Frauen im Vorstand sind auch in Deutschland noch Mangelware

Großteil der deutschen Börsen-Konzerne ohne Frau im Vorstand

Donnerstag, 27. Mai 2021 | 10:00 Uhr

Mehr als die Hälfte der großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland hat keine Frau im Vorstand. Das ergab eine Studie der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar), die an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird. Demnach sitzt in 103 von 186 untersuchten Konzernen keine einzige Frau in der Vorstandsetage.

Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen im Vergleich zum Vorjahr auf 13 Prozent (plus 2,3 Prozentpunkte). Ausgewertet wurden Konzerne in den Börsenindizes DAX, MDAX und SDAX sowie die im regulierten Markt an der Börse notierten, paritätisch mitbestimmten Unternehmen zum Stichtag 15. Jänner 2021 und aktualisiert bis zum 22. März dieses Jahres.

In der Gruppe der Unternehmen, für die bereits seit 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte gilt, liegt der Frauenanteil in Vorständen mit 14,1 Prozent etwas höher als in den restlichen Konzernen ohne Quote, wo er bei 11,3 Prozent liegt. In beiden Gruppen gab es aber einen leichten Zuwachs um 2,6 Punkte beziehungsweise 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2020.

Der aktuelle Women-on-Board-Index, wie die Studie heißt, zeigt, dass 62 der 186 betrachteten Konzerne weiterhin mit einer frauenfreien Vorstandsetage planen, darunter den Angaben zufolge auch die DAX-30-Unternehmen Delivery Hero und RWE. Gleichwohl ist die Zahl dieser Unternehmen, die sich für ihren Frauenanteil die sogenannte Zielgröße Null gesetzt haben, seit 2020 von 75 auf 62 gesunken. Mehr börsennotierte Unternehmen haben also die Absicht, ihre Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen.

Der Frauenanteil in Aufsichtsräten hat sich seit 2020 nur leicht nach oben bewegt. Die aktuell 106 Unternehmen, die der verpflichtenden Frauenquote unterliegen, erreichen im Aufsichtsrat mit durchschnittlich 35,9 Prozent Frauen (plus 0,7 Punkte seit 2020) der Erhebung zufolge einen Höchststand. Die 80 nicht unter die Quote fallenden DAX-Unternehmen bewegen sich dagegen mit 24,5 Prozent (plus 1,7) weiter unter der 30-Prozent-Marke.

Das deutsche Bundeskabinett hatte Anfang des Jahres auch eine verbindliche Frauenquote für Unternehmensvorstände auf den Weg gebracht. Sie soll noch bis Ende der Legislaturperiode den Bundestag passieren. Die Initiative Fidar fordert, darüber hinaus die bereits existierende Frauenquote für Aufsichtsräte deutlich zu erweitern. Bisher gilt sie nur für einen Teil der Firmen, etwa ab einer bestimmten Firmengröße.

Von: APA/dpa