Arbeit mit Migrantinnen

Hebammen sprechen mit Händen und Mimik

Samstag, 14. Mai 2022 | 08:29 Uhr

Bozen – „Wir Hebammen sprechen mit den Händen, mit den Augen, mit der Mimik und manchmal auch mit Google Translate“, so beschreiben Hebammen ihre Arbeit mit Migrantinnen, wenn ihnen keine kulturellen Mediatorinnen zur Seite stehen.

Die Kommunikation funktioniert, doch leider nicht so gut, wie es sollte, das zeigen die Datenerhebungen besonders klar, denn bei Migrantinnen kommt es häufiger zu Komplikationen in der Schwangerschaft und Geburt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Migrantinnen haben weniger Zugang zu wichtigen Informationen, weniger Kenntnisse über öffentliche Einrichtungen, nehmen weniger Untersuchungen in Anspruch. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Hebammen und andere professionelle Kräfte in der Geburtshilfe sich um Kommunikation und vor allem um gute Beziehungen bemühen, denn nur wenn es Vertrauen gibt, öffnen sich die Frauen und erzählen von ihren wirklichen Bedürfnissen und Sorgen.

„Oft funktioniert die Kommunikation mit einer Mediatorin besser als mit den begleitenden Ehemännern“, berichten die Hebammen beim gemeinsamen Austausch am 5. Mai auf Schloss Maretsch, anlässlich des Internationalen Hebammentages 2022.

Frauen brauchen bei Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, aber auch beim Stillen oder Krankheiten die Möglichkeit einer guten Betreuung und das braucht Zeit. 21 Prozent der betreuten Frauen in Südtirol sind Migrantinnen, „Am Krankenhaus Bozen sind es sogar 35 Prozent“, sagt Gynäkologin Christa Schrettenbrunner, „in Zukunft werden wir vielleicht bereits in der Ausbildung die Hebammen auf multikulturelle Kommunikation und Ethik vorbereiten müssen.“

Schrettenbrunner war als Gastrednerin neben Silvia Gretter vom Sozialsprengel Meran, Antonina Marasca von der Vereinigung Donne Nissa`, der pakistanischen Mediatorin Mahjebeen Saeed und Hebamme Gaia Mureda dabei.

Ilaria Gazzetta präsentierte ihre Diplomarbeit, die sich mit der Rolle der Hebamme bei Frauen mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt hat: die Einsamkeit dieser Frauen ist groß, deswegen braucht es nicht nur guten nährenden Kontakt zwischen Migrantinnen und dem Fachpersonal, sondern auch die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Frauen.

Das Projekt „Family Support“ könnte etwa Migrantinnen Unterstützung bieten, besser integriert zu werden, durch die Begleitung von sog. Patinnen für die jungen Familien.

Hebamme Gaia Mureda betont, dass die gemeinsame Grundlage des Verstehens immer das „Frausein“ ist: Sie bietet Kurse zu Frauengesundheit, Sexualität und Verhütung in verschiedenen Einrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften, Frauenhäusern oder Schulen an. „Der wichtigste Schritt von unserer Seite für eine gute Beziehung ist das Ablegen der Vorurteile, das ist genauso wichtig wie das Nachfragen: wie ist das in deiner Kultur? Was brauchst du jetzt in dieser Situation? Es geht um menschliche Begegnungen, auch wenn wir professionelle Hilfe anbieten.“

Hebammen tragen viel Verantwortung, nicht nur im Moment der Geburt, sondern auch in der Begleitung der Mütter und Kinder vor und nach der Geburt.

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "Hebammen sprechen mit Händen und Mimik"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Savonarola
14 Tage 9 h

schiane Aussichten

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
14 Tage 8 h

🙈🙉🙊
Dazu spreche ich nur mit Gestik…

Trina1
Trina1
Kinig
14 Tage 2 h

Bei so viel Zuwanderung lohnt sich sicher ein Dolmetscher !

traktor
traktor
Universalgelehrter
13 Tage 12 h

diese leute sollten zumindest einer landessprache mächtig sein müssen…

Wunder
Wunder
Grünschnabel
13 Tage 19 h

Liebe Hebammen, danke für eure Bemühungen! Ihr seid unterbezahlt und überarbeitet. Den Ruhm bei einer Geburt steckt am Ende der Arzt ein und ihr habt die Arbeit verrichtet!
Echt ungerecht! Und dann müsstet ihr euch noch um Dolmetscher kümmern… Hallo?!!!???

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