Energiewende im Wärmebereich - Länder im Vergleich

Global 2000 fordert mehr Anstrengungen bei Energiewende

Mittwoch, 18. April 2018 | 12:40 Uhr

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat sich angeschaut, wie gut die einzelnen Bundesländer bei der Umsetzung der Energiewende im Wärmebereich liegen. Nach einer Bewertung in drei Kategorien (Ausstieg aus Erdöl, Ausstieg aus Erdgas und Steigerung der Gebäudeeffizienz) beim sogenannten Wohnbaucheck haben Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg die Nase Form, teilte die NGO am Mittwoch mit.

Im Ranking knapp dahinter liegen Wien, Oberösterreich und Kärnten. Etwas abgeschlagen folgt dann Tirol, das mit 31 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Ölheizungen unter allen Bundesländern hat. Die Schlusslichter beim “Wohnbaucheck 2018” bilden das Burgenland und die Steiermark. Dort verlaufe die Energiewende im Wärmebereich deutlich langsamer als notwendig.

In den drei führenden Ländern seien Akzente für den Ausstieg aus fossiler Energie und die Steigerung der Gebäudeeffizienz am deutlichsten sichtbar geworden, so Johannes Wahlmüller von den Umweltschützern. Insgesamt erfreulich sei, dass die Zahl der Ölheizungen in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel zurückgegangen sei. Am stärksten seien die Rückgänge in Vorarlberg, Salzburg und Wien gewesen. Rückläufige, aber etwas schwächere Trends gebe es in allen anderen Bundesländern.

Trotzdem stünden alle Bundesländer vor der großen Herausforderung, etwa 700.000 Ölheizungen in den nächsten Jahren zu ersetzen und der stark eingebrochenen Sanierungstätigkeit entgegenzuwirken, so Wahlmüller. In allen Ländern sei ein “weitgehender Ausstieg bis 2030 noch in Reichweite”. Zuletzt habe neben Niederösterreich auch Wien angekündigt, Ölheizungen im Neubau zu verbieten. Das sei vor allem deshalb notwendig, weil die Mineralölindustrie nach wie vor den Einbau von Ölheizungen fördere und damit die Klimastrategien der Bundesländer konterkariere.

“Es braucht einen sofortigen Einbaustopp von Ölheizungen in Neubau und Sanierung sowie attraktive Umstiegsangebote, damit ein rascher Ausstieg bis 2030 gelingen kann. Das bringt auch für die Konsumenten Vorteile, weil erneuerbare Energien im Vergleich zu Heizöl sehr preisstabil sind”, bekräftigte Wahlmüller eine Forderung der Umweltschützer. Es brauche auch einen Ausstieg aus Erdgas.

Bei der Gebäudeeffizienz machten Salzburg und Tirol laut Global 2000 die größten Fortschritte. Sie seien bei der Qualität der Sanierung Vorreiter und erreichten auch bei Einfamilienhäusern Werte, die der Gebäudeenergieeffizienzklasse B entsprechen, während die Gebäude in anderen Bundesländern nach der Sanierung durchwegs eine Klasse darunter lägen. Hier sei Niederösterreich abgeschlagen. Dort würden Gebäude nach der Sanierung im Durchschnitt die höchsten Energieverbräuche in ganz Österreich aufweisen.

Oberösterreich punkte mit der höchsten Sanierungsrate unter allen Bundesländern. Bundesweit sei die thermische Sanierungsrate allerdings von etwa einem Prozent im Jahr 2010 auf aktuell 0,4 Prozent eingebrochen, dabei wäre eine Steigerung auf drei Prozent notwendig, so Wahlmüller. Im Bundesländervergleich liegen Oberösterreich (0,8 Prozent), Tirol (0,6 Prozent) und Kärnten (0,5 Prozent) vor Wien und Niederösterreich mit jeweils 0,4 Prozent. Deutlich hinten sind die Steiermark (0,3 Prozent), Vorarlberg (0,3 Prozent), Salzburg (0,2 Prozent) und das Burgenland (0,1 Prozent).

Die meisten Bundesländer würden nur etwa 15 Prozent der Wohnbaufördermittel für thermische Sanierung aufwenden. “Die niedrige Sanierungsaktivität widerspricht den Klimastrategien der Bundesländer, die eine deutliche Steigerung vorsehen”, sagt Wahlmüller. Auch im Neubau sieht Global 2000 noch in allen Bundesländern Verbesserungsbedarf.

Von: apa

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