Schuldenmachen durch Shopping nimmt zu

Hälfte der Österreicher sitzt auf Konsumschulden

Mittwoch, 02. Mai 2018 | 13:00 Uhr

Immer öfter und immer höher: Die Konsumschulden der Österreicher haben laut einer Umfrage deutlich zugelegt. Mittlerweile gibt jeder Zweite an, privat verschuldet zu sein – ein Plus von mehr als 22 Prozent gegenüber 2017. “Gab es im Vorjahr einen Rückgang, so ist derzeit ein Hoch bei Konsumschulden zu verzeichnen”, so die ING-Diba. Für Schuldnerberater ist das eine gefährliche Entwicklung.

Sie treffe vor allem Menschen, die auf wirtschaftlich wackeligen Beinen stehen, betont Clemens Mitterlehner, Chef der staatlich anerkannten Schuldnerberatungen, gegenüber der APA. “Es gibt immer mehr Menschen, die mit ihrem laufenden Einkommen nicht auskommen”, sagt er. Und immer mehr Menschen seien armutsgefährdet. Von einem Finanzpolster für die berühmte Reparatur der Waschmaschine brauche man da gar nicht sprechen.

Grund für die gesteigerte Kreditlust der Verbraucher sind die brummende Konjunktur und niedrige Zinsen, wie die Direktbank am Mittwoch mitteilte. Beim Sparen stehen die Österreicher dafür auf der Bremse, knapp ein Viertel der heimischen Haushalte hat kein Geld auf der hohen Kante liegen, hieß es kürzlich.

Das Anziehen der Verschuldung erstreckt sich laut der ING-Umfrage über alle Bereiche: 22 Prozent der Österreicher haben mittlerweile einen Konsumkredit, im Vorjahr waren es noch 16 Prozent. 16 Prozent überziehen regelmäßig ihr Konto, 2017 taten dies erst zwölf Prozent. Die Zahl derer, die bei Familie oder Freunden verschuldet sind, stieg um einen Prozentpunkt auf acht Prozent. Kreditkartenschulden haben mittlerweile sechs Prozent der Befragten, ein Plus von zwei Prozentpunkten. Auch bei den Händlerkrediten wird vermehrt zugegriffen. Fünf Prozent der Österreicher erfüllen sich so ihren Kaufwunsch, nach drei Prozent im Jahr 2017.

Besonders der Kontoüberzug sei problematisch, da hier an die zehn Prozent Zinsen fällig würden, warnt Mitterlehner. Das sei ein erstes Alarmzeichen für eine mögliche Schuldenspirale und keinesfalls eine Möglichkeit zur Finanzierung von Konsumgütern. Auch Konsum- und Händlerkredite sieht der Schuldnerberater kritisch: “Man muss sich fragen, ob es sich um eine notwendige Investition handelt, oder um ein Bedürfnis, das die Werbung erzeugt hat.” Man müsse sich auch überlegen, was passiert, wenn die Zinsen stiegen, der Partner arbeitslos werde oder ein Kind zur Welt komme.

Laut der Umfrage steht ein Viertel der Verbraucher mit einem bis drei Monatsgehältern in der Kreide, bei 22 Prozent der Befragten belaufen sich die Konsumschulden auf weniger als ein Monatsgehalt. 14 Prozent sind gar mit mehr als einem Jahresgehalt privat verschuldet, während sieben Prozent überhaupt nicht wissen, wie tief sie in den roten Zahlen stehen.

Regional betrachtet, leben in Wien und Salzburg die “wenigsten” Privatschuldner. Dort gaben 44 bzw. 44,5 Prozent der Haushalte an, Privatschulden zu haben. In Kärnten hingegen taten dies 57 Prozent, gefolgt von Tirol (56 Prozent), dem Burgenland (55 Prozent) und Niederösterreich (53 Prozent).

Für das ING International Survey wurden laut der Bank 1.000 Österreicher repräsentativ zu ihren privaten Schulden (ohne Hypothekarkredite) befragt. Dazu zählen etwa Konsumkredite, Kontoüberziehungen, Kreditkartenschulden sowie geliehenes Geld von Familie und Freunden. Insgesamt wurden 13.000 Personen ab 18 Jahren in 13 Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, Türkei, Tschechien) online befragt.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz