AFI-Barometer

Gastgewerbe im Boom, erste Wolken über dem Baugewerbe

Mittwoch, 18. Mai 2022 | 11:27 Uhr

Bozen – Im ersten Quartal 2022 hat Südtirols Wirtschaft weiter an Boden gewonnen. Der im Frühsommer 2021 eingesetzte Aufschwung wird nun durch den Anstieg der Beschäftigung deutlich (+11,4 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2021). „Derzeit geht es den meisten Wirtschaftszweigen recht gut, auch wenn sich die Arbeitnehmer durchaus Sorge über die künftige Entwicklung der lokalen Wirtschaft machen“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini und ergänzt: „Während sich im Tourismus eine gute Sommersaison abzeichnet, ziehen über dem Baugewerbe die ersten Wolken auf.“

Die Daten vom Amt für Arbeitsmarktbeobachtung der Landesverwaltung zeigen es klar und deutlich: Im ersten Quartal 2022 erholt sich die lohnabhängige Beschäftigung im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres deutlich (+11,4 Prozent), angekurbelt vor allem von der Saisonarbeit bzw. von Zeitverträgen im Gastgewerbe. Während die Beherbergung einen regelrechten Boom und eine Wiederkehr der goldenen Zeiten erlebt, knistert es im Baugewerbe. Es ist dies der einzige Sektor, der einen Beschäftigungsrückgang verzeichnet (-1,5 Prozent).

Normalisierung der Beschäftigung: zwischen Licht und Schatten

Die Arbeitsmarktdaten betreffend den Zeitraum von Januar bis März 2022 zeigen eine Zunahme der lohnabhängigen Beschäftigung im Vergleich zu denselben Monaten des Vorjahres (+11,4 Prozent). Dank der Lockerung der Einschränkungen und der Wiederaufnahme wirtschaftlicher Tätigkeiten ist laut AFI-Barometer in sechs der sieben untersuchten Branchen ein deutlicher Aufschwung zu beobachten.

Der Beschäftigungszuwachs zieht sich durch alle Kategorien, unabhängig von Geschlecht oder Alter. Am deutlichsten fällt der Anstieg bei den Mitarbeitern mit einem befristeten Arbeitsvertrag aus (+67,2 Prozent). Diese starke Zunahme ist insbesondere auf die Wiederbeschäftigung der Saisonarbeiter im Tourismus zurückzuführen. Doch nicht alles ist rosig: Das Baugewerbe tanzt aus der Reihe und verzeichnete einen Beschäftigungsrückgang von -1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bzw. -3,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die fortschreitende Normalisierung lässt sich auch an der Anzahl der in den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen ablesen. Diese sinken deutlich (-21,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Ein weiterer Beleg für die aktuelle Wiederbelebung findet man in der Zahl der genehmigten Lohnausgleichsstunden: -87,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Wiederkehr des Vertrauens im Hinblick auf die „gute Saison“

Doch wie fallen die Erwartungen der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und -nehmer aus, was die Entwicklung der Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten angelangt?

Verhältnismäßig positiv fallen die Einschätzungen der Arbeitnehmer aus der Landwirtschaft (+10), dem Handel (+8), dem öffentlichen Sektor (+6) und dem Hotel- und Gastgewerbe (+5) aus – bei letzterem handelt es sich um den Sektor, der in den letzten Quartalen am stärksten unter Druck geraten war. Die einzigen beiden Sektoren, bei denen die negativen Einschätzungen überwiegen, sind das Baugewerbe (-3) und das Verarbeitende Gewerbe (-4). Mit anderen Worten: Die Erwartung, dass die lokale Wirtschaft im Jahr 2022 ihren Wachstumskurs fortsetzen wird, wird durchaus nicht von den Arbeitnehmern aller Wirtschaftszweige geteilt.

„Auch an der Beschäftigungsfront blickt der überwiegende Teil der Südtiroler Arbeitnehmer mit größerer Zuversicht in die Zukunft“, betonen die AFI-Experten. Die entsprechenden Indikatoren sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und verbessern sich stetig, wenn auch in einigen Bereichen von niedrigem Niveau aus. Die Aussichten für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit verbessern sich in allen Branchen. Gleichzeitig nimmt die Schwierigkeit ab, einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden. Die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes wird in der Hotel- und Gastgewerbe immer noch relativ groß eingestuft, allerdings nicht in dem Maße wie zwölf Monate zuvor. Der einzige Sektor, in dem sich dieser Indikator verschlechtert hat, ist wieder das Baugewerbe.

Ebenfalls von Bedeutung ist der Indikator betreffend die Fähigkeit, mit dem Lohn über die Runden zu kommen. Nach einem allmählichen Anstieg in den letzten Quartalen weist er nun einen leichten Rückgang auf. Dies ist nicht nur auf die gestiegenen Treibstoff- und Energiepreise zurückzuführen, sondern auch auf die Wiederbelebung der Konsumausgaben in der Zeit nach der Sperre.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Gastgewerbe im Boom, erste Wolken über dem Baugewerbe"


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Mico
Mico
Superredner
1 Monat 10 Tage

so… also wenn ich ganz ehrlich bin dann ist.es auch zeit…. das baugewerbe hat noch nie den gürtel enger schnallen müssen! im gegenteil! man bekommt kaum einen handwerker…. alle ausgebucht für ein jahr…. und bitte ja nicht fragen für eine kleine arbeit… da kommt sowieso keiner…. und schon gar nicht reden wegen einem guten preis machen… lieber noch einen aufschlag weil er die arbeit halt gefällighalber schnell gemacht hat….. ich glaube es würde dem handwerk wieder gut tun….dass sie auf dem boden der tatsachen wieder kommen…..

Opa1950
Opa1950
Superredner
1 Monat 10 Tage

Es ist schon richtig dass der Bausektor etwas gebremst wird.So kann es ja nicht mehr weitergehen,ganz Südtirol ist überfüllt mit Kränen und Baustellen.

diskret
diskret
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Ob junge leute heute noch ein gastro job lernen
Da hast ja kein leben

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