Eine Einlagensicherung auf europäischer Ebene wäre laut Nouy sinnvoll

Gemeinsame Einlagensicherung laut EZB in Europa überfällig

Mittwoch, 06. September 2017 | 13:07 Uhr

Europa braucht nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) endlich ein grenzübergreifendes System zum Schutz von Spargeldern. Eine Einlagensicherung auf europäischer Ebene sei “überfällig”, sagte die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Daniele Nouy, bei einer Bankentagung am Mittwoch in Frankfurt.

“Banken werden inzwischen auf europäischer Ebene beaufsichtigt und abgewickelt, daher ist auch eine Einlagensicherung auf dieser Ebene sinnvoll. Das wäre ein weiterer Schritt hin zu einem effizienten, stabilen und wahrhaft europäischen Bankenmarkt”, sagte Nouy. Die Folge wäre, dass zum Beispiel Bankkunden in Österreich für Sparguthaben in Griechenland haften müssten. In Spanien und Italien mussten in den vergangenen Monaten mehrere Institute aufgefangen werden.

Weiters drängte Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf ein Ende der ultralockeren Geldpolitik der EZB. “Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte enden – trotz des starken Euro”, sagte Cryan zum Auftakt der “Handelsblatt”-Tagung “Banken im Umbruch” am Mittwoch in Frankfurt. Das viele billige Geld der Notenbanken habe den Finanzmärkten in den zurückliegenden Krisenjahren unbestritten geholfen, aber “die lockere Geldpolitik führt zu immer größeren Verwerfungen”, sagte Cryan. “Wir sehen inzwischen Anzeichen von Blasen an immer mehr Stellen des Kapitalmarktes, an denen wir sie nicht erwartet hätten.”

Die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar könnte den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verzögern. “Mir bereitet der starke Euro Sorgen – und das nicht nur, weil er Exporte erschwert”, sagte Cryan. Die Entwicklung an den Devisenmärkten könnte der EZB “als Argument dienen, die Zinsen weiterhin im negativen Bereich zu belassen”.

Cryan beklagte, das Zinstief benachteilige Europas Banken im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern. Dazu komme: Der europäische Bankenmarkt sei – insbesondere in Deutschland – nach wie vor zu zersplittert, um Schritt zu halten. “Ich bin überzeugt, dass sich der Trend der Konsolidierung in Europa und gerade in Deutschland beschleunigen muss. Auf Dauer können nur Banken mit einer gewissen Größe bestehen”, sagte der Deutsche-Bank-Chef.

Nach Ansicht des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) sprach die zuletzt gute wirtschaftliche Entwicklung dafür, dass Europa einer Normalisierung der Geldpolitik “sehr viel näher gekommen” ist. “Im Begriff der “unusual monetary policy” steckt ja, dass es eine außergewöhnliche Geldpolitik ist – und jeder weltweit wünscht sich, dass wir möglichst bald zu einer Normalisierung kommen.” Schäuble betonte jedoch zugleich die Unabhängigkeit der EZB.

Das oberste Entscheidungsgremium der Notenbank kommt am Donnerstag zu seiner nächsten Sitzung zusammen. An den Finanzmärkten werden zumindest weitere Signale erhofft, wie die EZB 2018 mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen fortfahren wird. Mit einer Zinserhöhung rechnen die meisten Volkswirte erst 2019.

Von: APA/dpa

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