Im Paketgeschäft rumort es

Gerüchte um “mafiöse Strukturen” im deutschen Paketgeschäft

Samstag, 23. Februar 2019 | 17:27 Uhr

Verdi-Chef Frank Bsirske hat erneut scharfe Kritik an den Paketdiensten in Deutschland geübt und von teils “mafiösen Strukturen” gesprochen. “Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen”, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Viele hätten gefälschte Pässe, sagte der Verdi-Chef. “Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag.” Die Paketdienstleister wiesen die Kritik am Wochenende deutlich zurück.

Bsirske forderte, die Politik müsse auch in der Paketbranche die Nachunternehmerhaftung einführen. Das bedeute, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich sei. Das gibt es bisher nach seinen Angaben nur in der Bau- und in der Fleischbranche.

Die SPD-Partei- und -Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles unterstützte die Kritik von Verdi-Chef Bsirske. “Wer den Mindestlohn untergräbt, begeht kein Kavaliersdelikt. Das ist Betrug an den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern”, erklärte Nahles am Samstag via Twitter. Sie fügte hinzu: “Wir werden das nicht dulden und wollen die sogenannte Nachunternehmerhaftung auch auf die Paketbranche ausweiten.”

Hermes erwiderte am Samstag, als Auftraggeber lege man großen Wert auf unternehmerische Verantwortung. Hermes lasse sich von all seinen Servicepartnern vertraglich zusichern, “dass sie sich vollumfänglich an gesetzliche Vorgaben – insbesondere die Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns – halten”, sagte eine Sprecherin.

Darüber hinaus investiere Hermes in den kommenden fünf Jahren über 100 Millionen Euro, die überwiegend in die Lohn- und Personalkosten in der Paketzustellung fließen. “Für Hermes tätige Servicepartner werden dadurch in die Lage versetzt, ihren Zustellern perspektivisch einen Stundenlohn von mindestens 12 Euro zu zahlen”, sagte die Sprecherin. Im Geschäftsjahr 2019 werde zunächst eine Erhöhung der durchschnittlichen Stundenlöhne von derzeit 9,50 Euro auf über 10 Euro umgesetzt, die in vielen Metropolregionen bereits heute deutlich höher liege.

Auch der Bundesverband Paket & Expresslogistik (Biek) betonte, dass die Unternehmen ihre Vertragspartner zur Zahlung des Mindestlohns und zur Arbeitszeitaufzeichnung verpflichten. “Wer gegen Regeln verstößt, muss mit der Kündigung des Vertragsverhältnisses rechnen”, sagte die Sprecherin des Biek.

Von: APA/dpa