Wirtschaftsbarometer

Geschäftsklima bei Dienstleistern und im Transportgewerbe zieht an

Donnerstag, 10. September 2015 | 11:00 Uhr

Bozen – Heuer erwarten vier von fünf Dienstleistungsunternehmen zufriedenstellende Erträge. Die Stimmung ist auch im Transportsektor positiv, allerdings mit großen Unterschieden zwischen Personen- und Warentransport. Dies geht aus dem Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Die Südtiroler Dienstleistungsunternehmen erwarten heuer eine Steigerung der Umsätze auf allen Märkten: in Südtirol, in den anderen italienischen Provinzen und im Ausland. Die Verkaufspreise werden nach Angabe der befragten Unternehmen stabil bis leicht steigend sein und auch die Anzahl der Beschäftigten dürfte etwas zulegen. Der Wettbewerbsdruck und die Zahlungsmoral der Kund/innen werden hingegen weiterhin negativ bewertet.

Insgesamt erwarten 81 Prozent der Dienstleistungsunternehmen im laufenden Jahr eine zufriedenstellende Ertragslage. Damit hat sich das Geschäftsklima im Vergleich zum vergangenen Jahr gebessert: 2014 waren die Erträge nur für 77 Prozent befriedigend. Der aktuelle Wert ist sogar der höchste seit 2009.

Natürlich gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen des Dienstleistungssektors. Optimistisch gesinnt sind vor allem die Unternehmer/innen der Immobilienbranche und der unternehmensorientierten Dienstleistungen. Am bescheidensten sind die Erwartungen im Kredit- und Versicherungswesen, zum Teil aufgrund von krisenbedingten Problemkrediten. Im Bankensektor erwartet man aber ein Wachstum des Kreditvolumens, sowohl von Kundschaft aus Südtirol, als auch von Kund/innen außerhalb der Provinz.

Im Transportsektor muss zwischen Personen- und Warentransport unterschieden werden. Ersterer hat aufgrund der öffentlichen Aufträge im Nahverkehr auch in den Krisenjahren wenig gelitten und für 2015 erwarten sogar 96 Prozent der Unternehmen in dieser Branche eine positive Ertragslage. Die Transportpreise und damit auch die Umsätze dürften leicht steigen.

In der Warentransport- und Logistikbranche verhindert der starke Konkurrenzdruck eine Preiserhöhung, die Umsätze dürften aber laut den interviewten Unternehmen wieder steigen, vor allem dank ausländischer Kundschaft. Auch der Kreditzugang sollte sich in den nächsten Monaten etwas bessern, während die Zahlungsmoral der Kund/innen noch eher schlecht ist. Insgesamt erwarten 77 Prozent der Warentransporteure zufriedenstellende Erträge im Jahr 2015. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr (76 Prozent) fast unverändert.

Handelskammerpräsident Michl Ebner unterstreicht die Wichtigkeit einer europaweit einheitlichen Regelung des Warentransportes: „Die Verkehrsbeschränkungen in Österreich verursachen vielen Unternehmen große Schwierigkeiten. Auch die Maximalgewichte für Lkws und die Mautsysteme sollten innerhalb der EU harmonisiert werden.“

Im Rahmen des WIFO-Wirtschaftsbarometers umfasst der Dienstleistungssektor folgende Branchen: Verlag und Kommunikation, Informatik, Kredit und Versicherung, Immobilienverwaltung sowie personen- und unternehmensbezogene Dienste. Nicht eingeschlossen sind Handel, Gastgewerbe und Transportgewerbe.

Weitere Auskünfte erteilt das WIFO, Ansprechpartner Georg Lun, Tel 0471 945 708, E-Mail: georg.lun@handelskammer.bz.it und Luciano Partacini, Tel. 0471 945 700, E-Mail: luciano.partacini@handelskammer.bz.it.
 
Die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände

Walter Amort, hds-Präsident, und Christoph Rainer, Präsident der Dienstleister im hds: „Der Weg zeigt eindeutig nach oben: Der Dienstleistungssektor in Südtirol wächst unaufhaltsam – aufgrund seiner Vielfältigkeit, des technischen Fortschritts, des demographischen Wandels und des veränderten Konsumentenverhaltens. Südtirols Betriebe und öffentliche Verwaltungen tun gut daran, dies für die eigene Entwicklung zu nutzen und den Mut zu haben, unseren Dienstleistern Vertrauen zu schenken.“

Gert Lanz, Präsident lvh.apa Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister: „Südtirols Warentransporteure durchleben eine schwierige wirtschaftliche Situation. Um die ausländische Konkurrenz zu bewältigen, müssen Vorhaben wie das sektorale Fahrverbot fallen gelassen werden, sie schaden dem heimischen Transportsektor. Erfreulich ist hingegen die positive Entwicklung des Personentransportes und auch der Dienstleistungen. Das neue Vergabegesetz soll diesen Zweig fördern und die lokale Wirtschaft ankurbeln.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen