Deutschlands Finanzminister Scholz bei G20-Treffen in Venedig

G20-Finanzminister beschließen globale Steuerreform

Samstag, 10. Juli 2021 | 22:22 Uhr

Die Finanzminister der großen Industrie- und Handelsstaaten haben eine globale Steuerreform mit Mindeststeuern für große Unternehmen beschlossen. Der deutsche Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach am Samstag beim Treffen mit seinen G20-Amtskollegen in Venedig von einem “großen geschichtlichen Moment”. Am Ende der Minister-Debatte sei Szenenapplaus ausgebrochen.

“Die G20-Staaten haben sich jetzt hier darauf verständigt, dass sie eine neue Ordnung der internationalen Besteuerung miteinander vereinbaren wollen”, sagte Scholz. Die Reform mit einer Mindeststeuer von 15 Prozent und einer neuen Verteilung der Besteuerungsrechte unter den Staaten soll 2023 in Kraft treten. Bis Oktober dieses Jahres sollten die letzten Fragen geklärt werden, dann sollen die Staatsoberhäupter der G20-Staaten zustimmen. Er sei sich “vollkommen sicher”, dass ein Beschluss dort gelingen werde, sagte Scholz.

Auf Arbeitsebene haben bereits 131 Staaten weltweit den Plänen zugestimmt. Die Mindeststeuer von 15 Prozent soll verhindern, dass Unternehmen ihren Sitz in Niedrigsteuerländer verlagern und die Staaten ihre Unternehmensteuern im Wettbewerb gegeneinander immer weiter senken. Außerdem sollen internationale Unternehmen künftig nicht nur in ihrem Heimatland Steuern zahlen, sondern auch da, wo sie gute Geschäfte machen. Das betrifft unter anderem große Digitalkonzerne, die bisher oft insgesamt nur wenig Steuern zahlen.

“Die Praxis, Steuerzahlungen zu vermeiden, indem man das Steuerzahlen in Steueroasen verlegt, die wird endgültig beendet”, sagte Scholz. Zugleich bekämen die Staaten mehr Mittel zur Finanzierung ihres Gemeinwesen – und große, sehr profitable Unternehmen würden fairer besteuert.

Der Industrieverband BDI mahnte, der Mindeststeuersatz müsse sich an den von den USA ins Spiel gebrachten 15 Prozent orientieren. Zuvor hatten mehrere Länder, darunter Frankreich und auch Deutschland, durchblicken lassen, dass sie sich eigentlich einen höheren Mindestsatz wünschten. Der BDI mahnte zudem, die G20-Staaten sollten sich nun klar gegen zusätzliche nationale und europäische Digitalabgaben aussprechen, die zu Wettbewerbsnachteilen und Handelskonflikten führen könnten.

Auch US-Finanzministerin Janet Yellen mahnte ein Ende der europäischen Digitalsteuern an. Sie hoffe, dass die internationale Einigung auf eine Neuverteilung der Besteuerungsrechte es möglich mache, existierende Digitalabgaben loszuwerden, sagte sie in Venedig. Die USA seien der Meinung, dass diese Abgaben amerikanische Firmen diskriminierten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "G20-Finanzminister beschließen globale Steuerreform"


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Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
20 Tage 18 h

Eine weitere Luftnummer.

Die Hintertürchen sind bereits installiert.

Gredner
Gredner
Universalgelehrter
20 Tage 1 h

@Wiesodenn ja, leider. Gut gemeint, aber wohl nicht umsetzbar.

pingoballino1955
20 Tage 5 h

Zuerst schlafen die Superhelden jahrzehntelang,und dann wird wieder etwas verabschiedet für 2023,warum nicht sofort,alles wäre machbar!😡

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
19 Tage 22 h

…der glückliche Scholz war das erste Mal in seinem Leben in Venedig…da sieht man mal, wozu Politik gut ist…
😚

Offline
Offline
Kinig
19 Tage 3 Min

@Doolin..👍vielleicht konnte er aber auch bisher darauf verzichten, im “Konvoi” durch die Gassen geschoben zu werden, oder dass ihm die “Ratten der Lüfte 🕊” den Kopf, die Schultern, das Kameragehäuse/-objektiv oder den ganzen Kinderwagen zu 💩 ??

buggler2
buggler2
Tratscher
20 Tage 2 h

Ich will auch nur mehr 15% Steuern zahlen, die redendoch immer von Steuergerechtigkeit🤔

Gredner
Gredner
Universalgelehrter
20 Tage 1 h

Wenn alle zahlen, zahlen alle weniger. Es werden vielleicht nicht 15%, aber dennoch deutlich weniger.

So wie mit dem canone RAI, wo früher über 25% keine Gebühren zahlten und seit sie mit dem Strom verrechnet werden, zahlen alle und es kostet über 20% weniger.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
20 Tage 2 h

Unsere Betriebe zahlen bis zur Hälfte und mehr an Steuern, und die Grossen 15 Prozent,wie immer.sehr Ausgeglichen.
Vor wir diese Politkaste nicht mit Schimpf und Schanden in den Hintern tretend davonjagen wird es keine Gerechtigkeit und Frieden geben.

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