Gazprom stoppte Nord Stream 1 vorerst

Gazprom und Partner uneins über Grund für Lieferstopp

Samstag, 03. September 2022 | 22:25 Uhr

Nach dem Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 streiten Gazprom und seine deutschen Partner über die Ursache. Die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde und Siemens Energy als Lieferant von Pipeline-Technik widersprachen am Samstag der Darstellung des russischen Staatskonzerns, der sich auf technische Gründe berief.

“Die von russischer Seite behaupteten Mängel sind nach Einschätzung der Bundesnetzagentur technisch kein Grund für die Einstellung des Betriebs”, erklärte die dem deutschen Wirtschaftsministerium unterstellte Bundesnetzagentur. Siemens Energy wies Gazproms Darstellung erneut in mehreren Details zurück.

Gazprom hatte zunächst eine dreitägige Lieferunterbrechung wegen turnusmäßiger Wartungsarbeiten an der Pipeline angekündigt. Dann aber hatte der Konzern am Freitagabend erklärt, die Lieferungen durch Nord Stream 1 könnten nicht wie geplant am Samstag wieder aufgenommen werden. Wegen eines Öl-Lecks könne eine Gasturbine nicht sicher betrieben werden. Die Pumpen in der russischen Verdichterstation Portowaja seien daher gestoppt worden. Wenige Stunden zuvor war aus der russischen Führung die Forderung erneuert worden, die parallel verlaufende Pipeline Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen. Diese liegt im Zuge westlicher Wirtschaftssanktionen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine still. Deutschland hat die von Russland angeführten technischen Gründe für Lieferbeschränkungen wiederholt als Vorwände zurückgewiesen.

Gazprom legte am Samstag nach und erklärte, Siemens beteilige sich wie vertraglich vereinbart an Reparaturarbeiten und sei bereit, festgestellte Öl-Lecks zu beheben. Allerdings fehle es an einer Reparaturstätte, wo diese Arbeiten erledigt werden könnten. Der mittlerweile vom Siemens-Konzern abgespaltene Turbinenbauer Siemens Energy bekräftigte hingegen: “Solche Leckagen beinträchtigen im Normalfall den Betrieb einer Turbine nicht und können vor Ort abgedichtet werden.” Siemens Energy stehe bereit, sei aber aktuell nicht mit Wartungsarbeiten beauftragt. Im übrigen gebe es in der Verdichterstation Portowaja genügend weitere Turbinen für den Pipeline-Betrieb.

Die Bundesnetzagentur erklärte am Samstag weiter, die Gas-Versorgungslage in Deutschland sei zwar angespannt und eine weitere Verschlechterung könne nicht ausgeschlossen werden. “Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.” Sowohl bei der Speicherbefüllung, als auch bei der Versorgung über andere Lieferwege als russische Pipelines und der Schaffung neuer Anlandekapazitäten für Flüssiggas (LNG) seien gute Fortschritte erzielt worden. Die deutschen Gasspeicher seien bereits zu 84,53 Prozent gefüllt.

Gazprom will nach dem Ausbleiben von Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 mehr Erdgas über eine durch die Ukraine führende Pipeline nach Europa pumpen. Am Samstag sollten 42,7 Millionen Kubikmeter Erdgas durch die Pipeline fließen, kündigte der russische Gasriese an. Am Freitag waren an der Einfüll-Stelle Sudscha 41,3 Millionen Kubikmeter Gas registriert worden, die durch die ukrainische Pipeline geliefert wurden. Allerdings reichen die zusätzlichen Mengen nicht aus, um den Ausfall des Gases auszugleichen, das über Nord Stream 1 gepumpt werden sollte.

Von: APA/Reuters

Kommentare

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13 Kommentare auf "Gazprom und Partner uneins über Grund für Lieferstopp"


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Doolin
Doolin
Kinig
22 Tage 34 Min

…Putin braucht Knete für seinen Angriffskrieg…

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 21 h

Du warst doch vor Wochen für Gas Stop!
Und nun?

Faktenchecker
21 Tage 14 h

Du bist die AFD Putins. Und nun?

inni
inni
Universalgelehrter
21 Tage 22 h

ich bin ja sowas von neugierig, wohin uns diese Entwicklung bringen wird … wo wir in 5 Jahren stehen werden?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
21 Tage 13 h

@Inni: hoffentlich zu mehr Unabhängigkeit und vor allem auch zu mehr regenerativen Energiequellen. Der Weg dorthin ist vorgezeichnet, wir müssen ihn nun schneller gehen. Meines Erachtens ist das gut machbar.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
21 Tage 12 h

inni@

falsch, wo wir in 5 Wochen sein werden!
Oktober 2022 klopft schon an der Tür! Tik Tok :-)))))

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
20 Tage 1 h

@ischJOwurscht
Falsch isch nicht der @lnni – Kommentar sondern DU.! 🛡

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 22 h

Warum wird eigentlich um Westen erklärt man kann durch den Stop von Gaslieferungen den Krieg schnell beenden? Wenn Russland den Hahn dauernd zu dreht.
Entweder weil Russland nicht darauf angewiesen ist, jedenfalls z. Z. noch nicht oder weil sie Gas knapp machen und dafür dann mehr bekommen. Also ein Nullsummenspiel?

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
21 Tage 21 h

Die Ukraine kann ja das machen was der Verbrecherstaat Russland seit einem halben Jahr macht: die wirtschaftliche Infrastruktur des Nachbarlandes treffen. Raketen auf die Brückrn der Transsib und auf die Pumpstationen der Pipelines in Richtung China oder Schwarzes Meer, Raketen auf Fernstraßenbrücken oder die Eisenbahninfrastruktur.
Das sind immerhin keine Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen oder Kindergärten.
Gegen Verbrecherstaaten eine angemessene, rechtmäßige und nach dem Völkerrecht legitime Antwort.

N. G.
N. G.
Kinig
21 Tage 20 h

@Tigre.di.montana Weiß nicht wovon du sprichst denn in meinem Post steht nichts davon was die Ukraine tun oder lassen sollte?

traktor
traktor
Kinig
20 Tage 1 h

@Tigre.di.montana
leider hat die ukraine keine raketen die soweit reichen….

Stryker
Stryker
Tratscher
21 Tage 17 h

Wia long lossn sich de no verarschen von de Russen?
Nimmer zohln mol die längschte weil,nor Pumpen sie schun wieder ummer es Gas.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
21 Tage 13 h

Mühle auf, Mühle zu. Wer den längeren Atem hat, gewinnt dieses sarkastische Spiel. Bei uns besteht der Einsatz in Arbeitsplätze, sozialem Frieden und Wohlstand, tausend km weiter östlich sind es Menschenleben.

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