Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt

Globe-Invest: Hauptangeklagter plädiert auf “nicht schuldig”

Dienstag, 15. Januar 2019 | 14:40 Uhr

Am ersten Verhandlungstag am Dienstag im Strafprozess um die in die Pleite geschlitterte oberösterreichische Anlagefirma Globe Invest haben sich der Hauptangeklagte Bernhard W. und drei weitere Angeklagte als “nicht schuldig” bezeichnet. Zwei weitere Angeklagte gestanden eine teilweise Schuld ein, jedoch nur für eine eingeschränkte Schadenssumme.

Mehr als 3.000 Anleger sollen laut Anklage der Staatsanwaltschaft um rund 30 Mio. Euro geschädigt worden sein. Die Verhandlung am Straflandesgericht Wien wird morgen, Mittwoch, fortgesetzt. Bis Ende Jänner hat Richterin Claudia Moravec-Loidolt insgesamt neun Verhandlungstage anberaumt.

Zehn Jahre hat es gedauert, bis es nach der Pleite der Finanzgruppe im Jahr 2009 nun zum ersten Verhandlungstag gekommen ist. Zur langen Verzögerung hat auch ein Gutachterwechsel im Jahr 2011 beigetragen. Als Gutachter und gerichtlicher Sachverständiger fungiert Martin Geyer. Der Wechsel von KPMG zu Geyer wurde erforderlich, da nach einem Spruch des OLG Graz im AvW-Verfahren Gutachter, die bei der Insolvenz beschäftigt waren, im Strafverfahren als befangen gelten. Global-Invest war im März 2009 mit 34 Mio. Euro Schulden in Konkurs gegangen.

Die sechs Angeklagten müssen sich wegen Betrug, Untreue und betrügerischer Krida verantworten. Der Strafrahmen liegt bei bis zu zehn Jahren Haft. Die Beschuldigten sollen Anleger mittels eines “Schneeballsystems” um ihr Geld gebracht haben. Global Invest verkaufte etwa Genussscheine und Immobilienfonds an private Anleger. Ende 2008 konnten keine Auszahlungen mehr geleistet werden.

Laut dem anklagenden Staatsanwalt haben bei der Insolvenz der Gruppe 2009 die Gläubiger “schon was gesehen”, es sei aber ein Schaden von 30 Mio. Euro geblieben, was ein “relativ massiver Schaden” sei.

“Wir haben hier einen Fall, wo über die Risiken aufgeklärt wurde”, betonte dagegen der Verteidiger des Hauptangeklagten, Ernst Schillhammer, in seinem Plädoyer. Wirtschaftliches Handeln sei ohne die Möglichkeit des Scheiterns nicht möglich.

Die Zweit- und Drittangeklagten, ein Ehepaar, wollten ihre strafrechtliche Verantwortung zwar wahrnehmen, jedoch treffe der angeklagte Vorwurf nur teilweise und in der Höhe eingeschränkt zu, sagte deren Anwalt Mario Schmieder. Sie bereuten auch ihr Verhalten. Den übrigen drei Angeklagten trifft laut ihren Verteidigern keine Verschulden, sie wiesen die Vorwürfe der Anklagebehörde zurück.

“Es war mir immer wichtig gewesen, auf das Risiko hinzuweisen”, sagte der Hauptangeklagte und ehemalige Chef der Gruppe, Bernhard W., bei seiner ersten kurzen Einvernahme durch die Richterin. Man habe immer auf das “100-Prozent-Risiko” hingewiesen. Der Vertrieb der diversen Produkte sei nur über konzessionierte Vermögensberater erfolgt. Man hätte auch unter die Aufsicht der FMA gehen wollen, sei aber abgewiesen worden. In Österreich sei keine Konzession gebraucht worden, man habe eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) besessen.

Für einzelne Produkte habe es eine Rückzahlungsgarantie oder bei Bonds ein Zinsversprechen in Höhe von 3 Prozent gegeben. Es habe regelmäßige Anlageausschüsse gegeben, die unter anderem auch von C-Quadrat beschickt worden seien.

Im Zentrum seiner weiteren Einvernahme stand die Darstellung des Firmengeflechtes, zu dem unter anderem Tochtergesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Rumänien zählten.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9 Uhr am Straflandesgericht Wien fortgesetzt.

Von: apa