Ewiger Streit ums Gas

Gazprom löst Gasliefer-Verträge mit Ukraine auf

Samstag, 03. März 2018 | 17:00 Uhr

Nach seiner Niederlage vor einem Schiedsgericht löst der russische Konzern Gazprom im Gasstreit mit der Ukraine die Lieferverträge auf. Es sei ein Verfahren eingeleitet worden, durch das die Verträge mit der ukrainischen Naftogaz beendet würden, sagte Gazprom-Vize-Chef Alexander Medwedew. Der staatliche ukrainische Gaspipeline-Betreiber Ukrtransgaz erklärte, der Transit nach Europa laufe normal.

Gazprom reagierte mit dem Schritt auf die Entscheidung des Schiedsgerichtes in Stockholm, das nach jahrelangem Streit in dieser Woche den Konzern angewiesen hatte, mehr als 2,5 Milliarden Dollar an Naftogaz zu zahlen. Die Richter hatten am Mittwoch nach Abwägung mehrerer Forderungen und Gegenforderungen der beiden Seiten nach Lieferung beziehungsweise Durchleitung von Erdgas ihre Entscheidung gefällt. Daraufhin beschloss Gazprom am Donnerstag überraschend, die Lieferungen nicht wie geplant vom 1. März an wieder aufzunehmen.

Es wäre das erste Mal seit November 2015 gewesen, dass die Ukraine Gas aus Russland gekauft hätte. Nun sah sie sich gezwungen, den Verbrauch trotz des frostigen Wetters zu drosseln. Präsident Petro Poroschenko sagte am Samstag, die Lieferungen aus Polen, der Slowakei und Ungarn seien erhöht worden. Dadurch würden die Folgen der Gazprom-Entscheidung ausgeglichen.

Im November 2015 hatte die Ukraine begonnen, nicht mehr direkt von Russland Gas zu beziehen, sondern an die EU geliefertes russisches Gas zu erwerben. Die Ukraine, die wegen der russischen Annexion der Halbinsel Krim und der prorussischen Separatisten im Osten im Konflikt mit Russland liegt, wollte so ihre Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem mächtigen Nachbarland verringern. Schon zuvor hatte es immer wieder Preisstreitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine gegeben, durch die auch die Transit-Lieferungen in die EU gestört wurden. Seither forciert Russland neue Pipeline-Projekte durch die Ostsee und das Schwarze Meer, um die Ukraine zu umgehen.

Von: APA/ag.