Der Skandal zog bisher an Österreich vorbei

Heimische Eier im Fipronil-Skandal bis dato nicht betroffen

Dienstag, 08. August 2017 | 18:22 Uhr

Aufgrund der Geschehnisse in Deutschland, Belgien und den Niederlanden rund um das Insektizid Fipronil stehen die österreichischen Behörden in Kontakt mit den betroffenen Länder, um so rasch wie möglich auf neue Erkenntnisse reagieren zu können. Das gab das Gesundheitsministerium am Dienstag bekannt. Bis dato gebe es keine Anzeichen, dass österreichische Geflügelbetriebe betroffen sind.

Im heimischen Lebensmitteleinzelhandel seien fast ausschließlich österreichische Frischeier erhältlich. Wenn Konsumenten heimische Eier im Supermarkt kaufen, bestünde keine Gefahr.

Um das heimische Vorgehen zu koordinieren, gab es bereits eine Telefonkonferenz des Ministeriums mit allen Bundesländern, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sowie der Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV). Im Auftrag des Gesundheitsministeriums werden dennoch vorsorglich alle Eier in Österreich, die zur Untersuchung zur AGES gelangen, auf das verbotene Mittel “Fipronil” untersucht. Weiters wurde im Rahmen der Telefonkonferenz mit den zuständigen Leitern der Lebensmittelaufsicht in den Bundesländern vereinbart, dass Betriebe, die möglicherweise Eier aus dem Ausland beziehen, kontrolliert werden.

Wo aufgrund der Warenströme Hinweise auf Eier aus Deutschland, Belgien oder den Niederlanden vorliegen, werden umgehend Proben gezogen und untersucht. “Wir wollen sichergehen, dass keine Produkte mit diesem Mittel in Österreich in den Handel kommen und Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger haben”, betonte Ressortchefin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ). Sie sprach sich zudem für eine bessere Herkunftskennzeichnung von Eiern aus. Denn während eine Rückverfolgbarkeit bei Eiern in der Schale möglich sei, sei bei verarbeiteten Produkten, die nach Österreich gebracht werden, nicht nachvollziehbar, aus welchem Land die darin enthaltenen Eier stammen.

Vergangene Woche ließ die Agrarmarkt Austria (AMA) 30 Marktproben österreichischer Frischeier im heimischen Lebensmittelhandel untersuchen. In keiner einzigen wurde Fipronil nachgewiesen. In Kärnten hatte der Lebensmittelskandal Kontrollen in Kärnten zur Folge. Die Lebensmittelaufsicht wird Gastronomie- und Hotelbetriebe überprüften, die Eier möglicherweise direkt aus Deutschland bezogen haben. Das sagte Lebensmittelinspektor Alfred Dutzler am Dienstag auf Anfrage der APA.

“Wir müssen schauen, welche Betriebe dafür infrage kommen”, sagte Dutzler. In landwirtschaftlichen Betrieben sind keine Kontrollen geplant. “Das Mittel ist in Österreich gar nicht vertrieben worden.” Es gebe keinerlei Hinweis, dass österreichische Eier belastet sein könnten. Dass angeblich Kärntner Bauern freiwillig ihre Eier auf Fipronil testen ließen, sei nicht richtig, so Dutzler. Auch Gerda Weber, in der Landwirtschaftskammer für die Geflügelbetriebe zuständig, bestätigte: “Das ist eine Fehlinformation.”

Ein österreichisches Handelsunternehmen hat unterdessen Eier aus Deutschland aus Vorsicht aus dem Sortiment genommen, sagte Dutzler. Um welches Unternehmen es sich handelt, um eine Supermarktkette oder einen Großhändler, wollte der Lebensmittelinspektor nicht bekanntgeben.

“Im heimischen Lebensmittelhandel sind fast ausschließlich österreichische Frischeier erhältlich. Diese sind mit dem Länderkürzel ‘AT’ auf der Stempelung am Ei beziehungsweise am rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel klar erkennbar”, sagte Genia Hauer, Qualitätsmanagerin der AMA Marketing. Wer die Herkunft der Eier genau überprüfen möchte, erhält unter www.eierdatenbank.at Auskunft über den Legehennenbetrieb und die Haltungsform.

Der Wirkstoff Fipronil ist in Österreich in der Geflügelhaltung verboten. Als Mittel gegen Ameisen und Schaben für den privaten Hausgebrauch sowie als Arzneimittel gegen Ungeziefer bei Katzen und Hunden ist es jedoch erlaubt.

