Die Anrainer sind jetzt schon genervt von den dröhnenden Motoren

GTI-Treffen am Wörthersee startete bei feucht-trübem Wetter

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 14:21 Uhr

Am Wörthersee in der kleinen Kärntner Ortschaft Reifnitz hat am Mittwoch bei feucht-trübem Wetter das offizielle GTI-Treffen begonnen. An jedem der vier Tage werden durchschnittlich 30.000 Gäste erwartet. Der Ortskern wurde wie in den vergangenen Jahren adaptiert, VW alleine baute über zwei Wochen 2.100 Quadratmeter Standfläche auf.

Ein Volksfest für Tuning-Fans soll es werden. Im VW-Bereich herrscht Messe-Flair. Natürlich gibt es Autos zu bestaunen, es warten aber auch Videospiele, Shops und Merch-Stände mit GTI-Uhren, Stramplern und Shirts. Beim GTI-Würstelgrill gibt es “Volkswagen Originalteil Curry Wurst mit Pommes” um acht Euro, das große Bier schlägt mit 4,20 Euro zu Buche. Veranstaltet werden die unterschiedlichsten Shows und Einlagen. Den Auftakt machte ein Corso mit 150 Autos am Mittwoch zu Mittag.

“Wir versuchen, zurück zu den Wurzeln zu gehen”, sagte Sandra Waidelich von VW vor Journalisten. Den “echten GTI-Fans” gehe es ums Tuning. Das Wörthersee-Treffen sei dem Konzern sehr wichtig, die “treue Community” wisse man sehr zu schätzen. Diesmal werde auch live getunt. “Wir wollen zeigen, wie man auf legale Art und Weise in vier Tagen ein Fahrzeug in ein Tuning-Fahrzeug umbaut”, so VW-Mann Philipp Matthes. Unter die Gäste werden sich auch VW-Rennfahrer mischen. Benny Leuchter ist hier, auch Jochi Kleint, Rallyefahrer seit 1966, freut sich: “Die Veranstaltung hat Kult.”

Organisiert wird das GTI-Treffen von der Gemeinde. Bürgermeister Markus Perdacher ist von den wirtschaftlichen Vorteilen überzeugt, die Betriebe seien gut besucht. Es gibt aber auch Kritik am GTI-Treffen. Nachdem das eigentliche Treffen streng reguliert und überwacht wird, kommt es immer mehr zu einer Verlagerung. Seit Wochen halten die inoffiziellen “Vortreffen”, zu denen sich GTI-Fans online verabreden, Polizei und Anrainer zwischen Wörthersee und Faaker See in Atem. Die Exekutive hatte mit Staus, wildem Parken, illegalen Rennen und Lärmbelästigungen viel zu tun. Perdacher sagte, er habe keine einzige Beschwerde von einem seiner Gemeindebürger gehört. Für alles, was “auswärts” passiere, sei er nicht zuständig.

So richtig viel los war am Vormittag in Reifnitz noch nicht. Mechaniker Reinhard Rode aus Bayern kennt sich aus in der Szene: Er ist der, der während der vier Tage in Reifnitz einen GTI vor Publikum Schritt für Schritt komplett umbauen wird. Warum legt man ein Auto tiefer? “Weil es schön ausschaut.” Und wenn dann eine Schwelle kommt? Kann man das Auto hochfahren. Beim Tuning geht es um Individualismus, nicht um Geprotze, sagt er. Was derzeit der letzte Schrei ist? Geschraubte, dreiteilige Felgen, ganz klar.

Viel fotografiert wird in Reifnitz, eine Gruppe aus China in blauen Jacken ist angesichts der vielen möglichen Motive sichtlich gestresst. Wenige Schritte weiter starren zwei junge Männer aus Deutschland gebannt in einen Motorraum. Warum sind sie Autofans? Waren sie schon immer, geben sie wortkarg zu verstehen. Sie waren schon vor zwei Wochen in Kärnten bei einem der Vortreffen. Was sie zu den Beschwerden der Anrainer sagen? Wo viele Leute zusammenkommen, passiere halt mal etwas.

Für die Polizei bedeutet das GTI-Treffen Großeinsatz über Wochen, Unterstützung aus anderen Bundesländern ist vor Ort. In einer Aussendung am Mittwoch gab es eine Bilanz über die Vortreffen. Der Großteil der vielen Teilnehmer aus ganz Europa habe sich demnach an die Vorschriften gehalten, speziell im Bereich Faaker See seien aber viele Gäste sehr undiszipliniert gewesen und hätten teils gefährliche Verkehrsübertretungen provoziert. Über das verlängerte Wochenende auf den 1. Mai musste Velden wegen Verkehrsüberlastung kurzfristig gesperrt werden, es gab auch eine Massenschlägerei mit mehreren Verletzten. “Intensiv gefordert” hätten die Polizei die Lärmbelästigungen durch provozierte Fehlzündungen und “Gummi-Gummi”, das bewusste Durchdrehen der Räder, bis der Reifen schmilzt. Bei technischen Kontrollen wurden mehr als 70 Kennzeichen abgenommen.

Von: apa