen zu beauftragen: “Kunden haben mehr davon, wenn sie sich mit ihren Entschädigungsansprüchen direkt an uns wenden.” Fluggastrechte-Portale steckten “bis zu 30 Prozent der Kompensation selbst ein”, sagte Krohn.

Experten rechnen damit, dass sich Air Berlin auf Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe einstellen muss. Die Airline steckt seit 2008 in den roten Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Vergangene Woche stellte die Fluggesellschaft bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages. Auch der Bund prüft eine Beteiligung.

Die Fluggesellschaft steckt seit 2008 in den roten Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012. Seit Ende März – dem Beginn des Sommerflugplans – waren bei Air Berlin immer wieder Verbindungen ausgefallen oder hatten mitunter große Verspätungen. Unternehmenschef Thomas Winkelmann räumte fehlerhafte Planung bei der Neuordnung des Netzes ein. Es habe teilweise an Flugzeugen und Kabinenpersonal gefehlt. Inzwischen wurden Flüge an andere Airports verlagert oder auch ganz gestrichen. Auch der neue Bodenabfertiger in Berlin-Tegel arbeite nun stabiler – wenn auch noch nicht ideal.

Trotz der schwierigen Lage des Unternehmens sieht der Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO bereits gebuchte Air-Berlin-Tickets nicht in Gefahr. “Air Berlin ist in Deutschland abgesichert”, sagte Nicoley Baublies am Mittwoch im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Es ergebe derzeit keinen Sinn, “Air Berlin zu meiden”, erklärte er.

Von: APA/ag.