Bei einer Analyse in Belgien wurde ein Fipronil-Gehalt im gesundheitsgefährdenden Bereich festgestellt. Bei einer Eierprobe wurde ein Wert von 0,92 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) gemessen, wie die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am Dienstag in Brüssel mitteilte. Ab 0,72 mg/kg geht die EU von einer Gesundheitsgefahr aus.

Bisher wurden zwar Höfe gesperrt, Aufforderungen an Konsumenten, bestimmte Chargen wegzuwerfen, gab es aber nicht – was mit den niedrigen gemessenen Fipronil-Werten begründet wurde. Diese Argumentation gerät nun in Zweifel. Noch am Montagabend hatte die FASNK erklärt, der bis dahin höchste gemessene Fipronil-Wert in Belgien liege bei 0,096 mg/kg.

Die Probe, um die es geht, ist vom 18. Juli. Ursprünglich war dabei ein niedriger Wert von 0,076 mg/kg gemessen worden. Der Betrieb nutzte sein Recht, ein Gegengutachten erstellen zu lassen – das wiederum den deutlichen höheren Wert von 0,92 mg/kg ergab. Die FASNK versucht nun, den Grund für die unterschiedlichen Messungen zu ermitteln. Der hohe Fipronil-Wert sei vorsorglich auch an die anderen EU-Staaten gemeldet worden, so die FASNK. Die Eier wurden nach ihren Angaben schon am 18. Juli beschlagnahmt und haben die Konsumenten nicht erreicht.

Belgien droht in dem Skandal ein EU-Verfahren. Eine EU-Kommissionssprecherin erklärte am Dienstag in Brüssel, die EU-Staaten hätten eine rechtliche Verpflichtung, das EU-Schnellwarnsystem in solchen Fällen unverzüglich zu informieren, wenn eine Bedrohung der menschlichen Gesundheit vorliege. In Belgien ist bekannt geworden, dass die Behörden schon seit Anfang Juni von einem Verdachtsfall in einem Betrieb wussten.

Die EU-Kommissionssprecherin betonte, die EU-Kommission sei erst am 20. Juli von Belgien über die Vorfälle informiert worden. Wenn ein EU-Staat die Informationen nicht sofort an das EU-Schnellwarnsystem weitergebe, verstoße er gegen EU-Recht und müsse mit einem EU-Vertragsverletzungsverfahren rechnen.

Die Sprecherin betonte, in Belgien sei der Fipronil-Skandal gerade Gegenstand von Ermittlungen. Dabei gehe es auch darum, was den Behörden zu welchem Zeitpunkt bekannt war. Daher könne die EU-Kommission auch konkret noch nichts zu Belgien sagen.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat unterdessen mit dem deutschen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem niederländischen Agrarminister Martijn Van Dam über den Fipronil-Skandal gesprochen, wie die Sprecherin weiters sagte. Für den heutigen Nachmittag sei ein Gespräch des EU-Kommissars mit dem belgischen Landwirtschaftsminister Denis Ducarme geplant.

Von: apa

Kommentare

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10 Kommentare auf "Heimische Eier im Fipronil-Skandal bis dato nicht betroffen"


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Tabernakel
8 Tage 6 h

Österreichische Eier sind hier keine heimischen Eier!

Sun
Sun
Grünschnabel
8 Tage 4 h

gefühlsmäßig schon

Karl
Karl
Tratscher
7 Tage 16 h

Wer  lesen kann hat mehr vom Leben.  Der Bericht handelt von ÖSTERREICH und nicht von deinem  (und manch anderem  Italienfan) Alto Adige. Du  und  diese Sorte  Südtiroler  könnt euch  also wieder ganz entspannen.

Mistermah
Mistermah
Superredner
7 Tage 14 h

Sind die Eier bzw. Hühner nicht fast überall Ausländer…

Tabernakel
7 Tage 14 h

@Sun
Kannst Du Eier fühlen?

NixNutz
NixNutz
Superredner
6 Tage 16 h

@Sun na secco net!!!

NixNutz
NixNutz
Superredner
6 Tage 16 h

@Karl seien sie doch still sie eva klotz fan! Südtirol ist und bleibt Italien!

Gredner
Gredner
Superredner
8 Tage 6 h

“Heimische” Eier aus Österreich? Ist Südtirol schon bei Österreich? Da habe ich wohl was versäumt.

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
8 Tage 5 h

…Eier sein Eier…des sein jo Eier…geaht’s mir net af die…

NixNutz
NixNutz
Superredner
6 Tage 16 h

Na, ober mir kimp fir so monch einer hier lehnt sich zu weit ausm fenster! Suedtiroler eier sein suedtiroler eier und sicher koane heimischen ösi eier, weil sell gang mir a af di eier

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