Zu dem Schluss kommt eine Studie der WU Wien

Geringer Frauenanteil bei IT-Start-Ups ist “hausgemacht”

Mittwoch, 05. Oktober 2022 | 12:57 Uhr

Der geringe Anteil von weiblichen Führungskräften in der IT-Start-up-Branche ist hausgemacht, sprich, er kann nicht durch Faktoren wie Bildung, Erfahrung oder Qualität von weiblich geführten Start-ups erklärt werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, an der auch die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) beteiligt war. Vielmehr verstärke ein bestehendes Geschlechterungleichgewicht sich selbst, da Investoren sich an prototypischen Gründerteams orientieren würden, so die Studie.

Dieser Effekt sei bei Technologie-Start-ups besonders ausgeprägt, da es sich hier oft um sehr unsichere Geschäftsmodelle handle. Die Idee dahinter: Potenzielle Investorinnen und Investoren würden versuchen, die größere Unsicherheit zu kompensieren, indem sie sich Gründerteams aussuchen, die dem bestehenden Prototyp entsprechen und dieser sei nun mal “jung, technikaffin, weiß und männlich”, wie es in einer Aussendung der WU heißt.

Dazu komme ein Dilemma: Um das Interesse von Investoren zu gewinnen, müssten die Gründungsteams aus der Masse herausstechen und gleichzeitig nah an der Prototypvorstellung bleiben. Besonders für Start-ups mit hohem Frauenanteil sei dies sehr schwer, so die Studie.

Die Studienautorin Sonja Sperber von der WU und der Studienautor Christian Linder von der SKEMA Business School Paris haben sich für die Untersuchung 107 Jungunternehmen angeschaut, die im Bereich der Blockchain-Technologie tätig sind – einem als besonders unsicher geltenden Geschäftsfeld. Rein oder mehrheitlich männlich geführte Start-ups täten sich dabei leichter, Investorengelder an Land zu ziehen als Führungsteams mit einem höheren Frauenanteil. Dies lasse sich statistisch aber nicht durch die Ausbildung und Erfahrung der weiblichen Führungskräfte oder die Qualität ihrer Start-ups erklären.

Dass Investoren grundsätzlich Vorbehalte gegenüber frauengeführten Start-ups hätten, zeige die Untersuchung aber nicht: Schaffen Jungunternehmen die erste Hürde und es kommt zu weiteren Finanzierungsrunden, lasse sich kein Gender-Effekt mehr feststellen.

Um den Frauenanteil in der IT-Gründerszene zu erhöhen, reiche es demnach nicht, mehr in die Ausbildung und Förderung von Frauen zu investieren, schlussfolgern die Studienautoren. Vielmehr müssten Nischen gefunden werden, in denen Frauen verstärkt vorkommen und der Prototyp noch nicht so verfestigt ist. Indem man diese stärker hervorhebt und unterstützt, könne man die prototypische Vorstellung auf Dauer verändern.

Von: apa