Viele Menschen vertrauen weiter auf Öl

Österreich: Global 2000 kritisiert “Ölheizungs-Lobby” als Klimaschädling

Montag, 12. März 2018 | 07:09 Uhr

Die Umweltorganisation Global 2000 übt angesichts der Klimaschutzziele, zu denen sich Österreich bekannt hat, Kritik an der heimischen “Öl-Lobby”. Vor allem die OMV habe “Erklärungsbedarf”, meint Global 2000. Denn der Konzern, der zu 31,5 Prozent im Besitz der Republik Österreich steht, handle hier gegen die erklärten Klimaziele seines größten Aktionärs. Die OMV sieht das nicht so.

Offenbar gebe es hier ein “millionenschweres Engagement der OMV”, meint die Umweltorganisation. Dabei habe der größte OMV-Aktionär, die Republik, zuletzt 500 Mio. Euro für die Verfehlung von Klimazahlen habe bezahlen müssen.

Die heimische Mineralölindustrie mache sich jedenfalls mit der von ihr mitgetragenen Initiative “Heizen mit Öl” (HMÖ) “mitschuldig am Verfehlen der österreichischen Klimaziele”, kritisierte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. Der Branche warf er vor, sie sei “nicht bereit, den Klimaschutzkurs Österreichs mitzutragen”. Allein zwischen 2012 und 2016 seien von HMÖ mehr als 61 Mio. Euro für die Förderung der Ölheizung ausgegeben worden.

Obwohl es zahlreiche Bekenntnisse der Politik gebe, würden wirksame Maßnahmen bisher ausbleiben, so Global 2000. Anstelle von Ölheizungen sollte der Einbau klimafreundlicher Heizsysteme zum Standard erklärt werden, dafür seien “Gebote” in den Bauordnungen nötig. Der frühere Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hatte im Jahr 2016 mehrfach für ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten bzw. bei Umrüstungen plädiert. Der niederösterreichische Landtag hat im Mai 2017 ein Verbot für den Einbau von Ölheizungen in Neubauten ab dem Jahr 2019 beschlossen.

Von der Umweltorganisation auf die “HMÖ”-Initiative angesprochen, erklärte die OMV, die Förderaktion der Branche unterstütze Haushalte, Heizungsmodernisierungen ohne Belastung öffentlicher Budgets zu finanzieren, damit diese umweltschonender heizen könnten. “Bis 2020 können durch die Aktion 2,48 Mio. t CO2 eingespart werden, womit die Aktion knapp 30 Prozent zu den Einsparungen im Gebäudesektor beiträgt. Durch einen Umstieg von alten Ölkesseln auf moderne Öl-Brennwerttechnik kann der Heizölverbrauch und damit der CO2-Ausstoß bis zu 40 Prozent gesenkt werden.”

Voriges Jahr hat die Zahl der Anträge auf Einbau einer neuen Ölheizung in Österreich mit 5.763 den höchsten Wert seit dem Jahr 2011 erreicht. 2016 waren von der HMÖ 5.502 Anträge bearbeitet und dafür 14,8 Mio. Euro an Beiträgen verbucht worden. Bis heute wolle die Mineralölindustrie den Ausstieg aus Öl im Raumwärmebereich nicht akzeptieren, lautet der Vorwurf von Global 2000. Konsumenten würden sich durch ihre Entscheidung für das klimaschädlichste Heizsystem auf Jahrzehnte abhängig von Öllieferungen machen, hieß es zur APA.

Finanziert werden die HMÖ-Aktivitäten durch Beiträge der Mitgliedsunternehmen in Höhe von 11 Euro pro 1.000 Liter verkauftem Heizöl. 2016 seien (bei damals noch 10 Euro je 1.000 l) die 14,8 Mio. Euro hereingekommen. Finanziert würden damit Werbemaßnahmen in TV und Printmedien sowie Auftritte bei diversen Messen in verschiedenen Bundesländern.

Mit dem 4,7-Prozent-Anstieg wurde 2017 mit exakt 50.062 die Marke von 50.000 Förderanträgen überschritten, der 50.000e Antragsteller – aus Neulengbach in NÖ – durfte sich über einen 10.000-Euro-Gutschein für ein neues Öl-Brennwertgerät freuen, hatte das Institut für Wärme- und Oeltechnik (IWO) Mitte Februar gejubelt. Mit den über 50.000 Öl-Kesseltäuschen seien 4.090 Gigawattstunden Energie eingespart worden, der Jahresenergieverbrauch von 236.000 Haushalten, argumentierte das IWO. Neben dem IWO sind auch der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) und der Fachverband des Energiehandels HMÖ-Eigentümer.

“Unbeeindruckt durch das vieldiskutierte Ölheizungsverbot” sei der Verbrauch von Heizöl Extra Leicht in Österreich 2017 – nach einem Minus von 0,4 Prozent im Jahr davor – wieder um fünf Prozent gestiegen, freute sich der Fachverband der Mineralölindustrie auf Basis erster Schätzzahlen in einer Aussendung am Neujahrstag. Der Verbrauch sei auf 1,19 Mio. t geklettert, das diskutierte Verbot habe “demnach keine Auswirkungen auf den Heizölverbrauch” gehabt. Positiv auf den Absatz habe sich vielmehr der im Jahr 2017 vergleichsweise niedrige Heizölpreis aus gewirkt, so der FVMI.

Von: apa